"Klettern in Absprunghöhe"

Betriebsleiter des DAV-Kletterzentrums Michael Schmeidl spricht über Herausforderung und Faszination von Bouldern

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Michael Schmeidl am sogenannten Kilter Board, einer Boulderwand, die per App gesteuert wird.

Bad Tölz – Der gebürtige Garmisch-Partenkirchener und Wahlmünchner Michael Schmeidl (32) ist Betriebsleiter im Tölzer DAV Kletterzentrum Oberbayern Süd. Seiner Zuständigkeit obliegt nun auch die neueröffnete Boulderhalle (siehe oben). Im Gespräch erklärt der passionierte Kletterer, was die Faszination des Sportes Bouldern (englisch boulder „Felsblock“) eigentlich ausmacht, wie dieser funktioniert und wo er entstanden ist.

Herr Schmeidl, was ist Bouldern eigentlich?

„Bouldern ist klettern ohne Kletterseil und -gurt an Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe: Das heißt bis zu einer Höhe, aus der ohne Verletzungsgefahr von der Wand abgesprungen werden kann. In Boulderhallen sind weiche Matten auf dem Boden verlegt, um die Sicherheit der Sportler zu gewährleisten.“

Und wie funktioniert das Bouldern nun in der Halle?

„Über die Routen aus farbigen Griffen und Tritten, auch ‚Probleme‘ genannt. Die Startgriffe sind durch Hand-Kärtchen markiert und geben vor, ob an einem oder zwei Griffen gestartet wird. Der Boulder ist dann geschafft, wenn der Zielgriff mit beiden Händen sicher gehalten wird. Und die Schwierigkeit des Boulders wird über die Farbe der einzelnen Routen vorgegeben.“

Neue Boulderhalle auf der Tölzer Flinthöhe eröffnet

Ohne Seil, aber dafür auf weichem Boden: In der Boulderhalle auf der Tölzer Flinthöhe gibt es für jeden Klettertyp eine farblich passende Route. © orgasport/T. Lindinger
Zur Eröffnung schaute auch Ingo Mehner (r.) vorbei und nutze die Gelegenheit, um selbst die Wand hoch zu gehen. Davor erklärte Peter Naumann (Vorsitzender des DAV-Trägervereins) dem Tölzer Bürgermeister die wichtigen Schritte und Griffe zum Aufstiegserfolg. © dwe
Ingo Mehner (r.) und Peter Naumann in Aktion in der neuen Boulderhalle. © dwe
Insgesamt können sich die Besucher an rund 120 Boulder-Steinen in der Anlage auf zwei Etagen austoben. © dwe
Ingo Mehner, Bürgermeister von Bad Tölz, weiht mit seiner Erstbesteigung die neue Boulderhalle im Kletterzentrum ein. © dwe
Fotoshooting mit der Presse: Ingo Mehner, Bürgermeister von Bad Tölz, weiht mit seiner Erstbesteigung die neue Boulderhalle im Kletterzentrum ein. © dwe
Die verantwortlichen Wegbegleiter der neuen Tölzer Boulderhalle (v.l.): Michael Schmeidl (Betriebsleiter), Architekt Theodor Lochner, Andi Gehrke (Trägerverein), Bürgermeister Ingo Mehner sowie Peter Naumann (Vorsitzender des Trägervereins DAV Kletterzentrums). © dwe
Schlange stehen vor dem DAV Kletterzentrum Oberbayern Süd. Viele Klettermaxen wollten am Eröffnungstag einen Blick in die neue Boulderhalle werfen.  © dwe

Was gibt es denn für Schwierigkeitsgrade?

„Gelbe Tritte und Griffe bedeuten eine leichte Route. Danach steigt der Schwierigkeitsgrad von Grün weiter über Weiß, Blau, Rot und schließlich bis hin zu Schwarz. Durch die unterschiedlichen Routen, hat jeder etwas zum Tüfteln. Damit auch jeder seine eigne Herausforderung findet – auch der Profi.“

Welche Personen bouldern hauptsächlich?

„Viele Felskletterer, die dafür in der Natur unterwegs sind, trainieren in Boulderhallen. Aber es gibt auch viele Leute, die das Bouldern als Ausgleich oder Ersatz zum Fitnessstudio für sich entdeckt haben.“

Abschließend: Woher kommt das Bouldern?

„Seine Ursprung hat das Bouldern in Frankreich genommen. Anfang des 20.Jahrunderts bestiegen dort Kletterer, die im Wald von Fontainebleau liegenden Sandsteinfelsen. Daraus ist dann bei uns seit den 1970er-Jahren eine richtige Subkultur entstanden. Also, die Entwicklung vom Sport zum Trend: In den 1950er-Jahre wurde in Deutschland erstmals auf Wellen gesurft und die Sportart Surfen populär. Daraus entwickelte sich später dann das Skateboarden und wurde wiederum modern. Genauso ist es nun beim Bouldern – das auch zuerst von den vielen Skatern ausgeübt wurde.“

Das Gespräch führte Daniel Wegscheider

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