„Märchenwald“ in der Luft

Betreiber des Hochseilgartens „Isarwinkel“ verzaubern mit Tuchakrobatik

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Simone Heitinga (r.) bei ihrem Kurs „Flow & Fly Sommer-Intensiv-Woche“: dieser fand bereits das dritte Mal im Lenggrieser Hochseilgarten „Isarwinkel“ statt – mit Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt. Neben Tuch-Akrobatik haben die Hochseilgartenbetreiber Heitinga und Axel Berger nun auch einige Neuheiten im Programm für Seminare, Junggesellenabschiede oder Geburtstage.
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Lenggrieser Hochseilgarten „Isarwinkel“
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Lenggrieser Hochseilgarten „Isarwinkel“

Lenggries – Einst schwebte Simone Heitinga unter dem Zirkuszelt des Cirque du Soleil in Metropolen wie Monaco. Heute bringt die Wahl-Tölzerin Jüngeren aus aller Welt die Kunst der Vertikaltuchakrobatik bei, und zwar am Fuße des Braunecks. Dort betreibt sie nämlich zusammen mit Lebensgefährten Axel Berger seit Mai vergangenen Jahres den Lenggrieser Hochseilgarten „Isarwinkel“. Hier bieten sie nun verschiedene Kurse und Workshops an und haben auch in einige neue Attraktionen investiert.

Nebelschwaden wabern über den Wäldern der Berghänge. Und von weitem sichtbar spitzt der Hochseilgarten „Isarwinkel“ hervor, thront am Fuße des Braunecks in Lenggries. Seit knapp eineinhalb Jahren residieren hier das Künstlerpaar Simone Heitinga und Axel Berger. Sie ist Tuch-Akrobatin mit ihrem Programm „Flow & Fly“ – einem Training auf Boden und in der Luft mithilfe von vertikalen Tüchern. Er ist Feuerkünstler, unter dem Namen „Pyrostyx“ bekannt.

Heute haben die beiden Gäste zu Besuch: Eine Gruppe von 16 Frauen schwebt zusammen mit Heitinga in die Lüfte empor: schwingen, schrauben und drehen sich an lila und rosafarbenen Tüchern, die von den oberen Holzplateaus des Hochseilgartens hernieder flattern. Dazu streicht melodische und atmosphärische Musik über die Anlage. Es ist das Reich von Heitinga. „Stretch. Stretch. Stretch“, ruft sie ihren internationalen Teilnehmerinnen aus Finnland, Groß-Britannien, USA und China auf englisch entgegen.

Wie berichtet, hatte Heitinga vor dem Hochseilgarten die Tölzer eMotion-Base für ihre Choreografie-Kurse genutzt. „Die Flinthöhe ist jetzt unsere Schlecht-Wetter-Alternative“, sagt Berger. Denn der Hochseilgarten – unter freiem Himmel mit Panoramablick auf die umliegenden Berge – sei ein besonderer Ort, den sie nun in einen „Märchenwald“ verwandelt haben. Berger schraubt gerade an Musiklautsprechern auf der Anlage herum, dann blickt er hoch. „Wir haben den Platz als eine Inspiration empfunden.“ Auch architektonisch sei er spannend. Der Holzbau mit seinen Bücken, Stegen, Plattformen und Netzen ist einem Schneekristall nachempfunden. Für Kletterer biete er so Freiheiten. „Sie sind dabei nicht in einen Parcours gezwängt“, sagt Berger. Und seit der Übernahme hat sich auch einiges getan. Neu sind etwa ein Whirlpool, Grillplatz sowie eine Hütte (ehemaliger Kiosk) mit Küche, WLAN und Bildschirm für Präsentationen. Das Angebot richtet sich an kleinere Firmenmeetings, Jungessellenabschiede oder Geburtstage. Als Service können optional ein Catering, Sauna und Show-Auftritte dazu gebucht werden.

„Besonders Konzerne aus der Großstadt nutzen unseren kreativen Ort, um aus ihrer Blase mal herauszukommen“, berichtet Berger. „Wir bieten dafür den Platz an.“ Aber auch Ferienprogramme für Kinder stehen auf dem Programm. Wöchentlich bietet das Künstlerpaar etwa ein Baby-Café (Dienstag) oder „Panorama-Yoga“ an. Letzteres findet jeden Samstagmorgen auf der obersten Plattform statt. „Bei Vogelgezwitscher und Blick ins grüne Isartal“, verspricht Berger. Besonders sei auch das in Städten bereits sehr populäre „Aerial-Yoga“: Dabei sitzt der zu Entspannende nach Bergers Erklärung in einem Tuch, wie in einer Hängematte und kann so auch auf dem Kopf meditieren. „In Berlin, Rotterdam und Amsterdam bereits seit Jahren ein Erfolg. Bei uns draußen jetzt ein neuer Trend.“

Trends, die bei Einheimischen und Gästen offenbar gut ankommen. „Wir sind super zufrieden“, betont Berger auf die Frage hin, wie es läuft. „Unsere Angebote fangen zu gedeihen an“, erklärt er. Und so schmiedeten die beiden Hochseilgartenbetreiber auch „Allianzen“ mit anderen Gewerbetreibenden im Umland. Kursteilnehmer werden etwa in Alm-Chalets des Lenggriesers Berg­camping untergebracht oder Schulklassen mit Nussriegel von der Konditorei Schwarz verköstigt. „Wir haben Herrn Nestlé vom Gelände verbannt“, sagt Berger: „Hier bei uns gibt es nur regionale und gesunde Produkte.“

Übrigens auch Männer sind bei den Tuchakrobatik-Kursen willkommen. Auch Berger schwebte rund eineinhalb Jahre unter Heitingas Anweisungen in den Tüchern. „Das Training ist für Männer genauso interessant“, sagt er: „Es geht nicht nur um Eleganz und Schönheit. Es ist ein knallharter Sport.“ Doch für diesen bleibt dem frischgebackenen Papa nun keine Zeit mehr, das Paar hat nämlich vor neun Monaten Tochter Mila bekommen. Während Berger seine Tochter auf dem Arm wiegt und ihr das Fläschchen gibt, schwingt sich Heitinga schon wieder elfengleich in die Tücher.

Daniel Wegscheider

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Informationen und Anmeldung für Kurse sowie Workshops gibt es online auf www.hochseilgarten-isarwinkel.de sowie auf der Internetseite www.AerialArt.de.

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