Bürgerversammlung Icking: Huberwiese und Asylunterkünfte

Marathon durch brisante Themen

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Rieseninteresse der Ickinger an der Bürgerversammlung. Wer später kam, musste sogar stehen.

Icking – Die Ickinger Bürgerversammlung erregte die Gemüter der rund 150 anwesenden Bürger. Verständlich bei den derzeit politisch kontrovers diskutierten Themen der Gemeinde Icking wie etwa die Huberwiese oder die Unterbringung von Asylbewerbern in Irschenhausen.

Icking – Michael Prosinger, früherer Gemeinderat, sprach in der Bürgerversammlung aus, was zahlreiche Ickinger derzeit denken: Die Probleme in Icking seien zu viel für die Gemeinde. „Der Supermarkt ist ein Ungetüm, das Projekt Glasfaser kostet mehr, der Bau der Asylunterkünfte stockt und die Huberwiese spaltet die Gemeinde.“ Das resultiere in unzureichender Vorbereitung und in Grabenkämpfen im Gemeinderat.

Wie sehr vor allem die Huberwiese und die Asylunterkünfte die Bürger bewegen, wurde in der Bürgerversammlung deutlich, zu der 150 Leute erschienen und die mehr als vier Stunden dauerte. Die Unzufriedenheit der Bürger mit der Handhabe der Themen wurde deutlich, als es ums Abstimmen der Anträge ging: eine Mehrheit wünschte sich, dass eine Klausur zur Ortsentwicklung stattfindet. Mit noch größerer Mehrheit stimmten die Bürger dafür, dass die Asylunterkünfte erneut im Gemeinderat behandelt werden und die Gemeinde flexible Lösungen anstreben solle. Dass „Auswahlkriterien für Neubauvorhaben in transparentem Verfahren ermittelt und den Bürgern kommuniziert werden“ sollten, fanden gar 57 Personen für nötig und nur zehn nicht.

Die Debatte um die Flüchtlingsunterkünfte in Irschenhausen nahm einen großen Teil des Abends ein, verlor sich gegen Ende allerdings in Details und geriet zu einem Schlagabtausch zwischen den Sprechern Vera Seemann und Albrecht von Müller auf der einen Seite und Landrat Josef Niedermaier auf der anderen Seite. Doch trotz der Länge blieb das Interesse ungebrochen: als Bürgermeisterin Margit Menrad darüber abstimmen ließ, ob die weiteren Anträge behandelt werden sollen, wollte das Publikum dies nicht. Die Zusammenfassung der Diskussion: Die Gegner der Irschenhauser Unterkünfte befürchten, dass die Grundstücke, die eigentlich im Außenbereich liegen, später zu Bauland umgewandelt werden. Angesichts der Leerstände bei schon existierenden Flüchtlingsunterkünften halten sie langfristig bindende Neubauvorhaben nicht für sinnvoll. Und wenn schon gebaut werden muss, dann lieber auf der sogenannten Blumenwiese beim Ickinger Sportplatz als am Ortsrand von Irschenhausen. „Seit sechs Monaten versuchen wir eine vernünftige und nachhaltige Lösung und ein alternatives Grundstück zu finden“, sagte Seemann. Laut Landrat Niedermaier ist der Bau in Irschenhausen und Dorfen aber nicht mehr zu stoppen, weil der Freistaat Bayern weg von den kleinen Unterbringungsmöglichkeiten will und hin zu größeren Einheiten, die „handelbarer“ seien. „Die dezentrale Unterbringung ist ein Kostentreiber und die Devise ist, dass es so nicht weitergehen kann“, sagte Niedermaier. Außerdem müsse der Freistaat die Vorverträge mit dem Investor einhalten. Während Seemann hartnäckig, aber sachlich blieb, griff von Müller den Landrat scharf an. Er erklärte, dass die Vorverträge noch nicht bindend seien und fragte Niedermaier: „Wie lange versuchen Sie noch, die Bürger hinters Licht zu führen?“

Ebenfalls sehr kontrovers verlief die Debatte um die Bebauung der Huberwiese. Dem Sprecher der Initiative „Unser Icking“ Philipp von Braunschweig wurde ebenfalls Redezeit eingeräumt. Er erinnerte an das Wahlversprechen der Bürgermeisterin-Partei UBI von 2014, den Flächennutzungsplan beizubehalten und prangerte unter anderem das Procedere bei der Huberwiese an: dass nämlich am Anfang nicht etwa ein festgestellter Bedarf oder eine ausgegorene Planung gestanden sei, sondern ein privates Geldgeschäft. „Die Leichtfertigkeit, mit der Sie einem privaten Bauwunsch nachkommen wollen, hat viele Ickinger entsetzt“, sagte er im Hinblick auf die Bürgermeisterin. Eigentümer Huber habe die Wiese erst später gekauft. „Das hat sehr wenig mit Landwirtschaft zu tun, sondern ist Baulandspekulation in Reinformat.“ In Erklärungsnot geriet Braunschweig, als der Hinweis aus dem Publikum kam, dass Huber zur Ickinger Familie Ortner gehöre, die schon seit Jahrhunderten im Besitz der Wiese sei. „Die persönlichen Dinge, die Herrn Huber angedichtet werden, stimmen nicht“, schaltete sich Ex-Gemeinderätin Angelika Ertl dazu. Und jeder hier habe sein Grundstück einst von Landwirten gekauft und auf die grüne Wiese gebaut. Ein Mann meinte kopfschüttelnd, dass man das eine Stück Grün doch nicht so hoch hängen solle. Andere im Saal konnten sich der Meinung nicht anschließen. Eine Zuhörerin bemängelte den „Flächenfraß“ und für Heinz Flaucher war die Wiese ein Alleinstellungsmerkmal Ickings und mache einen Teil der Seele des Orts aus.

Was Landrat Josef Niedermaier über die Huberwiese denkt, war mehr als deutlich, auch wenn er davon sprach, sich nicht einmischen zu wollen. Der Großraum München werde in den nächsten Jahren um 300.000 Einwohner wachsen. „Den Zuzug werden wir nicht aufhalten“, sagte er. Die Einstellung „Wir wollen keine Entwicklung“ werde nicht funktionieren.   ha

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