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Chiemgauer Land: LBV kritisiert beschlossene Abschuss-Freigabe des Wolfs

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Von: Daniel Wegscheider

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Wolf der am Boden liegt
Der „Aktionsplan Wolf“ regelt den Umgang mit einer zunehmenden Anzahl von Wölfen in Bayern. © Symbolfoto: panthermedia/kangarooarts

Region – Geteilte Meinung zur Regierungsentscheidung einen Wolf zu entnehmen, der in Nachbarlandkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim, Weidetiere gerissen hatte.

Während der Bayerische Jagdverband das jüngst gefällte Urteil zur „Wolfs-Entnahme“ begrüßt, kritisiert der Naturschutzverband dieses aufs Schärfste. „Die vorgelegte Begründung für die Entnahmegenehmigung ist nicht stichhaltig und tritt den Bayerischen Aktionsplan Wolf mit Füßen“, betont LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer.

Aus Sicht des LBV hätte bei der Entscheidungsfindung der gemeinsam erarbeitete Aktionsplan unter allen Umständen eingehalten werden müssen: „Ein Abschuss muss immer ein Einzelfall und eine Ausnahme bleiben. Die in diesem konkreten Fall genannte Voraussetzung dafür, nämlich die Gefährdung von Menschen, ist allerdings nicht gegeben“, kritisiert Schäffer weiter.

Naturschutzverband fordert Überprüfung anhand des Aktionsplanes Wolf

Der Naturschutzverband fordert deshalb eine parlamentarische Überprüfung der Entscheidungsfindung anhand der Kriterien des Bayerischen Aktionsplans Wolf und einen Einblick in den Bericht der Expertenkommission.

Für den Bayerischen Jagdverband (BJV) ist die Aussage von Michaela Kaniber, der Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, jedoch nachvollziehbar. Sie sagt: „Man müsse den Wölfen ihre Grenzen aufzeigen.“ Daher sieht der BJV auch „die Voraussetzungen für eine Entnahme des Wolfes in den Landkreisen Traunstein, Rosenheim und dem Berchtesgadener Land laut zu Rate gezogener Expertenkommission als gegeben“.

BJV: „Hirsche nicht schlechter stellen als Wölfe“

Der BJV ärgert sich in diesem Zusammenhang auch, „dass im Gegenzug unsere majestätischen Hirsche seit 60 Jahren in sogenannten Rotwildgebieten konzentriert werden“. Ernst Weidenbusch, Präsident des BJV, sagt dazu: „Innerhalb der Gebiete sind sie eine leichte Beute, außerhalb müssen sie schonungslos getötet werden.“

Das Schlimme daran sei, so Weidenbusch weiter, dass auch die Jäger des BJV „gesetzlich dazu verpflichtet sind, den König der Wälder außerhalb dieser Gebiete sofort und ohne Gnade zu erlegen“. Laut BJV umfasst der Lebensraum, auf dem in Bayern Rotwild überhaupt toleriert werde, „lediglich 14 Prozent der gesamten Landesfläche umfasse.

LBV sieht Voraussetzung zur Entnahme des Wolfes nicht gegeben

Trotz allem ist aus Sicht des LBV die Voraussetzung für die Entnahme des Wolfes aufgrund der bisher vorliegenden Informationen nicht gegeben. Die juristischen Hürden seien hierfür sehr hoch“, unterstreicht Schäffer. Hier werde eine politische Entscheidung gegen die gemeinsam entwickelten Grundsätze des bayerischen Aktionsplans gefällt. „Das ist eine schallende Ohrfeige für alle, die an der Entwicklung des Aktionsplans Wolf beteiligt waren.“

Laut LBV waren an den in der Region dokumentierten Rissen von Nutztieren zwei verschiedene Wölfe beteiligt. „In der von der Regierung vorgelegten Aufstellung der Einzelfälle hat es trotz der jahreszeitlich bedingt in Siedlungsnähe erfolgten Ereignisse in keinem Fall eine Gefährdung von Menschen gegeben“, sagt der BJV-Präsident.

Auch bei der einzigen direkten Begegnung im Dezember 2021 in Bergen (Kreis Traunstein) sei der Wolf umgehend geflüchtet, als der Tierhalter hinzukam. „Die von der Regierung von Oberbayern angeführte erhöhte Wahrscheinlichkeit für gefährliche Begegnungen zwischen Wolf und Mensch ist deshalb für den LBV nicht nachvollziehbar.“

Nach Vorgaben des Aktionsplans Wolf ist eine mögliche Voraussetzung für eine legale Entnahme, „dass ein Wolf ohne Provokation aggressiv auf Menschen oder begleitende Hunde reagiert“, sagt Schäffer: „Da dies in der betroffenen Situation nicht der Fall war, gibt es auch keine sachliche Begründung dafür, diesen Wolf jetzt zu schießen.“ Abschließend betont er: „Es darf keinesfalls der Eindruck entstehen, dass jeder Wolf beliebig zum Problem-Wolf erklärt und geschossen werden kann“.

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