Buslinie 374: Landkreis will MVV-Tarif, Nachbarn blockieren

„Das ist nicht zu vermitteln“

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Ein einheitliches Tarifsystem für die Linie 374 von Wolfratshausen über Beuerberg nach Penzberg scheint schwierig umzusetzen.

Landkreis/Penzberg – Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen will den MVV-Tarif Weilheim-Schongau nicht. Das Problem: Die Bus-Linie 374 fährt genau durch die beiden Landkreise und nun wird die Linie neu ausgeschrieben. Welches Tarifsystem jetzt greift, ist fraglich.

Am Ende kann es sein, das Reisende, die etwa von Wolfratshausen per Bus nach Penzberg fahren, wo viele beim Pharma-Konzern Roche arbeiten, an der Landkreisgrenze ein neues Ticket lösen müssen.

Während der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im MVV-Gebiet den Streckenabschnitt Wolfratshausen-Quarzbichl als gemeinwirtschaftliche Linie 374 betreibt, wird der restliche Teilabschnitt bis Penzberg derzeit eigenwirtschaftlich als Linie 9590 weitergeführt. Die gesamte Linie wird von der RVO bedient. Aufgrund der auslaufenden Genehmigungen müssen die beiden Linien neu ausgeschrieben und vergeben werden. Der Vertrag der MVV-Linie 374 endet Mitte Dezember 2020, die Genehmigung der RVO-Linie 9590 dann Ende Dezember 2020.

Geht es nach dem Willen des Landkreises könnte die gesamte Linie als gemeinwirtschaftliche Linie betrieben werden. Dadurch würde das Leistungsangebot erweitert und der bis zur Landkreisgrenze geltende MVV-Tarif bis Penzberg ausgedehnt.

Doch daran hat das zuständige ÖPNV-Gremium des Weilheimer Kreistags kein Interesse. Denn der Landkreis Weilheim-Schongau müsste dafür tiefer in die Tasche greifen als bislang. Statt bis zu 55.000 Euro (aktuell) müsste der Landkreis Weilheim-Schongau dann bis zu 90.000 Euro jährlich zahlen. Der Großteil entfällt ohnehin auf den Tölzer Landkreis, der aktuell rund 205.000 Euro zahlt, bei einer neu ausgeschriebenen und erweiterten Linie dann bis zu 285.000 Euro zahlen würde.

Doch künftig mit zweierlei Tarifsystem auf dieser Strecke unterwegs zu sein, „das ist nicht zu vermitteln“, erklärte Landrat Josef Niedermaier nun im Kreisausschuss. Er berichtete aber auch von „negativen Signalen“ aus Weilheim. Die müssten nämlich für den Bereich auf ihrem Kreisgebiet den MVV bestellen. Dabei könnte das durchaus Vorteile haben, wie Landrat Niedermaier ergänzte. Denn bei einer gemeinwirtschaftlich ausgeschriebenen Linie erhält auch der Landkreis die Einnahmen. Und: Diese Linie habe großen volkswirtschaftlichen Wert, „auch wenn man den womöglich nicht gleich in fünf Jahren messen kann“. Einstimmig sprach sich der Kreisausschuss dafür aus, mit den Weilheimer Gremien nochmals zu verhandeln.

Denn sonst, so schob Landrat Niedermaier nicht ganz ernst gemeint hinterher, „können wir ja gleich den Bus an der Landkreisgrenze stoppen lassen – und die Fahrgäste steigen dann an der Mülldeponie Quarzbichl in einen Weilheimer Bus nach Penzberg um“. tka

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