Funkstille (vorübergehend) beendet

FWG bringt bei Diskussionsveranntaltuung Stadt und Jodquellen AG-Chef Hoefter aufs Podium

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Man spricht zumindest wieder miteinander über die Zukunft des Tölzer Badeteils, wenn auch ohne konkretes Ergebnis (v.l.): Moderator Tobias Fuhrmann, Jodquellen-Chef Anton Hoefter, FWG-Bürgermeisterkandidat Michael Lindmair und CSU-Bürgermeister Josef Janker.

Bad Tölz – Viele Jahre herrschte wegen unterschiedlicher Ansichten Funkstille zwischen dem Bad Tölzer Bürgermeister Sepp Janker und dem Stadtrat auf der einen Seite und Anton Hoefter dem Chef der Jodquellen-AG und damit dem größten Grundstückseigentümer im Badeteil auf der anderen Seite, über die Zukunft des ganzen Stadtteils. Das hatte zu einem Stillstand bei der Entwicklung des ganzen Bereichs geführt. Jetzt hatte es die Freie Wählergemeinschaft (FWG) im Rahmen ihrer Wahlkampfveranstaltungen geschafft, beide Kontrahenten zu einem gemeinsamen Auftritt zu bewegen.

Dass alle Differenzen der Vergangenheit nun vom Tisch gefegt werden, damit hatte eh niemand gerechnet. Dennoch haben es alle Gäste als großen Fortschritt angesehen, dass man zumindest wieder miteinander gesprochen hat, auch wenn beide Seiten auf ihren Vorstellungen beharrten und man von der Lösung der Konflikte über die Art der künftigen Bebauung noch weit entfernt ist. Moderator Tobias Fuhrmann meinte denn auch zum Abschluss der zweieinhalbstündigen Debatte recht optimistisch, man sei einen guten Schritt vorangekommen, es gebe erste Annäherungsversuche.

Wie stark den Bürgerinnen und Bürgern das Thema „Zukunft des Badeteils“ auf den Nägeln brennt, war daran abzulesen, dass der Saal in der „Alten Schießstätte“ überfüllt war und trotz der herbeigeschafften zusätzlichen Stühle viele Gäste mit Stehplätzen vorlieb nehmen mussten. Zur Einstimmung auf die Problematik, entstanden vor allem durch die Schließung des Spaßbades „Alpamare“ und des Hotels „Jodquellenhof“ (beides im Besitz der Jodquellen-AG), nannte Klinikbetreiber Andreas Munkert die rückläufigen Übernachtungszahlen, aber auch die jüngste Wohnbebauung und die steigende Altersstruktur der Bevölkerung, wonach ein Drittel der Bürger über 60 Jahre alt sei. 

Bauanträge abgelehnt: Jodquellen AG steuert offensichtlich Weg zum Verwaltungsgericht an

Bei der Frage von Fuhrmann, welche Visionen man denn für das Jahr 2030 habe, griff Hoefter dies gleich auf und sprach von der Umwandlung der Ludwigstraße in viele Grünflächen mit mehreren kleinen Geschäften und Cafés, mit einem Bürgergarten und mit vielen Wohnungen für junge Familien, die in München arbeiten, aber gerne in Bad Tölz wohnen möchten, eine Mischung also zwischen Gewerbe und Wohnbebauung. Da gab es bereits erste kritische Fragen, welche junge Tölzer Familie sich denn diese hochpreisigen Wohnungen der Bauträger leisten könne. Auf die gleiche Frage antworteten FWG-Bürgermeisterkandidat Michael Lindmair und Bürgermeister Josef Janker (CSU), sie wollten den Tourismus nicht vernachlässigen und in dem ehemaligen Jodquellenhof ein neues Spa unterbringen und damit den Gesundheitsbereich weiter ausbauen.

Lesen Sie dazu auch: Sanierung des „Bäderviertels“

Eine Probeabstimmung machte deutlich, dass beide Visionen bei den Zuhörern etwa gleich viel Gegner und Befürworter hinter sich haben. Janker und Lindmair hoben mehrmals hervor, Bad Tölz brauche trotz der derzeitigen Hotel-Pläne auf der Wackersberger Höhe und der Bockschützenstraße als Magnet für andere Investitionen noch ein weiteres großes Hotel für Tagungen, möglichst im Badeteil. Hoefter lehnte das strikt ab. Der Markt dafür sei nicht gegeben, Investoren nicht in Sicht, so seine Aussage. Bad Tölz liege nicht am Meer oder in den Bergen, weshalb sich die Betreiber auf andere Regionen verlegten. Die Vorstellungen des Stadtrates (zumindest teilweise Investitionen für den Tourismus) seien undurchführbar. Ob man nicht wie in Bad Heilbrunn die Probleme lösen könnte, indem die Jodquellen-AG ihre Grundstücke und Immobilien der Stadt übereigne, wollte Fuhrmann noch wissen, was Hoefter klar beantwortete: „Ich habe nicht die Absicht zu verkaufen“. Nach einem längeren Hin und Her zwischen Tourismus und Wohnbebauung und Fragen aus dem Publikum, bei denen es mehr um Einzelprojekte ging, hörte man immer wieder, ohne Kompromisse zu schließen komme man zu keinem vernünftigen Ergebnis. So gingen beide Seite dann doch recht friedlich auseinander. wbr

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