An der Grenze der Belastbarkeit

Besucherlenkung in den Bayerischen Alpen: Umweltminister stellt Modellprojekt vor

Die Isar bei Vorderriß.
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Die Isar bei Vorderriß: Das Naturschutzgebiet ist besonders auf die Hilfe der Ranger angewiesen.
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Jachenau/Lenggries – In jüngster Vergangenheit zeigte sich häufiger: die Natur braucht mehr Schutz.

Besucherströme belasten nicht nur Bevölkerung und Infrastruktur, auch die heimische Tierwelt leidet unter den Ausflugsanstürmen. Am Montag schaute der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) zum Ortstermin an der Mautstraße zwischen Vorderriß und Wallgau vorbei und gab den Startschuss für das Modellprojekt „Besucherlenkung in den Bayerischen Alpen“.

Mit ernsten Worten wurde dort der Minister in Empfang genommen: So betonte Bürgermeister Klaus Rauchenberger (FW), dass sich die Gemeinde Jachenau an der Grenze der Belastbarkeit befinde. „Es muss ein Lenkungssystem her. Das schöne Gebiet hier ist schützenswert.“ Lenggries‘ Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FW) sprach von veränderten Ausflugsstrategien der Touristen. „Eine Parkraum­überwachung in digitalisierter Form wäre wünschenswert. Und weitere Radwege sind dringend notwendig. Das ist mittlerweile auch ein Sicherheitsrisiko“, warnte er.

Das Betretungsrecht der Natur ist mir heilig. Aber man darf es eben nicht missbrauchen.

Landrat Josef Niedermaier

Das Problem war in der Vergangenheit oft die Grenze zu Österreich. War diese zu, hatten „die Tagesausflügler kein Ziel mehr und standen vor einer Mauer“, kritisierte auch Landrat Josef Niedermeier (FW). „Wir wollen niemanden aussperren“, sagte er. „Das Betretungsrecht der Natur ist mir heilig. Aber man darf es eben nicht missbrauchen.“

Stellten das Modellprojekt „Besucherlenkung Alpen“ vor: Landrat Josef Niedermaier (l.) und der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (r.).

Umweltminister Thorsten Glauber (FW) entgegnete dem Landrat und den Bürgermeistern auf eine „kluge Kommunikation“ zu setzen, jedoch müsse es auch eine „klare Ansprache“ geben.

„No Limits – geht halt nicht“

Thorsten Glauber sei privat ein „leidenschaftlicher Mountainbiker“. Viele würden nicht wissen was Naturschutz bedeutet und vor allem was es bedeutet, „sich in so einem Raum zu bewegen“, sagte der Umweltminister: „Wir möchten die Menschen besser aufklären.“ Dafür brauche es einen fairen Ausgleich: „No Limits - geht halt nicht. Die Herausforderung mit der Natur wird uns bleiben.“

Das alles sei am Ende des Tages nicht ohne finanzielle Mittel möglich. Daher gibt es aus dem Fördertopf des Naturschutzfonds eine Million Euro für fünf neue Gebietsbetreuerstellen verteilt auf die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Berchtesgadener Land, Traunstein, Rosenheim, Miesbach sowie Garmisch-Partenkirchen. Das Fördervolumen für die Gebietsbetreuung in Bayern würde im Zeitraum von 2021 bis 2024 somit auf insgesamt 8,9 Millionen Euro steigen.

Wichtige Aufklärungsarbeit

„Die verschiedenen Ansätze der Besucherlenkung sollen noch mehr miteinander verwoben werden“, erklärte Glauber. So sollen bestehende und erprobte Instrumente gesammelt, bewertet, digitalisiert und den Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Am Ende könne man bewährte Instrumente einer Region dann auf andere Regionen übertragen.

Dabei setzt Glauber vor allem viel Hoffnung in die Technik. Drohnen mit einer Sprechfunkanlage können etwa auch Menschen erreichen, die sich in naturgeschützten Zonen aufhalten. Auch die Zeit, in der die Isar-Ranger wichtige Aufklärungsarbeit leisten, wurde aufgestockt. Für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind aktuell zwölf Isar-Ranger in den Naturschutzgebieten unterwegs.

Saison für Ranger bisher eher ruhig

Ein paar der Isar-Ranger sind zusätzlich mit ihren Hunden unterwegs. So auch Sabine Gerg. Sie ist seit drei Jahren als Rangerin an den beliebten Seen in Oberbayern unterwegs. „Bisher ist die Saison noch einigermaßen ruhig gelaufen“, berichtete Gerg.

Bevor Gerg ihren Dienst antritt, meldet sie sich immer bei der Polizei an. Die Leute müssen ihr auf Anfrage auch den Ausweis zeigen. So etwa, wenn sie eine größere Traube Jugendliche beim Feiern an der Isar antrifft. Die meisten seien kooperativ. „Teilweise machen wir Fotos von den Ausweisen und prüfen am nächsten Tag, ob sie den Platz ordentlich hinterlassen haben.“ Ein Teil, der sich nicht an die Regeln hält, würde jedoch immer übrig bleiben.

Ein weiteres Werkzeug des Modellprojekts sieht vor, den Naturbetreuern durch das Zentrum „Naturerlebnis Alpin“ gezielte Möglichkeiten zur Weiterbildung anzubieten. Hier solle der Fokus vor allem im Bereich „digitale Besucherlenkung“ liegen. Mit der wichtigste Punkt am Ende des Tages: das Netzwerk von den Besucherlenkungs-Initiativen muss stärker ausgebaut werden.

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