Blüwiesen nicht überall möglich

Naturnahes öffentliches Grün in Bad Tölz: Sachstandbericht im Bauausschuss

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Samen für eine blühende Stadt gibt es auch heuer wieder bei der Stadt Bad Tölz.

Bad Tölz – Schon lange vor dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat man sich bei der Stadt Bad Tölz für blühende Blumen an Straßenrändern stark gemacht. Wo früher tristes Grün möglichst oft gemäht wurde, finden sich jetzt im Sommer farbenfrohe Blüten, die Nahrung bieten für Schmetterlinge und Wildbienen. Dass das alles kein Selbstläufer ist, zeigte sich bei der Vorstellung „Naturnahes öffentliches Grün in Bad Tölz“ im Rahmen der jüngsten Bauabschuss-Sitzung des Stadtrates am Dienstag.

Landschaftsgärtnerin Franziska Bauer und Florian Schallhammer, seit 2012 Leiter des Städtischen Bauhofes, erläuterten, wo in der Stadt solche Blühstreifen angelegt wurden und warum es an manchen anderen Stellen bei „gewöhnlichen“ Wiesen bleiben muss. Gestartet wurde in Bad Tölz im Zuge des Ausbaues der Kohlstattstraße im Jahr 2016, wie Bauamtsleiter Christian Fürstberger eingangs erläuterte. Bis Ende 2019 habe man insgesamt 90 Flächen mit etwa 60.000 Quadratmetern umgestaltet und dafür 32.000 Euro ausgegeben.

Bauer erläuterte den Stadträten die verschiedenen Methoden. Es ist nämlich bei den in Tölz häufig anzutreffenden Fettwiesen notwendig, entweder den Humus abzutragen oder mit der aus der Schweiz stammenden Burri-Methode Streifen anzulegen, über die sich die Samen nach und nach ausbreiten. Zudem wird dann nur einmal bis zweimal im Jahr gemäht, wobei das anfallenden Grüngut allerdings abgefahren werden muss. Dies sei auch der Grund, warum beispielsweise an steilen Hängen, „die von unten nicht erreichbar sind“, wie bislang gemäht wird. Wie Schallhammer erläuterte, kann dort das anfallende Heu liegenbleiben und muss nicht abtransportiert werden. „Wir haben es zwar an verschiedenen Stellen wie am Kalvarienberg und am Girlitzer Weiher versucht, aber es macht da keinen Sinn“, so der Bauhofleiter, der zudem darauf hinwies, dass die neuen Blühstreifen keineswegs weniger Arbeit mit sich bringen. Die verschiedenen Flächen werden zudem von Mitarbeitern der Isarwinkler Werkstätten betreut. Auf die Frage von Bürgermeister Josef Janker (CSU), wie man unkrautfreie Flächen erziele, meinte Bauer, das sei nur bei neu angelegten Flächen relativ einfach. Als weitere Flächen, die heuer umgestaltet werden sollen, nannte sie auf die entsprechende Anfrage von Karsten Bauer (CSU) die Flinthöhe und das Straßendreieck vor dem Farbengeschäft Egger in der Wachter Straße sowie die Hangkante an der Rathaus-Südseite.

Schallhammer verhehlte in seinem Bericht die früheren Konflikte zwischen Naturschutz und Bauhof nicht. Franz Mayer (Grüne), der das Projekt vor Jahren maßgeblich mit angeregt hatte, sprach von „einem vorbildlichen Gemeinschaftsprojekt“ und Camilla Plöckl (SPD) fand die sommerliche Blumenpracht in der Siedlung eine „prima Sache“. Bei so viel Lob wollte auch Bauamtsleiter Fürstberger nicht zurückstehen und lobte seinerseits die Stadträte für ihr Verständnis und Engagement und meinte - vermutlich mi Weitblick für künftige Entscheidungen: „Wenn alle ihre Extrempositionen aufgeben, dann geht es.“

Während Schallhammer noch steile Wiesen anführte, die zur Entwässerung dienen und deshalb wie bisher mehrfach gemäht werden müssen (beispielsweise zwischen Parkplatz Schloßplatz und Kindergarten), appellierten Mayer und Michael Lindmair (FWG) dafür, dass sich private Gartenbesitzer die Stadt zum Vorbild nehmen und den bunten Blumen auf ihren Rasenflächen eine Chance geben sollten: „Das rentiert sich.“

Kurdirektorin Brita Hohenreiter regte an, im Gabriel-von-Seidl-Kurpark ebenfalls Blühinseln anzulegen. Kritisiert wurden unvernünftige Parker, die im Bereich Eisstadion auf der Flinthöhe die Grünstreifen rücksichtslos befahren. Bauer meinte zwar, die Samen im Boden würden sich im Frühjahr schon durchsetzen, dennoch will man mit Durchsagen bei Spielen und durch Bußgelder die Fahrer zur Benutzung der asphaltierten Parkplätze drängen.bo

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