Heimat aus Holz und Beton

Beim Tag des offenen Denkmals werden Türen geöffnet, die normalerweise fest verschlossen sind

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Im Kloster Beuerberg präsentierten Kreisheimatpflegerin Maria Mannes und Landrat Josef Niedermaier das Programm zum Tag des offenen Denkmals im Landkreis Bad-Tölz-Wolfratshausen.

Landkreis – Gibt man Maria Mannes das Stichwort „Denkmal“ – so gerät sie ins Schwärmen. Von atemberaubenden Deckengemälden, Grenzsteinen, die viel zu erzählen wissen, und einem Kerker, dessen Inhalt ihr ein beseeltes Lächeln auf die Lippen zaubert. So war das Kloster Beuerberg der ideale Ort für die Kreisheimatpflegerin, zusammen mit Landrat Josef Niedermaier das Programm zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 8. September vorzustellen.

Wenn der Landrat an die „traditionellen, versteckten und privaten“ Denkmäler der Umgebung denkt, so denke er an Heimat. Eine Heimat, die am Aktionstag entdeckt werden will. Und da muss die Öffentlichkeit gar nicht groß motiviert werden, wie die Besucherzahlen der vergangenen Tage des offenen Denkmals beweisen. Allein 2018 haben über 4.000 Menschen die Tölzer Monumente erkundet, zu Beginn der Veranstaltungsreihe waren es noch um die 2.000. Die Auswahl an Besichtigungszielen ist jedenfalls auch heuer groß.

In Benediktbeuern öffnet der Maierhof seine Pforten. Dort wartet nicht nur ein Terrarium mit Würmern und Leguanen auf Besucher, sondern gleich ein ganzer Bienenstock, in dessen Inneres durch eine Glasscheibe geblickt werden kann. Doch nicht allein das, was in dem Gebäude steht, wirkt auf die Eintretenden, auch das Gebäude per se. Einst der Landwirtschaft dienlich und somit für seine Architektur vermutlich kaum beachtet, begeistern heute im Maierhof altes Gebälk und sein in Teilen freigelegtes Ziegelwerk. Pater Karl Geißinger gewährt Einblicke in die Geschichte des Gebäudes mit zwei Führungen um 11 und 14 Uhr. Zudem werden auch im Kloster sonst verschlossene Pforten geöffnet. In Begleitung von Pater Johannes Neuner können Interessierte dann unter dem Titel „Geistiger und materieller Umbruch von Gotik zu Rokoko“ auf Entdeckungstour gehen: um 12.30 und 14 Uhr.

Nicht ins Kloster, sondern in die Kirche geht es dagegen in Bad Tölz, wo Claus Janßen um 11 und 14 Uhr durch die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt führt, und in die Winzerer Kapelle, welche sich hinter dem Altar zu verstecken versucht. Und hinter den Altar wagen sich für gewöhnlich nur selten Kirchgänger, schmunzelt Niedermaier, der 15 Jahre in der Kirche ministrierte. Hinter Altar und in der Kapelle halten sich die Wappengrabsteine der Gründer des Kloster Reutbergs im Verborgenen. Am 8. September wird sich dann das gusseiserne Tor am Eingang quietschend öffnet.

Wenn für Niedermaier Denkmäler Heimat bedeuten, dann dürfte sich der Landrat im Kloster Beuerberg bestens aufgehoben fühlen, nicht nur, weil der altehrwürdige Bau eben ein solches ist, sondern auch, weil sich derzeit eine Ausstellung mit dem Thema „Heimat“ auseinandersetzt: Tracht, Dialekt, Musik, Handwerk, Architektur – damit werden die Besucher von 14 bis 15.30 Uhr konfrontiert, wenn sie durch die Ausstellung geführt werden, um sich dann ihrer ganz eigenen Definition vom Begriff Heimat zu nähern. Eine Premiere, denn die bisherigen Ausstellungen widmeten sich stets den Salesianer-Schwestern, die bis 2014 das Kloster in Klausur bewohnten. Nicht die einzige Premiere: Im Obergeschoß befinden sich Räume, die aus Brandschutzgründen jeglichen Zutritt verwehren. Doch in Absprache mit dem Landratsamt und der Feuerwehr wird am 8. September eine Ausnahme gemacht, dann lässt sich in Sonderführungen auch der Totengang besichtigen, in welchem Gebeine und ein Totenschädel aus einem spannenden Kapitel des Klosters berichten.

Eine Nummer kleiner, aber keineswegs minder von Bedeutung ist die Geschichte des Klosters und der Klosterkirche Reutberg, durch das Kreisheimatpfleger Martin Englert um 14 Uhr führt, wobei er Wissenswertes über die Kirche aus dem 18. Jahrhundert in Sachsenkam zu berichten weiß.

Ebenfalls im 18. Jahrhundert errichtet wurde die Kapelle Stankt Nikolaus in Geretsried-Gelting. Der Bau beherbergt einen Altar mit der Darstellung ihres Namensgebers. In seiner Hand hält der Heilige drei Goldene Kugeln. Weshalb diese Attribute für die Güte des Frommen sprechen, und weshalb eine Blechwanne zu dessen Füßen auf alles andere als Güte schließen lässt, können Interessierte von den Mitgliedern der Interessengemeinschaft für die Erhaltung der Kapelle erfahren, die in dem oktogonalen Bau, der für nur wenige Betende Platz bietet, von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr Rede und Antwort stehen.

Dem Heiligen Benedikt gilt dagegen die Kirche in Geretsried-Gelting. Im Inneren des Gotteshauses wartet ein prächtiges Deckengemälde mit einer „Illusionsdarstellung“ auf eintretende Betrachter, schwärmt Mannes. Doch nicht allein die Decke des Baus lässt sich an diesem Tag von 10 bis 17 Uhr betrachten, auch der Turm, auf Nachfrage lässt sich dieser nämlich erklimmen, um oben dann die Glocke zu läuten. Auf dem Weg in die Höhe werden die Treppengänger dann weitere Kirchenschätze in den Nischen entdecken, denn nicht alle Habseligkeiten haben um die Kirchenbänke herum einen Platz gefunden, erklärt die Kreisheimatpflegerin.

Während lautes Glockengeläut aus der Kirchturmspitze dingt, erklingen Metallschläge auch vor dem sakralen Bau: Ein Wagenschmied lässt sich in der Geltinger Dorfschmiede von 14 bis 17 Uhr nieder und führt vor, welch handwerkliches Geschick beim Umgang mit Werkzeug und glühendem Eisen am offenen Feuer von Nöten ist. Im vergangenen Jahr gesellte sich da noch ein Hufschmied dazu, der seine Hufeisen gleich zum Beschlagen weiterreichte. Doch ein solcher war „in diesem Jahr nicht aufzutreiben“, bedauert Mannes.

Auftreiben oder besser gesagt Auftrieb ist das richtige Stichwort beim Blick auf Jachenau, wo gleich zwei Berg­hütten auf Besuch warten. Ein wenig Kondition und Fitness wird nämlich schon von jenen abverlangt, welche sich in einem knapp zweienhalbstündigen Marsch auf die Staffelalm am Rabenkopf begeben wollen. Dort oben erwartet die Wanderer dann nicht nur ein traumhaftes Panorama, sonder auch Kunst. Franz Marc verweilte dort nämlich ein paar Tage bei dem Senner und ließ ihm, in Freundschaft verbunden, zwei Werke zurück. Das Gemälde eines Ochsenkopfes sowie ein grünes Fresko. Letzteres ruhte über Jahre im Verborgenen, hinter Farbe schien es verloren. Wiederentdeckt und von Experten freigelegt, kann es nun wieder besichtigt werden. Das, was das Fresko zeigt, dürfte Naturkenner aber irritieren: Eine Hirschkuh die einem Hirsche nachläuft. Normalerweise sei es umgekehrt, schmunzelt Mannes. Aber sei‘s drum. Von 11 bis 16 Uhr ist die bewirtete Alm geöffnet, am Nachmittag gibt es Führungen.

Mit Kunst kann sie nicht aufwarten, aber mit Flair: Am Altacher Hochkopf befindet sich die Königshütte, die, wie der Name schon verrät, tatsächlich ein beliebter royaler Aufenthaltsort war. „König Ludwig war dort öfters als am Schachen“, weiß Niedermaier. Vor ein paar Jahren sah man das der Hütte nicht mehr an. „Sie war heruntergewirtschaftet“, sagt Mannes. Zuletzt war die Jagdhütte nämlich nur noch als Übernachtungsmöglichkeit von Forstarbeitern genutzt worden. Dann wurde der Deutsche Alpenverein Sektion Vierseenland Pächter: Binnen 82 Tagen restaurierten zahlreiche Helfer 2002 den Bau. Das Ergebnis kann nun am 8. September von 11 bis 15 Uhr begutachtet werden. Um 11.45 Uhr wird außerdem eine Bergmesse an der Hütte abgehalten.

Ebenfalls vernachlässigt wurde einst die Kapelle Ammerland in Münsing. Der Pfarrer habe die Kapelle mit adretter Glockenhaube nicht gebraucht, sagt Mannes. Auf Initiative des Schutzverbandes für das Ostufer des Starnberger Sees wurde das Kleinod aus dem 17. Jahrhundert restauriert. Um 17 Uhr zeigt eine Führung das Ergebnis der Mühen, und auch den tiefblauen Himmel gespickt mit goldenen Sternen, der die Decke überzieht.

Nicht nur nach oben, sondern auch auf die Füße sollten diejenigen schauen, die sich Jost Gudelius anschließen. Der ehemalige Bundeswehr-Oberst wandert zur Schronbachalm zu den Grenzsteinen, die sich dort unter Moos zu verstecken versuchen. „Er hat ein Wissen, das überwältigend ist“, meint Mannes. Treffpunkt für die Wanderung ist um 10 Uhr am Parkplatz unterhalb des Sylvensteindammes nahe der Isarbrücke. Bei der dreistündigen Tour werden rund 200 Höhenmeter bewältigt, ein festes Schuhwerk sowie Brotzeit und Getränke sollten die Grenzsteinerkundler daher auf jeden Fall dabei haben.

„Der absolute Renner“ dürfte auch in diesem Jahr wieder die Besichtigung des Walchenseekraftwerks in Kochel sein, vermutet Mannes und beruft sich auf ihre Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Oben am Berg, dort wo sich das Wasser sammelt, also am Wasserschloss, „kommt man normalerweise nicht hin“, betont Niedermaier. Am 8. September aber schon. Von 9 bis 17 Uhr haben Informationszentrum und Maschinenhaus geöffnet. Die letzte Bergfahrt zum Wasserschloss ist um 16 Uhr.

Ein Schloss war es auch einmal, doch nun ist es nur noch eine Ruine, die dennoch in ihrer ganz eigenen Ästhetik anzuziehen weiß. Stephan Bammer führt um 13.30 Uhr zur Burgruine Hohenburg in Lenggries und erzählt an dem Relikt vergangener Tage die Geschichte des Schlosses, das einst abbrannte und nie wieder errichtet wurde. Bei Regen fällt die Führung aufgrund der unwegsamen Verhältnisse jedoch aus.

Nicht nur ein Bauwerk, sondern gleich mehrere stehen am Kalvarienberg in Lenggries. Die Kapellen lassen sich von 14 bis 18 Uhr besichtigen, um 15.30 Uhr führt Johannes Janßen von Karner zu Karner. Treffpunkt ist an der Kreuzigungsgruppe. Für Mannes ist es jedoch mehr als ein Treffpunkt, die „Tuffsteininstallation“ bewegt sie, zeigt sie doch „arme Seelen“, die ihre Arme gen Himmel strecken, während Flammen sie umzüngeln.

Weniger auf Gottes Hand als vielmehr auf das Wirken und Wissen des Menschen setzten wohl all jene, welche in der Happschen Apotheke in Wolfratshausen Rat suchten und Rezepte gegen Medikamente tauschten. Rund 120 Jahre betrieb die Familie Happ die Apotheke, welche in einem Gebäude aus dem Jahre 1810 ihren Platz gefunden hatte. Vor einigen Jahren ging die Apotheke samt Laden­einrichtung, die teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammt, in den Besitz der Stadt. Um 10, 11 und 12 Uhr öffnet der Historische Verein Wolfratshausen die Apotheke im Untermarkt für Führungen (Anmeldung unter Tel: 08171/345905 oder per E-Mail an info­@­histvereinwor.de). Arzneien sind dann zwar nicht erhältlich, jedoch eine Menge Wissen. ra

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Weitere Informationen zum Programm unter www.tag-des-offenen­denkmals.de

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