„Kapazität ist ausgelastet“

Corona trotz Impfung: Was Ärzte der Asklepios und Kreisklinik Wolfratshausen berichten

Patient an einem Beatmungsgerät
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Trotz Corona-Impfung erkranken immer wieder ältere Menschen an Covid-19. Ihr geschwächtes Immunsystem und Vorerkrankungen tragen dazu bei.
  • Franca Winkler
    VonFranca Winkler
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Landkreis – Die Statistik der Corona-Infizierungen der vergangenen Tage zeigt: Die Inzidenzwerte steigen und auch vollständig geimpfte - zumeist ältere Personen erkranken schwer an Covid-19.

Warum das so ist, erklären Ärzte der Kreisklinik Wolfratshausen und Asklepios-Stadtklinik Bad Tölz: „Ältere Leute haben ein anderes Immunsystem“, erläutert Dr. Christoph Preuss, Oberarzt der Inneren Medizin in der Kreisklinik Wolfratshausen. „Sie bilden weniger Antikörper bei einer Impfung oder durch eine Erkrankung.“ Das habe die Untersuchung der vergangenen Ausbrüche in Altersheimen ergeben. Im Pflegebereich sei das Infektionsgeschehen ein Problem. Eine Test- und Impfpflicht für Besucher und auch Personal sei daher unumgänglich.

„Covid-Impfdurchbrüche bei vollständig geimpften Patienten mit schweren Verläufen sind aber weiterhin sehr selten und betreffen vor allem Patienten, deren Immunsystem etwa durch eine Chemotherapie oder eine dauerhafte Kortisonbehandlung geschwächt ist, oder die älter als 80 Jahre sind“, ergänzt Dr. Martin Schlott, Chefarzt der Intensivmedizin an der Asklepios Klinik in Bad Tölz. Eine Auffrischung der Impfung wird von der Ständigen Impfkommission für Menschen ab 70 Jahren empfohlen. Gleiches gilt zum Beispiel für Mitarbeiter mit direktem Kontakt zu betreuten Personen in Pflegeeinrichtungen.

Auf den Covid-Stationen der Kliniken sieht es derzeit so aus: „Viele Personen in stationärer Behandlung haben keine vollständige Impfung“, erläutert Preuss. „Lag der Median der hospitalisierten Patienten in der zweiten Welle noch bei 77 Jahren, liegt er nun bei 48 Jahren. Das heißt, die Hälfte der Krankenhauspatienten ist nun jünger als 48 Jahre“, sagt Schlott.

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: lediglich ein freies Intensivbett

Genau die Altersgruppe von 25 bis 60 Jahren habe zumeist viele Kontakte und damit ein reales Risiko schwer zu erkranken. Es sei entscheidend, dass die Impfbereitschaft hoch bleibt.

Nach wie vor das Mittel Nummer eins gegen Covid: Eine Impfung.

„Auch wenn bei der aktuellen Delta Variante ein Restrisiko von etwa zehn Prozent verbleiben, an Covid zu erkranken, ist eine Impfung wichtig“, appelliert Oberarzt Christoph Preuss, der Kreisklinik Wolfratshausen. Das sieht auch der Chefarzt der Asklepios Klinik, Dr. Martin Schlott, so: „Untersuchungen zeigen, dass geimpfte Personen im Falle einer Erkrankung in der Regel nur leichte Symptome aufwiesen oder häufig gänzlich symptomlos blieben.“

Schwerer Coronaverlauf bei Ungeimpften

Treffe das Virus allerdings einen bislang völlig ungeimpften Patienten, der zudem unter entsprechenden Vorerkrankungen leidet und dadurch ein geschwächtes Immunsystem hat, ist die Wahrscheinlichkeit eines sehr schweren oder gar tödlichen Verlaufs sehr hoch. Ein vollständiger Impfschutz biete einen hohen Schutz vor allem vor schweren Covid-Verläufen. Nur so kann es gelingen, „die Pandemie zu überwinden und die gewonnenen Freiheiten im Alltag weiter aufrecht zu erhalten“, betont Schlott.

Die Corona-Ampel der Bundesregierung steht noch auf „grün“, das heißt die Gesamtbelastung der Kliniken in Deutschland hat ihre Belastungsgrenze noch nicht erreicht. In manchen Regionen schaut dass etwas anders aus: Aktuell beträgt die Gesamtanzahl an freien Intensivbetten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen etwas über vier Prozent. Das entspricht genau einem Bett. (Quelle: DIVI, Stand 21. Oktober) „Die Intensiv-Kapazität wurde zum Glück in der Kreisklinik Wolfratshausen bereits vor der Pandemie erhöht“, so Preuss. „Dennoch ist nun unsere Kapazität ausgelastet.“ Die Pflege eines Covid-Patienten auf der Intensivstation bedeutet eine 1:1 Betreuung. Das heißt, „in kompletter Schutzkleidung ist immer jemand bei dem Patienten. Das wirkt auch psychisch“, berichtet Preuss.

Ärzte appellieren: „Schützt andere mit einer Impfung“

Nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für das Pflegepersonal ist es eine Belastung. Gleichaltrige mit schweren Verläufen rund um die Uhr zu pflegen zerrt an den Nerven. Neben dem intensiven Aufwand an Pflege darf noch dazu kein Familienmitglied den Patienten besuchen, geschweige denn im Todesfall Abschied nehmen. Auch das ist ein belastender Zustand für das Pflegepersonal. „Die Mitarbeiter haben damit zu kämpfen“, sagt Schlott und appelliert an die junge Generation: „schützt euch und andere mit einer Impfung.“

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