Sport ist mehr als Spaß

Bewegungsaktion auf der Marktstraße: Fitnessstudios fordern vom Freistaat sofortige Öffnung

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Gemeinsames Schwitzen: auf der Tölzer Marktstraße demonstrieren hiesige Fitnessstudios für eine baldige Öffnung.

Bad Tölz – Fit bleiben in Zeiten von Corona: Dafür dehnten, hüpften und schwitzten am Vatertag Regina Demleitner und Martina Probst-Hoch zusammen mit ihren Fitnessstudio-Mitarbeitern auf der Tölzer Marktstraße – freilich mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Sie alle demonstrierten für ihr Arbeitsrecht – damit sie baldmöglichst wieder ihre jeweiligen Fitnessstudios eröffnen können – alle befinden sich derzeit nämlich in Kurzarbeit.

Regina Demleitner sperrt noch jeden Werktag die Tür zum Fitnessstudio „Vitarea“ in Bad Heilbrunn auf. Die gelernte Heilpraktikerin ist aber die einzige, die sich noch im Gebäude aufhält, Verwaltungsarbeit erledigt und ans Telefon geht. Denn dieses klingelt derzeit öfters: Ihre Kunden fragen nämlich nach, wann sie denn endlich wieder ihren Turnbeutel schnüren dürfen, um zu trainieren. Die Antwort kennt Demleiter jedoch selbst nicht.

Das Problem liegt ihrer Meinung bei der Politik: Die hat mit dem Ausruf zur Ausgangssperre, bekanntermaßen auch alle Sport- und Fitnesseinrichtungen zu sperren lassen. „Wir zählen laut Minister Söder als Freizeiteinrichtung“, klagt Demleitner und betont: „Aber bei uns trainieren auch knapp 400 Leute, die in Rehasport sind“. Und dieser Sport werde von der Krankenkasse finanziert. Auch bei Martina Probst-Hoch im Tölzer Gymnastikstudios „G‘sund“ trainieren viele Betroffene, die Reha­sport verschrieben bekommen haben. Die Betreiberinnen sehen sich daher eher als eine „Gesundheits- nicht als Freizeiteinrichtung“.

Zudem ärgern sich die beiden Sport-Geschäftsführerinnen über die „politische Willkür“. Berlin, Hamburg und Bayern seien die einzigen drei, die noch um keinen Termin für eine mögliche Eröffnung ihrer Fitnessstudios wissen. „Wir haben keine höhere Infektionsgefahr als in den anderen Bundesländern“, sagt Demleitner. „Jetzt muss etwas passieren vonseiten der Politik“, fordert sie weiter und zupft dabei ihr weiß-blaues T-Shirt zurecht. Darauf zu lesen: „Mia bewegen Bayern. Gib deinem Studio eine Stimme.“ Die Idee dazu hatte Demleitner zusammen mit Probst-Hoch. Und dass es sich dabei nicht nur um einen Spruch handelte, zeigten rund 50 Fitnessstudio-Begeisterte, die am Donnerstag eine Stunde auf der Tölzer Marktstraße demonstrierten, indem sie Kraft- und Ausdauerübungen turnten. Zeitgleich forderten bayernweit 34 weitere Einrichtungen eine sofortige Öffnung ihrer Fitnessstudios, darunter etwa Städte wie Murnau und Coburg.

Alle Teilnehmer haben ein gemeinsames Ziel – nämlich auf die derzeitige Situation der Fitnessstudios, während der Corona-Krise aufmerksam zu machen. Die Betreiber fühlen sich von der Politik vernachlässigt: „Markus Söder lässt uns hinten hinunterfallen“, klagt Demleitner weiter. Während nämlich Friseure und die Gastronomie wieder ihren Betrieb aufnehmen, gebe es für die Studios keinen Termin. „Söder nimmt das Wort Fitnessstudio überhaupt nicht in den Mund.“ Dabei wäre die Hygiene-Einhaltung mit Abstand, Desinfektion und ausreichender Belüftung bereits vor Corona in den Studios Standard. Daniel Wegscheider

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