Durchblick beim toten Winkel

Bürgervereinigung will Verkehrssicherheit für Radler und Fußgänger erhöhen

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Ulrich Willburger erklärte die Vorteile des von ihm entwickelten Trixi-Spiegels.

Wolfratshausen – Immer wieder kommt es vor, dass Radfahrer oder Fußgänger von abbiegenden LKW-Fahrern übersehen werden und dabei schwere Verletzungen erleiden oder sogar sterben. Die Bürgervereinigung Wolfratshausen will mit der Installation von sogenannten Trixi-Spiegeln nun vorbeugende Maßnahmen einleiten.

Vor 25 Jahren kam es in Murnau zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein LKW-Fahrer übersah die 13-jährige Schülerin Beatrix Willburger, weil sie sich mit ihrem Fahrrad im toten Winkel befand. Die Folgen waren schlimm: Das Mädchen kam unter die Räder des Betonmischers und musste danach 14 Jahre im Rollstuhl leben.

Damit sich solche Unfälle nicht mehr wiederholen, erfand ihr Vater Ulrich Willburger den nach seiner Tochter benannten Trixi-Spiegel. Sabine Weickmann von der Bürgervereinigung Wolfratshausen stellte den Kontakt zu dem 70-jährigen her und lud ihm am Donnerstagabend zum Treffen „#BVWOR aktiv“ ins Wirtshaus Flößerei ein.

„Dank der konkaven Wölbung des Spiegels können sowohl der LKW-Fahrer als auch Radfahrer sehen, was um sie herum passiert“, erklärte Willburger. Der von ihm entwickelte Trixi-Spiegel könne schnell oberhalb oder seitlich einer Verkehrsampel montiert werden. Die Kosten sind mit rund 75 Euro überschaubar. In Deutschland stehen seinen Angaben zufolge derzeit rund 1.000 Trix-Spiegel, in der Schweiz sind es bereits 3.000. „Studien belegen, dass die Verkehrsunfälle an den umgerüsteten Kreuzungen deutlich zurückgegangen sind“, betont Willburger.

Die Bürgervereinigung Wolfratshausen will deshalb in einer der nächsten Stadtratssitzungen den Antrag vorbringen, auch in der Flößerstadt Trixi-Spiegel aufzustellen. Bei einer Verkehrsbegehung mit der Polizei haben Mitglieder der Bürgervereinigung zunächst drei Stellen ins Auge gefasst: die Nantweiner Friedhofskreuzung, die Einmündung des Floßkanals in die Sauerlacher Straße sowie das sogenannte Reiser-Eck am Untermarkt.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner räumte ein, dass die Untere Straßenverkehrsbehörde in Weilheim und das Landratsamt Bedenken äußern könnten. Denn der Trixi-Spiegel hat nicht den Status eines amtlichen Verkehrsschildes und könnte Radfahrern eine vermeintliche Sicherheit vorgaukeln. „Viele Städte haben Angst, dass sie für Unfälle haften müssen, wenn der Spiegel beschädigt ist“, erklärte Heiko Hawla. Der Fahrschullehrer und Geretsrieder Stadtrat hält die Einrichtung dennoch für sinnvoll. Er schlug vor, dass sich die Städte Geretsried und Wolfratshausen gemeinsam dafür einsetzen, um so mehr Druck auf die Behörden ausüben können. Willburger verwies darauf, dass auch Senioren mit Rollatoren und Fußgänger durch die Trixi-Spiegel geschützt sind. Kommerzielle Interessen habe er ohnehin nicht. „Ich lebe nicht vom Verkauf der Spiegel, ich will nur Unfälle vermeiden“, sagte Willburger.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner will gar nicht erst abwarten, bis auch in Wolfratshausen ein toter Winkel übersehen wird und ein Mensch ums Leben kommt. „Wenn wir die Möglichkeiten zu vorbeugenden Maßnahmen haben, sollten wir das in Angriff nehmen“, stellte der Rathauschef klar. Schon bei der Versammlung in der Flößerei erklärten sich einige der rund 25 Besucher spontan bereit, einen oder zwei Spiegel aus eigener Tasche zu finanzieren. Aus finanzieller Hinsicht wird das Vorhaben also sicherlich nicht scheitern. Peter Herrmann

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