Bürgerinitiative „Zivilcourage“ feiert sein zehnjähriges Jubiläum

Landwirtschaft ohne Gift“

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Milchprodukte aus heimischer Landwirtschaft: Martin Sappl von der Molkerei „Berchtesgadener“ verteilte Kostproben der Joghurt-Drinks

Bad Tölz – Einst von einer kleinen Gruppe von Idealisten unter der Regie von Heiner Schwab aus Lenggries ins Leben gerufen ist die „Zivilcourage Bad Tölz/Wolfratshausen“ inzwischen zu einem festen Bestandteil geworden: Für gesunde Ernährung aus heimischen und gentechnisch-freien Produkten. 

Zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Bürgerinitiative waren nicht nur alle Organisationen, die irgendwie mit der Produktion und der Vermarktung und dem Kauf heimischer Lebensmittel zu tun haben, sondern auch viele Verbraucher nach Bad Tölz gekommen, um sich enger mit der bäuerlichen Landwirtschaft im Kampf gegen die Lebensmittel-Großkonzerne zusammen zu schließen.

Wie vielseitig die Bestrebungen sind, konnte man schon vor der Veranstaltung im Festzelt im Moralt-Park erkennen, wo sich die einzelnen Organisationen mit der Darstellung ihrer Produkte und ihrer Aufgaben präsentierten. Überall gab es mit kleinen Häppchen oder Getränken Kostproben aus heimischer Produktion. Alle bäuerlichen Verbände waren vertreten, auch der Bauernverband, dessen obersten Bosse eher als Lobbyisten auf der Seite der Chemie und der Handelskonzerne stehen, was Schwab besonders freute. Peter Fichtner, Kreisobmann des Bauernverbandes, jedenfalls sprach sich auf Anfrage im Gegensatz zum Verbandspräsidenten deutlich gegen die Gentechnologie in der Landwirtschaft aus, allein schon deshalb, weil die heimischen Molkereien wie „Berchtesgadener“ und „Andechs“ nur gentechnikfreie Milch kaufen und verarbeiten. Dazu verteilte Martin Sappl „Berchtesgadener-Joghurt-Drinks“, bei Lisanne Hamzic vom Gut Mooseurach konnte man Bio-Fleisch-Häppchen probieren, Kräuterpädagogin Maria Walser zeigte auf, wie man Kräutersalz und Butterbrotkräuter selbst herstellen kann und dass nicht Fast-Food, sondern Slow-Food die Zukunft sein muss und kann, wurde den Besuchern ebenfalls deutlich gemacht. Für Schnapsbrenner Josef Schauer ist es eine Selbstverständlichkeit, dass nur Bio-Früchte von Streuobstwiesen verarbeitet werden, weil diese resistent gegen Krankheiten sind und nicht gespritzt werden müssen. Am Stand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) prangerte ein Schild mit der Botschaft, dass 80 Prozent der Subventionsgelder an nur 20 Prozent der Betriebe gehen. Da erklärte dann auch Landrat Josef Niedermaier, die Regionalität bewege uns alle und es gehe nicht an, dass Deutschland viele Produkte importiert, die „bei uns vor der Haustüre wachsen“. Von den Festredner prangerte Hans Zacherl (AbL) an, dass von den 50 bis 60 Milliarden Euro Agrarsubventionen der EU fasst alles der Agar-und Ernährungsindustrie zugute komme, was auch Rainer Forster vom Milcherzeugerverband BDM heftig kritisierte. Obwohl eine Agrarwende dringend erforderlich sei, gehe die Entwicklung weiterhin in die falsche Richtung. Felix von Löwenstein, Chef der Bio-Landwirte, brandmarkte die These der Agrarindustrie, wonach der Einsatz von Chemie notwendig sei. „Die Öko-Landwirtschaft zeigt täglich, dass es auch ohne giftige Spritzmittel geht“, konterte er. Für Berufsimker Walter Haefeker ist es ein Unding, dass durch den Einsatz von Glyphosat alle Blüten auf Wiesen und Äckern weg gespritzt werden, um dann durch von Steuergeldern finanzierten Kulturprogrammen wieder gefördert zu werden. Den größten Beifall des Abends konnte Christoph Fischer, Gründer der Zivilcourage landesweit, für sich in Anspruch nehmen, indem er mit launigen Worten die „Lügen der Gentechnologie“ zum Ausdruck brachte. Alle vorgebrachten Argumente werden jetzt gesammelt und den Landtags-Kandidaten aller Parteien zugeschickt. wbr

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