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Bürgerversammlung Königsdorf: Rathauschef gibt verhaltenen Ausblick auf die Zukunft

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Königsdorfer Bürgerversammlung 2022
Spärliche Teilnahme: Die wenigen Gäste bei der Königsdorfer Bürgerversammlung wurden auf schwierige Zeiten eingeschworen. © Sandra Gerbich

Königsdorf – Im Herbst starten wieder die Bürgerversammlungen. Königsdorf ist eine der ersten Gemeinden, die ihre Einwohner in die Aula der Schule eingeladen hat. Gekommen war nicht einmal ein Dutzend Bürger.

Der große Rest der rund 20 Teilnehmer vertrat den Gemeinderat. Dabei erwartete die Besucher eine interessante Grundsatzdebatte.

„Wer wissen will, was los ist in Königsdorf, muss nicht dauernd an den Gemeinderatssitzungen teilnehmen. Einmal im Jahr Bürgerversammlung ist wie ein Crashkurs“, resümierte Marlies Woisetschläger (UBL). Nicht einmal 20 Einwohner waren gekommen, für gut die Hälfte ein Pflichtprogramm, weil sie als Gemeindevertreter teilnahmen.

„Ich kann nur schlussfolgern, dass die anderen gerade zufrieden sind“, begann Rainer Kopnicky sein gewohnt sachliches Referat zu Statistik, Projekten, Problemen und Perspektiven. Einige Themen teilt Königsdorf mit anderen Gemeinden, etwa den Mangel an Fachpersonal in Verwaltung und Kinderbetreuung oder die Anstrengungen bei der Digitalisierung. Andere, wie der Neubau von Turnhalle und Mittagsbetreuung sowie die Sanierung und Erweiterung des Bauhofs sind Königsdorf-speziell.

Baustelle in Königsdorf
Seit einigen Wochen dreht sich der Kran in der Baugrube der neuen Turnhalle. © Sandra Gerbich

Großprojekte in Königsdorf: Turnhalle und Bauhof

Seit ein paar Wochen dreht sich der Kran auf der Turnhallen-Baustelle an der Mooseuracher Straße Ecke Sedlmeierstraße: „Nachdem wir die Gewerke gestiegener Kosten wegen neu ausschreiben mussten, haben wir andere Firmen finden können, die zu für vertretbaren Konditionen mit den Bauarbeiten begonnen haben“, erklärte der Rathauschef. Er denkt, dass der Rohbau im Winter steht und es im Frühjahr mit dem Innenausbau weitergehen kann. „Auch für diese Gewerke werden wir nochmal neu ausschreiben müssen“, so Kopnicky. Er hofft, „dass die Preise noch einmal sinken werden.“

Das zweite Großprojekt betrifft den Bauhof. Der Anbau im Osten soll nicht nur Platz für einen Sozialraum, eine Dienstwohnung sowie eine Obdachlosenunterkunft bieten. Auch eine Werkstatt und eine Fahrzeughalle sind am Entstehen. Die Fertigstellung ist für März 2023 avisiert.

Bauhof in Königsdorf
Mit 1, 2 Millionen Euro Baukosten liegen die Sanierung und Erweiterung des Bauhofs im Plan. © Sandra Gerbich

Diese Entwicklung klingt halbwegs positiv – doch die Lage in der Kommune ist ernst: 2,4 Millionen Euro Kreisumlage überweist Königsdorf aktuell an den Landkreis. Und das bei gestiegenen Energiekosten, Personalaufwendungen, Preisen von Handwerkern, die durch die Decke gehen, stagnierenden Gewerbesteuereinnahmen und letztlich einer Inflation – die noch vor wenigen Jahren undenkbar war.

„Die Zeiten unbegrenzten Überflusses sind erst mal vorbei“, pflichtete Gastredner Klaus Koch bei. Der Dritte Landrat kann nicht versprechen, „dass da in den nächsten Jahren Entlastungen kommen, um es vorsichtig zu formulieren“. Im Gegenteil. 96 Prozent der Ausgaben des Landkreises seien Pflichtausgaben, etwa die „Hilfe zur Pflege“ oder die „Eingliederungshilfe“. Koch falle eigentlich nichts ein, wo man sagen könnte: „Ja, muss das denn sein?“

Auch Kopnicky hatte keine Idee. Vize-Bürgermeister Sebastian Seidl hinterfragte die ambitionierten Pläne des Kreises beim Öffentlichen Nahverkehr. „Da sehe ich eine Stellschraube, an der man drehen könnte“, stimmte Kopnicky zu. Eine Kippung der Pläne gehe jedoch mit einem Verlust an Mobilität und einer negativen CO2-Bilanz einher, gab Koch zu bedenken. „Wo auch immer man versucht einzusparen, irgendeine negative Konsequenz gibt es immer.“ Kopnicky kündigte dennoch an, „zumindest Königsdorfs Haushalt nach möglichen Einsparpotenzialen zu durchforsten“.

Gerade die Ausgaben für ältere Menschen würden in den kommenden Jahren weiter steigen, gab Koch zu bedenken. Gleichzeitig steige der Druck auf die niedrigeren Einkommensklassen bei weiter anhaltendem Zuzug. „Es stellt sich die Frage, wie man geringeren Verdienstklassen wie Polizisten oder Krankenschwestern bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen kann?“, fragte Koch und nannte alarmierende Zahlen: „Heute fehlen im Landkreis 67 Pflegeplätze, 2030 werden es 306 sein.“

Steigende Gebühren bei der Wasserversorgung in Königsdorf

Weitere Themen waren die besorgniserregenden Grundwasserstände nach der langen Trockenheit sowie der Umschluss der Kläranlage in Schwaighofen . Bei der Wasserversorgung kündigte Kopnicky steigende Grund- und Verbrauchsgebühren an. Etwas Zurückhaltung übe man mit Rücksicht auf den Geldbeutel der Einwohner beim Straßenbau. „Bei der hohen Inflation und den exorbitanten Energiekosten möchten wir im Moment die Anwohner nicht unnötig zusätzlich belasten“, betonte der Rathauschef.

Doch es gab auch gute Nachrichten. Neben den Erfolgsmeldungen in Sachen Turnhallenneubau und Bauhof spricht nichts gegen den geplanten Waldkindergarten in der Nähe der Jugendsiedlung Hochland. Eine Jurte darf auch aufgestellt werden. Und wenn alles gut läuft, können schon in diesem Herbst die ersten Kinder den Waldkindergarten besuchen. Ebenso soll der Jugendtreff an der Schule wiederbelebt werden, der am 4. Oktober startet. Sandra Gerbich

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