Bürgerversammlung in Dietramszell

Windkraft: Gröbmaier will Flächen begrenzen

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An die 300 Bürger drängten sich im Saal des Gasthof Peiß zur Informations-Veranstaltung Windkraft in Dietramszell.

Dietramszell – Die Windkraft bewegt nicht nur Windräder: An die 300 Bürger drängten sich in den Saal des Gasthof Peiß am Montag, als die Gemeinde zu einer Info-Veranstaltung zum Thema Windkraftanlagen in Dietramszell geladen hatte.

Mehrfach machte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier deutlich: „Es geht nicht mehr darum, ob wir zu Windrädern Ja oder Nein sagen, sondern alleine darum, dass wir die Flächen dafür möglichst begrenzen.“ Sie ist überzeugt: „Unsere Landschaft wird sich so dramatisch verändern wie niemals zuvor.“ Tatsachen sind, dass der gesetzlich bindende Entwurf des neuen Regionalplans vier Flächen auf Zeller Gemeindegebiet als mögliche Standorte für Windkraft-Anlagen sieht, dass der Bau privilegiert ist und damit kaum abgelehnt werden kann, sofern weitere Voraussetzungen wie etwa Abstandsflächen eingehalten werden und – der Gemeinde liegt bereits ein Antrag vor. Diese Situation will die Kommune in geordnete Bahnen lenken indem sie mit dem Mittel eines Teil-Flächennutzungsplans im Zeller Wald eine „Konzentrationszone“ schafft und sich so ein rechtlich greifbares Handlungsinstrument schafft. Dieser Standort hat den Vorteil, dass dort auch die Marktgemeinde Holzkirchen Windräder aufstellen will. „Da hilft es dann wenig, wenn wir unsere von dort wegbringen würden“, so Gröbmaier. Freilich gibt’s bei der Windkraft noch zahlreiche Ungereimtheiten. So habe die Rathauschefin etwa auf Nachfrage beim Regionalen Planungsverband in Sachen vorhandener Windstärken zur Antwort bekommen: „Der Wind hat angeblich bei der Ausweisung der Flächen keine Rolle gespielt.“ Großes Gelächter im Saal quittierte diese Aussage. Zahlreiche Wortmeldungen der Anwesenden machten allerdings deutlich, dass sie sich noch längst nicht damit abgefunden haben, dass auf Dietramszeller Flur große Windräder stehen sollen. „Hier werden wegen der schönen Landschaft Heimatfilme gedreht und wir wollen das zubauen“, warf Markus Pfitsch, Sprecher der neugegründeten Bürgerinitiative „Windradfreies Dietramszell“ ein. Wilfried Kranz aus Obermühltal kam als „nächster Nachbar der geplanten Windradzone“ mit einem ganzen Fragenkatalog ans Mikrofon und bemängelte eine „Verspargelung“ im Zeller Wald. Weitere Wortbeiträge zielten auf die Frage, ob denn in der hiesigen Schwachwind-Region Windräder überhaupt rentabel sind. Hier verwies die Bürgermeisterin auf zwei im Saal anwesende potenziell interessierte Investoren hin: „Sonst wären die kaum hier.“ Dazu erklärte auch Tilo Wachter von BayWa-Tochter „Renerco“: „Windräder mit einer Nabenhöhe unter 100 Metern sind sicher nicht wirtschaftlich. Ein kleines Windradl auf dem Dach wäre sicher rausgeschmissenes Geld.“ Etwas Druck aus der angespannten Atmosphäre im Saal nahm dann der Auftritt von Peter Haberzettl von der Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“. Er betonte, dass die Windenergie in der Bilanz der erneuerbaren Energien vielleicht acht Prozent ausmachen würde. So sollen etwa im Landkreis Miesbach, wo man mit der Planung schon etwas weiter ist, fünf oder sechs Windräder stehen, nicht mehr. Nach Erfahrungen in Franken und Nordbayern sei es vor allem wichtig eine Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. Das sei am ehesten durch eine Bürgerbeteiligung möglich, so wie es auch von der Gemeinde Dietramszell geplant ist. Leni Gröbmaier betonte nochmals, dass man über den eigenen Teilflächennutzungsplan dem Regionalplan zuvorkommen wolle und bat mögliche Grundbesitzer: „Unterschreiben Sie noch nichts, die Anderen sind auf Sie angewiesen.“


"Linden wäre umzingelt"


Vier Flächen auf dem Gemeindegebiet von Dietramszell als mögliche Standorte von Windkraftanlagen weist der neue Regionalplan der Regierung für die Region 17 aus: Nördlich der Leonhardi-Kapelle, hinter Steingau und Baiernrain, zwischen Linden und Fraßhausen an das Eglinger Ortsgebiet angrenzend und schließlich im Zeller Wald nordöstlich von Dietramszell selbst. „Damit wäre etwa Linden umzingelt“, beklagte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier, „obwohl das eigentlich seitens der Vorgaben der Regierung verboten sei. Das können wir auf gar keinen Fall hinnehmen.“ Um der Regionalplanung zuvorzukommen, „wir wollen Bürger-Windkraftanlagen so verträglich wie möglich auf akzeptierten Flächen“, so die Rathauschefin, beschloss der Dietramszeller Gemeinderat bereits Ende letzten Jahres einen Teil-Flächennutzungsplan Windkraft (TFlNP) aufzustellen und beauftragte mit der Planung den Planungsverband „Äußerer Wirtschaftsraum München“, der in der Bürgerversammlung von Sebastian Neudecker und dem Landschaftsplaner Manfred Dörr vertreten wurde. Beide erklärten detailliert mit zahlreichen Schaubildern wie sie nach dem „Subtraktionsprinzip“ auf die mögliche und seitens der Gemeinde favorisierte Fläche im Zeller Wald gekommen sind. Dieses Gebiet hat den zusätzlichen Vorteil, dass dort in nächster Nachbarschaft entlang einer gedachten Linie auch die Marktgemeinde Holzkirchen Windkraft-Anlagen aufstellen will. Mit Ausnahme der an das Gemeindegebiet von Egling angrenzenden Fläche konnten die Planer damit die weiteren im Landesentwicklungsplan vorgesehenen Bereiche aus diversen Gründen wie Nähe zur Wohnbebauung, Denkmal- und Landschafts- und Naturschutz ausschließen. Jetzt komme es darauf an, dass der TFlNP Windkraft schneller rechtskräftig werde, als die Planung der Regierung, betonte Bürgermeisterin Gröbmaier. Die erste Auslegungsfrist für Bürger-Einwände des Dietramszeller Plans endet am Dienstag, 5. Februar. Ewald Scheitterer

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