„So einen Krieg darf es nie mehr geben“

Brücke-Schauspieler Fritz Wepper stellt sich dem Dialog mit Tölzer Schülern

Filmvorführung "Die Brücke" im Tölzer Capitol-Kino. Die anschließende Diskussion moderierte Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer vor den Schülern.

Bad Tölz – Ein regionaler Schauplatz in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war für Historiker so unbedeutend, dass das kriegerische Geschehen nirgendwo verzeichnet wurde. Doch einer erinnerte sich daran und erzählte die Geschichte. Diese lebt heute im Buch und Film weiter, um jede neue Generation vor den Gräueltaten des Krieges zu mahnen.

Gregor Dorfmeister schrieb seine Erinnerungen vom Mai 1945 im Roman „Die Brücke“ nieder. Darin schildert er das sinnlose Abschlachten von sieben jungen Männern, die im Auftrag des Nazi-Regimes zum „Volkssturm“ aufgerufen wurden, um eine kleine Brücke an der Loisach bei Bad Heilbrunn vor den anrückenden alliierten Truppen zu bewachen. Nur der junge Dorfmeister, damals 16 Jahre und Schüler, überlebte das Aufeinandertreffen.

Heute sitzen die Schüler des Tölzer Gymnasiums, Realschule und der Fachoberschule im Tölzer Capitol-Kino und erleben, was Dorfmeister in seiner und ihrer Heimat erleben musste: das dröhnende Donnern anrollender Panzer. Granateneinschläge. Und Gewehrsalven, die einen Kameraden nach dem anderen niederstreckten – fataler Idealismus, der in Verzweiflung und Tod endete. Kein kurzzeitiges „Game Over“ wie es die heutigen Jugendlichen etwa aus Computerspielen kennen, erklärte Moderator Christoph Schnitzer, der die Schüler auf den Film vorbereitete, der im Rahmen einer Denkmaleinweihung an der Marktstraße (siehe oben) gezeigt wurde. In der virtuellen Welt gebe es einen Neustart, wenn ein Spieler sein Leben verliert. Im echten Leben freilich nicht.

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Schnitzer ist Redakteur beim Tölzer Kurier und kannte Dorfmeister persönlich, der ihn vor 35 Jahren dazu ausbildete. Dorfmeister war nämlich nicht nur Schriftsteller, sondern leitete fast 30 Jahre lang auch die Redaktion der lokalen Zeitung. Nun wurde vor dem dortigen Eingang ein Denkmal zu Ehren von Dorfmeister eingeweiht. Stadtsprecherin, Birte Otterbach, erläuterte den Sinn hinter dem Denkmal, damit die Schüler verstehen können, warum ein Stein mitten auf der Marktstraße stehe. „Es geht nicht darum, eine Erinnerung aufrechtzuerhalten, sondern um die Lehre, die draus gezogen werden kann“, sagte sie. „Ihr seit alle auf dem Weg ins Leben. Darum solltet ihr eine Grundlage haben, um richtige Entscheidungen treffen zu können.“

Dorfmeister konnte damals nicht frei entscheiden. Er wurde zum Militärdienst einberufen, und musste an die Front. Er und sieben weitere Jungen sind in eine Tölzer SS-Kaserne einberufen und dann zur Verteidigung der kleinen Brücke abkommandiert worden. Er konnte nicht vergessen, und so wurde Dorfmeisters Roman „Die Brücke“ 1958 unter dem Pseudonym „Manfred Gregor“ veröffentlicht. 13 Jahre nach Kriegsende verfilmte dann Regisseur Bernhard Wicki dessen Geschichte; unter anderem mit dem jungen Schauspieler Fitz Wepper – es war der erste Antikriegsfilm der Bundesrepublik, der zahlreiche Auszeichnungen wie den Deutschen Filmpreis und den Bambi gewonnen hatte.

Wepper (77) war damals 17 Jahre alt, als er in der Rolle des „Albert Mutz“ Dorfmeisters Geschichte nachspielte. Wie authentisch Wickis Film den Kampf auf der Brücke nacherzählt, erfuhr Weber am eigenen Leib: „Wir hatten nach den Kampfszenen, hinterher alle einen Heulkrampf“, berichtete der Schauspieler. Insgesamt wurde drei Monate in der oberpfälzischen Stadt Cham gedreht, darunter vier Wochen Nachaufnahmen. „Ich hatte hinterher überall blaue Flecken und drei unterschiedliche Augenringe“, erzählte Wepper weiter. Gerade wegen der Strapazen sei der Film ein wichtiger Meilenstein in der Filmgeschichte. „Wir hatten 70 Jahre Frieden. Dass ist eine Gnade.“

Wepper habe Dorfmeisters Erlebnisse begriffen und in seiner Rolle „gut umgesetzt“, sagte Schnitzer. Das sieht auch Dorfmeisters Sohn Franz Dorfmeister so. „So einen Krieg darf es nie mehr geben, vor allem nicht mit Kindern“, mahnte er. Und gerade heute, in Zeiten von einem „Zerfall der Europäischen Union“ und „rechtsausgerichteten Populismus“, wieder aktuell. Der Film zeigt die knallharte Kriegswirklichkeit, die auch missinterpretiert werden könne, berichtete Franz Dorfmeister. Als 13-Jähriger habe auch er den Film bei einer Schulaufführung gezeigt bekommen. Nachmittags habe er dann mit Freunden einige Kriegsszenen nachgespielt, und als sein Vater dies gesehen hatte, sagte er: „Ihr werdet wieder genauso blöd, wie wir waren.“ Daniel Wegscheider

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