Liebe im Lockdown gefunden

Daniela und Dieter Eder feiern Hochzeit im kleinen Kreis

Daniela und Dieter Eder
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Lernten sich am Bahnhofskiosk kennen und lieben: Daniela und Dieter Eder vor dem Wolfratshauser Standesamt.

Wolfratshausen - Ihr Bahnhofskiosk gilt nicht nur für Taxi- und Busfahrer als beliebter Treffpunkt. Daniela Eder, geborene David, begrüßt hier Menschen aller Alters- und Berufsgruppen. Dass sie ausgerechnet während des Lockdowns dort ihre große Liebe fand, verwundert dennoch.

Die Verhängung des ersten Corona-Lockdowns im März hat viele Beziehungen und Ehen vor Herausforderungen gestellt. Manch Verbindung ging in die Brüche, weil die Partner angesichts von Home-Office, Beengtheit oder der fortwährenden Aufsicht ihrer Kinder aneinandergerieten. Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele: Daniela Eder lernte am von ihr gepachteten Bahnhofskiosk einen Kunden kennen, den sie am 14. Dezember am Wolfratshauser Standesamt heiratete.

„Als wir uns das erste Mal sahen, waren wir beide noch liiert“, verrät die 39-Jährige. Vor etwas mehr als drei Jahren übernahm sie den Kiosk am Wolfratshauser S-Bahnhof. Dank ihrer offenen und herzlichen Art entwickelte sich der Laden mit seinem kleinen vorgelagerten Garten zu einem beliebten Treffpunkt für Taxi- und Busfahrer, die nach wie vor gerne auf eine Kaffee- oder Zigarettenpause vorbeikommen. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie feierten manche Gäste dort sogar bei Bier, Brezen, Fleischpflanzerl und Weißwürsten ihren Geburtstag. Dieter Eder, der 2017 aus dem Landkreis Freising nach Wolfratshausen zog, gefiel dieses niedrigschwellige Ambiente. „Als es mir in meiner vorherigen Beziehung einmal schlecht ging, hat er mir ohne Hintergedanken die Schlüssel zum separaten Eingang eines Gästezimmers in seinem Reihenhaus gegeben“, erinnert sich die Kiosk-Inhaberin. Ende April passierte dann das, was die beiden nicht für möglich hielten. Trotz eines respektablen Altersunterschiedes von 23 Jahren verliebten sich Daniela und Dieter Eder ineinander und beendeten ihre vorherigen Beziehungen. „Ihre Lebensfreude und Spontanität haben mich von Anfang begeistert“, gesteht der Logistikleiter eines Pharmaunternehmens. Er selbst wird dagegen von Freunden eher als ruhig und zurückhaltend beschrieben. Nach dem Ende des ersten Lockdowns unternahm das Paar einige Wochenendausflüge nach Südtirol. Dort fand auch die Verlobung statt. Die Hochzeit folgte am 14. Dezember. Aufgrund der strengen Kontaktbeschränkungen konnte die „Feier“ nur mit Eders 93-jähriger Mutter, einem Trauzeugen und einem Koch stattfinden.

Daniela Eder hofft nun darauf, dass neben ihrem privaten Glück auch ihr Bahnhofskiosk bald wieder floriert. Denn seit dem 2. November dürfen ihre Gäste, die sie liebevoll ihre „Kioskpatientenfamilie“ nennt, dort keine alkoholischen Getränke mehr konsumieren. „Das ist schade, denn vom Zeitungs- und Tabakverkauf kann der Kiosk wirtschaftlich nicht überleben“, gesteht Eder. Kunden, die ihr Bier unvorsichtigerweise vor dem Kiosk getrunken hatten, hatte die Polizei bereits Geldbußen in Höhe von bis zu 500 Euro angedroht. Wer die Kioskinhaberin jedoch kennt, weiß, dass sie auch diese berufliche Krise meistern wird.

Peter Herrmann

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