Aus dem Leben geschüttelt

Caritas informiert über das Schütteltrauma

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Anhand einer Puppe erläutern die Fachberaterinnen, wie der Säugling beim Schütteln gefährdet ist: (v. l.) Eva Burchard und Eva Dietl (beide von der Caritas-Erziehungsberatung „Zusammen Wachsen“) sowie Martina Grasser und Katrin Stamm von der Koordinierenden Kinderschutzstelle (KoKi) im Landratsamt.

Bad Tölz – Es ist ein kurzer Ruck. Ein Moment. Der aber das Leben eines Kleinkindes schwer schädigen kann – schlimmstenfalls zum Tode führen: Jährlich werden laut der Caritas bis zu 200 Babys und Kleinkinder mit einem Schütteltrauma in deutsche Kliniken eingeliefert. Jedes dritte Kind stirbt an den Folgen. Daher möchte die Caritas und Diakonie, das Landratsamt sowie das „Netzwerk frühe Kindheit“ (KoKi) für Aufklärung sorgen und auf ihre Beratungsangebote hinweisen.

Sozialpädagogin Martina Grasser wiegt eine lebensechte Puppe in ihrem Arm, hält sie hoch und demonstriert eine fatale Bewegung: Es ist nur ein kurzer Ruck, der alles verändern kann. Knickt dabei der Kopf des Kleinkindes schnell nach hinten, „gerät das Gehirn in Schwingungen“, berichtet Grasser. „Dadurch können Verletzungen der Nackenmuskulatur und Blutungen im Kopf entstehen.“

Wie gefährlich ein Schütteltrauma sein kann, erläutert Diplom-Psychologin Eva Burchard: „Zweidrittel der Kleinkinder erleiden dadurch chronische Schäden“, betont sie. Dadurch könne das Sehen und die Sprache beeinträchtigt werden. „Eine körperliche oder geistige Behinderung die Folgen.“ Zwischen zehn und 30 Prozent der Kinder, sterben sogar an den Folgen, so Burchard weiter. In Zahlen: „Jedes dritte Kind stirbt“. Die Dunkelziffer über Kleinkinder und Babys mit einem Schütteltrauma, sei deutlich höher, betont die Diplom-Psychologin. Besonders gefährdet seien Babys in den ersten Lebensmonaten.

Als Grund für die Schüttelreaktion nennen die Fachexperten, oft eine Impulsreaktion „die nicht absichtlich passiert.“ Es handle sich dabei um eine Kombination aus Überforderung, Wut und Enttäuschung, ergänzt Sozialpädagogin Eva Dietl von der Caritas. Oftmals entstehe ein Gefühl des Versagens, weil Eltern ihr Kind nicht beruhigen können, dass stundenlang schreie. Auch sei Erschöpfung ein Grund für eine Plötzliche Impulshandlung, die nicht beabsichtigt sei. Kurz sagen: „Bleib ruhig“, verbunden mit einer kleinen ruckartigen Bewegung mit dem Kind in den Händen. „Ein kurzer Kontrollverlust, der eine große Wirkung haben kann.“ Allerdings sei es ganz natürlich und normal, dass Kinder, insbesondere zwischen dem zweiten und fünften Lebensmonat, schreien. Es handle sich dabei um Reifeprozesse. „Das Kind muss mit Hunger, Durst und Schlafen zurechtkommen“, so Burchard.

Damit Eltern nicht in Stresssituationen geraten, wollen die Fachberaterinnen aufklären und verweisen auf das regional Hilfsangebot. Dazu liegen bei Kinderärzten und im Landratsamt Flyer aus, die wichtige Kontaktadressen und Telefonnummern angeben. „Wir wollen die Bevölkerung über die Gefahren des Schüttelns bei Kleinkindern aufklären“, sagt Burchard. Zudem die Eltern unterstützen und praktische Hilfestellung geben. Die Beratung ist außerdem anonym und kostenfrei. „Babys sind eine große Herausforderung“, ergänzt Grasser. „Daher wollen wir den Eltern die Sorgen nehmen.“ Die Experten appellieren: „Kommen sie frühzeitig zu uns.“Daniel Wegscheider

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