„Massen kanalisieren“

DAV-Projekt zur Mountainbike-Problematik der Presse vorgestellt

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Am Blomberghaus unterhalten sich Grünen-Politiker und DAV über Herausforderungen und Ziele des „Tourismus im Voralpenland“.

Wackersberg/Landkreis – Auch wenn zuletzt die hiesige Ferien- und Freizeitregion eher wegen des überbordenden Verkehrs-Aufkommen in die Schlagzeilen geriet, so schwelt das Thema Mountainbiker (MTB) nach wie vor wie schon seit Jahren.

„Das Hauptproblem ist“, so Benjamin Trotter, Projektleiter beim Deutschen Alpenverein (DAV), „dass es hierzulande keine einzige offizielle Mountainbike-Strecke gibt, dafür aber jede Menge Verbote.“ Letztere würden aber weder kontrolliert noch respektiert und mangels Alternativen führe das „zu einer zusätzlichen Verstreuung der Fahrer, die dann dort unterwegs sind, wo sie nicht sein sollten.“

Bei dem Pressegespräch auf dem Blomberghaus, zu dem der DAV mit Trotter und Nicolas Gareis sowie der Beuerberger Hans Urban, MdL, und der tourismuspolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, Christian Zwanziger geladen hatte, stellte der DAV ein Projekt zur Untersuchung der MTB-Situation und letztlich zur Lenkung der Mountainbike-Fahrer vor, an dem er seit nunmehr fast zwei Jahren feilt. Das Ganze wird in zwei Pilotregionen durchgeführt. Zum einen im Oberallgäu und auf der anderen Seite im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Der Freistaat fördert das Projekt mit rund 250.000 Euro und der AV schießt aus Eigenmitteln weitere 110.000 Euro zu.

„Wir sammeln Daten und Fakten, um den bislang meist sehr emotional geführten Debatten zu entspannen“, erklärte Trotter. Dabei kämen viele verschiedene Problemkreise zusammen. Die Bedürfnisse und Wünsche der Bergradler, die Naturschutz-Verordnungen und die rechtliche Komponente („Haftungsfrage“) der Grundstücks-Eigentürmer. Gerade Letzteres schürt immer wieder die Emotionen an. Dabei würde immer wieder der Fall eines Wackersberger Landwirts herangezogen, der, um sein Vieh umzuleiten, einen Draht quer über einen Weg gespannt hatte, über den dann ein Mountainbiker stürzte.

Der Landwirt bekam dann eine Teilschuld, da er nach Ansicht des Gerichts die Warnhinweise zu hoch und nicht im normalen Sichtfeld des Radlers aufgehängt hätte. „Dabei ist die Zahl der Fälle, die dann tatsächlich vor Gericht landen, überaus überschaubar“, betonte Trotter. Dennoch sei man dabei, einen Leitfaden zu erarbeiten, der das Haftungsrisiko für die Grundeigentürmer weitgehend minimiere.

Pilotprojekt „Bergsport Mountainbike“: Gemeinden sollen konkrete Vorschläge liefern

Benjamin Trotter, Projektleiter beim Deutschen Alpenverein (DAV) berichtet beim Pressegespräch am Blomberghaus weiter (Siehe Seite 1): ihm werde immer wieder gesagt, in Tirol sei alles wesentlich besser geregelt, es gebe dort jede Menge ausgewiesene Trails, führte der DAV-Experte aus. Dazu müsse man freilich wissen, dass anders als in Deutschland, in Österreich Mountainbike-Fahren in den Bergen prinzipiell verboten sei, außer auf ausgewiesenen Strecken: „Deshalb tun sich dann auch die Betreiber der jeweiligen Trails viel leichter, das Risiko zu versichern.“

„Kooperation statt Kirchturm-Denken“

Christian Zwanziger erklärte dann, dass das Bestreben aus touristischer Sicht sei, die Urlauber im Land zu halten und so die Wertschöpfung in der Region zu stärken. Dabei müsse man aber die Bedürfnisse von Übernachtungsgästen (Urlauber) und Tagestouristen unterscheiden: „Es sollte doch möglich sein, neue Angebot zu schaffen, bei denen sich die Leute aus dem Weg gehen können, mit denen sowohl Einheimische als auch Touristenleben können.“ Bei den Angeboten würde freilich „Kooperationen statt Kirchturm-Denken helfen.“ Dabei betonte Zwanziger: „Dabei sind uns die Österreicher in Sachen Marketing weit voraus. Dort werden ganze Regionen beworben, nicht einzelne Hotels oder Orte.“ Letztlich kritisierte er vor allem, dass hierzulande bei der Radwege-Beschilderung jede Gemeinde ihr eigenes Süppchen koche.

Keine Downhill-Strecke am Blomberg

Blombergbahn-Betreiber Hannes Zintl warf ein, dass er schon vor Jahren eine Downhill-Strecke für Mountainbiker am Blomberg geplant habe: „Das scheiterte allerdings an der Lobby von Land- und Forstwirtschaft in den Gemeinderäten.“ Er sprach dabei von dem „Totschlag-Argument, der Berg würde abrutschen“. Er könne sich nicht vorstellen, dass so etwas ein Mountainbiker auslösen würde, wenn gleichzeitig immer neue Forststraßen gebaut würden, die dann von 40 Tonner-Lkws befahren würden.

Letztlich waren sich alle einig, dass Verbote ohne Alternativen nichts bringen würden. Das nächste Problem sei dann aber auch, wie man die Aussage zu den Bikern bringen könne, denn viele würden sich vor ihrer Tour im Internet über mögliche Wege und Ziele informieren. Der nächste „runde Tisch“ sei laut Trotter im Herbst des Jahres geplant. Er hoffe, dass bis dahin die Gemeinden konkrete Vorschläge machen werden, zur Ausweisung von MTB-Trails, aber auch für Schutzzonen.

In Eurasburg keine Mountainbiker

Hans Urban: „Wir müssen das ganze Problem entzerren. Mit ein paar Bikewegerln wird man da nicht weiterkommen. Es gilt die Massen zu kanalisieren. Da wo ich herkomme, also in Eurasburg, ist absolut nichts los, obwohl man auch da super Radl fahren kann.“

Ewald Scheitterer

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