Bund Naturschutz erkennt zu viele Nachteile des geplanten Kraftwerks

Nein zum Geothermie-Projekt

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Am Waldrand zwischen Attenhausen und Dorfen soll die Geothermiezentrale entstehen. Im Idealfall verschwindet sie hinter einem begrünten Erdwall.

Icking/Dorfen – Zu wenig effizient, zu viel Flächenfraß, gefahren vom „Fracking“: Der Bund Naturschutz (BN) lehnt den Bebauungsplan für die „Geothermiezentrale, Gemarkung Dorfen“ ab. BN-Kreisvorsitzender Friedl Krönauer sowie Dr. Beatrice Wagner von der Ickinger Ortsgruppe verfassten eine entsprechende Ablehnung im Zuge der zweiten Auslegung des bebauungsplanentwurfs und schickten ihn nun ans Rathaus.

„Aufgrund aktuell vorliegender Informationen und Erkenntnisse möchten wir gegen den Bebauungsplan ,Kraftwerk Geothermie‘ Widerspruch einlegen“, betonen die beiden. Zwar sei die regenerative Energiegewinnung grundsätzlich zu begrüßen und zu fördern. „Im Falle der Geothermieanlage Icking scheinen aber nach reiflicher Abwägung die Beeinträchtigungen für die Bürger, aber auch für Natur und Umwelt, den in Aussicht gestellten energetischen Nutzen zu überwiegen“, betonen die Umweltschützer.

So befürchten sie einen systembedingten niedrigen Wirkungsgrad einer rein Strom produzierenden geothermischen Anlage. Bei einer Geothermieanlage zur reinen Stromerzeugung, sei von einem Wirkungsgrad von 10 bis 15 Prozent auszugehen. „Das heißt, 85 bis 90 Prozent der Wärme des nach oben beförderten Wassers bleiben ungenutzt.“ Es müsse ungenutzt entsorgt werden. Zudem müsse das Wasser an der Erdoberfläche abgekühlt werden, was weitere Energie benötige. Somit sei dieses Verfahren auch noch klimabelastend.

Zudem stören sich die BN-Vertreter daran, dass das Kraftwerk zu einem großen Teil – aus gründen des Immissions- sowie des Sichtschutzes etwa zu einem Hektar – in den Wald gebaut werden soll. Der Einsatz erneuerbarer Energien solle vielmehr unter dem Aspekt des Schutzes der natürlichen Ressourcen und Lebensgrundlagen (Wasser, Boden, Luft und Biomasse) erfolgen. „Die Rodung einer Waldfläche verfehlt daher das gesteckte Ziel schon beim Start.“ Auch wenn es vertraglich fixierte ­Ausgleichsplanzungen geben soll, besäßen junge Bäume bei weitem nicht die Kapazitäten hinsichtlich Wasserspeicher, CO2-Speicher und Lebensraum für Mikroorganismen und alle übrigen Lebewesen, wie ein alter Waldbestand, so Krönauer und Wagner.

Der BN hegt aber auch Sicherheitsbedenken. Icking liege auf einer Seitenarmmoräne. Es sei nicht auszuschließen, dass der Untergrund durch die systembedingten Eingriffe an Stabilität verliere. Vor einer Inbetriebnahme müsse deshalb geklärt werden, wer im Falle von Massenverschiebungen oder seismischen Erschütterungen für Schäden aufkommt.

Zudem lehnt der Bund Naturschutz den Einsatz von Salzsäure ab – diese soll helfen, das Wasser in 3.000 bis 4.000 Metern Tiefe aus dem Kalkgestein (Malm) herauszulösen werden. „Nach unserem Verständnis, findet so eine Art von ,Fracking‘ statt.“. Eine Wasseranalyse solle vorab rechtlich klären, „ob die Probebohrungen in Attenhausen nicht auch einem ,unkonventionelle Fracking‘, welches verboten ist, zuzuordnen ist.“

Die Inbetriebnahme des Kraftwerks in Attenhausen sei untrennbar verbunden mit der Erstellung einer weiteren Anlage, in der das Tiefenwasser wieder in die entsprechende Gesteinsschicht gepumpt wird. Die derzeitigen Planungen würden vorsehen, dass das Tiefenwasser aus Attenhausen in Walchstadt wieder in den Kalk-Malm eingebracht wird. „Das heißt, wenn das Kraftwerk in Attenhausen genehmigt wird, ist zwangsläufig die Erstellung einer weiteren Anlage damit verbunden, von der die Bewohner von Walchstadt aber offenbar noch nicht vollumfänglich informiert wurden“, finden Krönauer und Wagner. Das BN-Duo fordert das Bergbauamt, die finnische Investorenfirma und die Gemeinde Icking dazu auf, die Bevölkerung offen über alle Konsequenzen, die mit dem Betrieb der Anlage verbunden sind, zu informieren.

Zudem finden sie, dass zu wenig beachtet würde, dass ein Standort einer geothermischen Anlage mit zwei Bohrungen nach 15 bis 20 Jahren thermisch ausgenutzt sei und es einige Dutzend Jahre dauere, bis Wärme im Untergrund nachgeströmt ist. Geothermiekraftwerke müssten daher nach einiger Zeit quasi umziehen und neu gebaut werden – was den Bund Naturschutz letztlich dazu veranlasst, das Projekt in der geplanten Form abzulehnen. tka

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