"Wir müssen die Infektionsgefahr als eine neue Gefahr  am Berg anerkennen"

Bergrettung in Zeiten der Corona Pandemie: weniger Einsätze als sonst

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Die Bergretter tragen bei Einsätzen Mund- und Nasenmasken zum Schutz vor einer Corono-Infektion: Zudem werden Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen bei den Transportgeräten durchgeführt.

Landkreis - Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corono-Infektion betreffen auch den Bergsport und Ausflüge ins Gebirge. Dies zeigt sich auch bei den aktuellen Einsatzzahlen in den Frühjahrsmonaten der Bergwacht Bayern - die um die Hälfte zurück gegangen sind. 

„Es lässt sich eine starke Zurückhaltung bei bergsportlicher Aktivität feststellen. Ein sichtbares Zeichen einer breiten Zustimmung der Bevölkerung auf die Ausgangsbeschränkungen, auch wenn hier unsere Freiheit in den Bergen temporär ein Stück weit in Frage gestellt wurde“, betont Otto Möslang, Vorsitzender der Bergwacht Bayern.

Gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre ist ein Rückgang der Einsatzzahlen im März und April 2020 von rund 54 Prozent festzustellen. Insgesamt 610 Einsätze wurden in diesem Zeitraum durchgeführt. Zum Vergleich: 2019 waren es für die beiden Monate 1.335 Einsätze.

In den vergangenen Wochen rückten die Bergretter insbesondere zu Unfällen beim Mountainbiken sowie bei Wald- und Forstarbeiten aus. „Im Rahmen der Einsatzdurchführung kam es nur in einem Fall zu Quarantänemaßnahmen für die eingesetzten Kräfte. Eine Infektionserkrankung im Rahmen von Einsätzen der Bergwacht konnte nicht festgestellt werden“, berichtet Roland Ampenberger, Pressesprecher der Bergwacht Bayern.

Bereits Anfang März wurden Krisenstäbe in den sieben Bergwacht-Regionen und auf Landesebene eingerichtet. Im Austausch mit der Bergrettung Südtirol und Vorarlberg konnten über eine gemeinsame digitale Plattform Handlungsanweisungen für den Infektionsschutz in der Bergrettung bereitgestellt werden. „Der Ausbildungsbetrieb im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung unserer Stiftung Bergwacht in Bad Tölz ist bis heute entsprechend der Vorgaben eingestellt“, erklärt Ampenberger weiter.

„Soweit erforderlich unterstützten die Bereitschaften die „Führungsgruppen Katastrophenschutz“ der Landratsämter und den Krisenstab des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) auf Landesebene in München“, erläutert Thomas Lobensteiner, stellvertretender Vorsitzender der Bergwacht im Krisenstab des BRK. „Insbesondere in der Beschaffung von Schutzausrüstung profitierte die Bergwacht von der Verbandzusammenarbeit im Bayerischen Roten Kreuz“, betont Lobensteiner. Die Bergwacht-Bereitschaften unterstützen zudem mit der Verteilung von Schutzmasken, den Aufbau und Betrieb von Teststationen oder spenden Blut.

Schutzmaske, Brille und Handschuhe sind Standard

„Bergrettung sichern, Infektionsgefahren verringern“. Unter diesem Credo stehen die einsatztaktischen Maßnahmen in der Bergrettung: Bergrettung bedeutet Teamarbeit und Nähe zum Patienten. Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen werden entsprechend auch bei den Einsatz- und Transportgeräten durchgeführt. Schutzmaske, Brille und Handschuhe werden zum Standard. Der Referent für Einsatz und Ausbildung der Bergwacht Bayern, Stefan Blochum, stellt aber auch klar: „Wir sind am Berg unterwegs, im steilen Bergwald, am Fels, am Klettersteig oder hängen unter dem Hubschrauber, das Tragen von Schutzanzügen wie im Krankenhaus ist dann nicht mehr praktikabel.“

„Entscheidend ist hier die enge Zusammenarbeit im Fachbeirat Luftrettung. Hier haben wir eine einheitliche Verfahrensregelung erarbeitet, welche den besonderen Schutz der Besatzungen und der Bergretter berücksichtigt“, unterstreicht Lobensteiner. Dem Fachbeirat Luftrettung gehören an: Bayerische Landespolizei, Bundespolizei, SAR-Dienst der Bundeswehr, Bergwacht Bayern, Vertreter der Wasserrettung sowie die ADAC- und DRF-Luftrettung,

Mit einem weiterem Rückgang der Infektionsgefahr und Lockerungen der Beschränkungen sei wieder mit mehr Menschen am Berg, und entsprechend steigenden Einsatzzahlen zu rechnen, so Möslang: „Unsere Kernaufgabe als Bergwacht ist die Rettung, egal ob Wanderer, Forstarbeiter, Einheimischer, Urlaubsgast, Radfahrer oder Gleitschirmflieger, alle müssen sich auf uns verlassen können. Wir müssen die Infektionsgefahr als eine neue Gefahr auch am Berg anerkennen, ebenso wie Absturz-, Steinschlag- oder Lawinengefahr.“ Dies gelte für alle, die am Berg unterwegs sind „und für uns als Rettungskräfte im Besonderen“. dwe

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