Für ein barrierefreies Impfen

Corona-Impfung für Menschen mit Behinderung stellt Fragen auf – Rollstuhlgerechte Impfzentren

Ein Mann im Rollstuhl.
+
Ohne Hürde: die Impfzentren im Landkreis sollen barrierefrei zugänglich sein. (Symbolbild)

Landkreis – Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts empfiehlt die Spritze mit einem zugelassenen Impfstoff gegen Covid-19. Bekanntermaßen werden Risikogruppen stufenweise bevorzugt.

Doch auf der sogenannten Priorisierungsempfehlung zeigt sich eine, die erst einmal nicht genau weiß wann sie an der Reihe ist – es sind die Menschen mit einer körperlichen Behinderung.

Ralph Seifert sitzt selbst im Rollstuhl. Derzeit fühlt er sich beim Thema Impfen verunsichert und etwas alleine gelassen. „Grundsätzlich ist es so, dass unsere Zielgruppe berücksichtigt wird“, sagt der Behindertenbeauftragte des Landkreises, und fügt ein „aber“ an: „Leider, ist in der Praxis da noch gar nichts passiert.“ Darum wendete er sich ans Landratsamt und bot seine Hilfe an. Seifert betont: „Die Allgemeinheit und besonders Zielgruppen sollten besser aufgeklärt werden. Keiner weiß wann er, wo hingehen kann. Jeder muss sich selbst informieren.“

Auf der STIKO-Empfehlung zur Corona-Impfung werden Menschen mit Behinderung nicht eigens aufgeführt. Lediglich an zweiter Position sind Personen in Institutionen mit einer Demenz, Down-Syndrom oder geistigen Behinderung gelistet. Wie wichtig eine zeitnahe Impfung für Menschen mit Behinderung allerdings sei, daraufhin verweist auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe in einer Mitteilung: „Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung haben ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung mit schwerem Verlauf durch Covid-19“. Daher fordern sie im Auftrag der Fachverbände für Menschen mit Behinderung einen schnelleren Impf-Zugang. „Um rasch eine Senkung an schweren Erkrankungen und Todesfällen herbeizuführen“ halten sie es für dringend notwendig, diese Zielgruppe in die höchste Prioritätsstufe einzuordnen.

Das sieht auch Landkreis-Behindertenbeauftragte so: „Ich bin kein Mediziner, aber insbesondere die Schwerbehinderten müssten, wie die 80-Jährigen zuerst geimpft werden.“ Seifert selbst ist vom Brustbereich abwärts gelähmt, sitzt seit 1999 nach einem schweren Motorradunfall im Rollstuhl. Gerade körperlich beeinträchtigte Leute thematisiere die STIKO nicht. „Sie werden nicht benannt und festgelegt.“

Auf Nachfrage beim Landratsamt, teilt dieses mit: „Menschen mit Behinderung fallen nicht pauschal in die eine oder andere Kategorie“. Heißt: „Es gibt keine allgemeingültige Antwort, wann sie geimpft werden.“ Entscheidend sei der Einzelfall, konkretisiert Pressesprecherin Sabine Schmid weiter. Ausschlaggebend sei der Pflegegrad und Vorerkrankungen, nicht das Alter. Demnach wäre jetzt etwa ein 30-Jähriger, der gepflegt wird und in einer Einrichtung lebe, „aktuell mit der Impfung dran, wenn Impfstoff vorhanden ist“. Bekanntermaßen warten derzeit die Impfzentren allgemein auf Vakzin, um zu starten.

Der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Ralph Seifert, fühlt sich beim Thema Impfen verunsichert und etwas alleine gelassen.

Seifert wird sich impfen lassen, sagt er. Wann der Behindertenbeauftragte jedoch an der Reihe ist, bleibt unklar. Bis dahin setzt er sich für einen barrierefreien Zugang in den Landkreisimpfzentren ein, damit Rollstuhlfahrer, Blinde und Hörgeschädigte diese problemlos nutzen können. Vonseiten des Landratsamtes wird dies zugesichert. „Das Tölzer Impfzentrum ist absolut barrierefrei“, sagt Schmid. Das zweite in Wolfratshausen, werde mit einem zusätzlichen Aufzug behindertengerecht ausgestattet. Zudem helfe der Sicherheitsdienst: „Wenn sie wissen, dass ein Rollstuhlfahrer kommt, wird der am Eingang abgeholt und ins Impfzentrum getragen.“

Für mehr Aufklärung wandte sich Seifert mit seinen Inklusionsfragen zur Priorisierung zudem an Holger Kiesel, dem Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung. Der wiederum beim Berliner Gesundheitsministerium nachfragen muss. Die Antwort steht noch aus.

Daniel Wegscheider

Lesen Sie hier auch etwas zum Impfstart im Landkreis.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Kommentare