Christoph Schramm berichtet über das Erfolgsrezept seiner Tiefkühlpizzas

Kalte Pizza, heiß begehrt

+
Die Pizza im Blick: Geschäftsführer von Franco Fresco, Christoph Schramm.

Geretsried – Der gebürtige Münchner Christoph Schramm (39) startet mit seinem Pizza-Unternehmen Franco Fresco durch, das wiederum die Marke Gustavo Gusto vertreibt. Aus einer Studentenidee ist mittlerweile ein Großhandhandel geworden, der in Geretrsied seinen Standort hat.

Der junge Schramm hat Betriebswirtschaftslehre in Passau studiert, als aus einer Leidenschaft sein Beruf wurde: 2003 eröffnete er dort eine Pizzeria mit einem Holzofen gegenüber seiner Universität und der Erfolg begann: Es folgten drei weitere Lokale später der Vertrieb für Einzel- und Großhandel. Heute produziert Franco Fresco 15.000 Pizzen und wächst weiter. Im Februar wird die Firma auf das frühere Sieber-Gelände ziehen. Im Interview berichtet Schramm über bayerischen Käse, eingefrorenes Geschmackserlebnis und Pizza-Roboter.

Herr Schramm, Hand aufs Herz: lieber Tiefkühlpizza oder frisch gebacken vom Italiener?

„Bei mehr als 50 Prozent der Pizzerien würde ich sagen lieber unsere Pizza. Weil die Pizzen aus der Pizzeria zum Mitnehmen im Karton schnell an Qualität verlieren. Sie sind schon nach zehn Minuten nicht mehr besser als die Tiefkühlpizzen.“

Welche Pizza schmeckt Ihnen am besten?

„Meine Lieblingspizza ist die Salame Piccante.“

Und aus was besteht ihr aktuelles Sortiment?

„Margherita, Prosciutto e Funghi, Salami und Tonno e Cipolla. Wir wollen jetzt noch eine vegetarische Pizza anbieten, denn für Vegetarier ist das Sortiment am Markt relativ dürftig. Wir denken gerade über eine Ricotta mit Spinat nach. Außerdem werden wir die Salame Piccante wieder ins Sortiment aufnehmen. Da unser Salsiccia-Lieferant mit der gestiegenen Nachfrage nicht mehr hinterher kam, haben wir vor ein paar Monaten lieber ausgesetzt, als auf die Schnelle mit einer schlechteren Wurst weiterzumachen. Aber die Suche läuft auf Hochtouren.

Apropos Lebensmittel: Gustavo Gusto wirbt damit, seine Pizzen mit regionalen Produkten zu belegen...

„Wir sind gerade dabei abzuklären, was alles unter Regionalität fällt. Ist regional nur aus dem Landkreis oder zählt ganz Bayern dazu? Wir haben hierbei noch keine Abgrenzung gefunden. Wir kaufen jedenfalls all diejenigen Lebensmittel in Bayern ein, die wir auch in Bayern bekommen können. Aber eben nicht alles: Thunfisch gibt es ja nicht im Starnberger See.“

Welche Lebensmittel kommen woher?

„Unser Mozzarella kommt beispielsweise aus Cham. Aber auch Mehl, Wurstwaren und unser Gemüse beziehen wir vorwiegend aus Bayern. Tomaten oder die Salame Piccante hingegen kommen aus Italien. Sie ist halt ein typisch italienisches Produkt, deswegen beziehen wir sie auch von dort. Auch das Thema Nachhaltigkeit schreiben wir groß – daher kommt unser Thunfisch von den Malediven. Dort wird jeder Thunfisch einzeln von Hand geangelt. Ganz ohne Beifang und Überfischung. All das bedeutet viel Arbeit und kostet auch mehr.

Zurück zu den Anfängen. Wann rollten Sie ihren ersten Pizzateig aus. Also starteten mit ihrem Unternehmen?

„Während meines Studiums habe ich mit einem Kommilitonen eine Pizzeria an der Uni als Studentenlokal im lockeren Ambiente aufgemacht. Wir starteten mit 15 Pizzen auf der Karte und bauten einen Holzofen ins Lokal. Sind auch durch Italien gefahren und haben dort Rezepte erforscht.“

Wie ging es weiter...?

„Irgendwann haben wir uns gefragt: Warum gibt es eigentlich keine Tiefkühlpizza, die wie eine richtige Pizzeria-Pizza schmeckt? Also haben wir monatelang intensiv gearbeitet, das italienische Geschmackserlebnis unserer Pizzen einzufrieren. 2014 ging´s richtig los – alles in Eigenregie: Kundenakquise, Bestellannahme, Produktion, Auslieferung. Dann sind wir zum Großhandel gekommen und konnten uns mehr auf Produktion und Vertrieb konzentrieren. Unser Durchbruch war, als der Einzelhandel hinzukam. Für diesen haben wir die Marke Gustavo Gusto entwickelt. Heute sind wir in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Dortmund vertreten und haben gerade in Schleswig Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg gestartet. Auch in Österreich sind wir bei Merkur erhältlich.“

Wie entstand eigentlich die Idee für eine Tiefkühlpizza?

„Wir wollten Pizzamobile einsetzen und Pizzen vor der Haustüre backen. Da nicht in jedem Pizzamobil ein Pizzabäcker sitzen kann, muss die Grundpizza zentral vorbereitet werden. Deshalb haben wir in Geretsried die Produktionsstätte angemietet. Und damit uns finanziell nicht die Luft ausgeht, haben wir zeitgleich Cafés, Bistros und Schwimmbäder mit fertigen Tiefkühlpizzen beliefert.“

Wie viel Pizzen stellen Sie am Tag her?

„15.000 Stück produzieren wir täglich. Davon gehen geschätzt 90 Prozent an den Einzelhandel und der Rest an den Großhandel wie Kantinen, Cafés, Schwimmbäder oder Bistros. Derzeit beliefern wir 2.300 Märkte, darunter Edeka und Rewe. In der Warteschleife befinden sich weitere Regionen mit rund 14.000 Märkten, die angefragt haben.“

Sie setzen in ihrem Unternehmen auf Automatisierung: also Roboter erledigen einen Großteil der Arbeit…

„Ja, aber unser Teig wird von Hand ausgerollt. Das Belegen erfolgt dann teilautomatisiert. Zukünftig soll die komplette Verpackungslinie mehr und mehr automatisiert werden: von der Folierung, Kartonierung, Stapelung der Kartons bis hin zur Palettenwicklung. Auch die Schritte, die noch von Hand gemacht werden, müssen optimiert werden.“

Was bedeutet das konkret?

„Dass die Teigkugeln zum Arbeiter, der diese ausrollt, automatisch hingebracht werden, und er sich den Teig nicht selbst holen muss. Das Produkt wird nicht besser, wenn es von Hand transportiert wird. Auch streut eine Maschine Zutaten wie Käse gleichmäßiger auf den Teig.“

Bedeutet Automatisierung nicht auch ein Rückgang an menschlichen Arbeitskräften?

„Momentan haben wir fünfzig Mitarbeiter, sind aber schon überlastet. Wir brauchen weiterhin jede Menge Personal. Einerseits Leute, die am Produkt arbeiten. Aber auch Techniker, die an den Maschinen arbeiten. Auch in der Produktion, dem Vertrieb und der Qualitätssicherung brauchen wir Verstärkung. Gerne nehmen wir jetzt schon Initiativbewerbungen entgegen.“

Wie groß sind die neuen Geschäftsräume auf dem ehemaligen Sieber-Gelände, das sie im Februar nun beziehen?

„Es ist eigentlich schon wieder zu klein (lacht). Das Areal hat 13.000 Quadratmeter Grund, die Halle darauf gute 3.000 Quadratmeter. Dazu kommt noch das Obergeschoss und eine zusätzliche Tiefkühlhalle, die gerade dahinter gebaut wird, mit Platz für 1.000 Paletten. Da brauchen wir definitiv mehr Personal. Ich schätze, dass weitere hundert Mitarbeiter dazukommen.“

Gibt ihr nach dem Umzug die jetzigen Räumlichkeiten in der Geretsrieder Spreestraße auf?

„Erst mal nicht. Und es ist auch fraglich, ob wir diesen Standort überhaupt aufgeben. Wir bleiben auf jeden Fall in der Region.“

Noch mal zum Sieber-Areal: Zuletzt in den Schlagzeilen, wegen den krank machenden Bakterien, auch Listerien genannt. Fürchten Sie sich nicht davor?

„Wir haben uns intensiv damit beschäftigt: Wir sind mit dem Landratsamt durch die Räumlichkeiten gegangen und haben alle Risiken besprochen. Dabei sind wir gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass es unbedenklich ist. Zumal das Gebäude komplett entkernt wurde und wir keinerlei Maschinen und Geräte übernehmen. Alles wurde gründlich gereinigt und desinfiziert. Außerdem sind Listerien für Pizzas kein Thema. Sie sterben bei 80 Grad ab. Unsere Pizzen werden bei 400 Grad vorgebacken und Zuhause nicht roh verzerrt, sondern noch mal aufgebacken.“

Das Gespräch führte  Daniel Wegscheider

______________________________________

Interessierte Arbeitnehmer für den Bereich Produktion, Vertrieb oder Qualitätssicherung bei Franco Fresco in Geretsried wenden sich per Initiativbewerbung an Jürgen Strasser, Personalleitung, via E-Mail: js@francofresco.com.

Auch interessant

Meistgelesen

Ein Europameister-Gürtel liegt auf dem Tisch
Ein Europameister-Gürtel liegt auf dem Tisch
Viel Chrom, viel Schnörkel
Viel Chrom, viel Schnörkel
Frischer Duft und alte Farben
Frischer Duft und alte Farben
Musiktalente rocken im Hinterhalt
Musiktalente rocken im Hinterhalt

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.