Im Norden besser als im Süden

Das sagt das forstliche Gutachten über die Wälder im Tölzer Landkreis aus

Ein Misch-Bergwald, hier im winterlichen Kleid.
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Ein Misch-Bergwald, hier im winterlichen Kleid, ist ideal zum Schutz der Täler.
  • VonFridolin Thanner
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Landkreis – Die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens liegen vor: Es zeigt ein geteiltes Bild im Landkreis.

Die Ergebnisse des aktuellen forstlichen Gutachtens liegen vor. Es zeigt für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen kein einheitliches Bild. Im Norden schaut es wohl besser aus mit der Waldverjüngung. Das teilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen mit, das die Ergebnisse des Gutachtens mit Vertretern der Waldbesitzer vorstellte.

„Mit dem forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung erhebt die Forstverwaltung den Zustand der Waldverjüngung, bewertet diese und stellt damit die fachliche Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit und die kommende Abschussplanung bereit“, erklärt Christian Webert, Behördenleiter am AELF Holzkirchen.

Ergebnis ist zweigeteilt

Das forstliche Gutachten wird im dreijährigen Turnus erstellt. Um herauszufinden, wie es der jungen Waldgeneration im Landkreis geht, haben die Mitarbeiter der Forstverwaltung im Frühjahr mehr als 34.000 junge Bäume untersucht. Das Ergebnis ist zweigeteilt. „Im Norden des Landkreises sieht es besser aus als im Süden“, fasst Webert zusammen.

Dort leide vor allem der Bergwald zwischen Lenggries und Kochel unter hohen Wildbeständen, teilt das AELF mit. „Zu viele Rehe, Hirsche und Gamsen fressen die Knospen von Bäumen wie der Tanne oder dem Ahorn.“ Gerade die Baumarten, die für die Stabilität des Waldes in Zeiten des Klimawandels sehr wichtig sind, werden besonders gerne verbissen, schreibt die Behörde weiter.

Gemeinsam für den Wald von morgen: (v.l.) Johann Killer (Vorsitzender WBV Wolfratshausen), Heinz Repert (Jagdkreisgruppe Wolfratshausen) und Christian Webert, AELF-Leiter in Holzkirchen.

„Aus einem vielfältigen jungen Mischwald wird bei zu hohen Wildbeständen schnell ein reiner Fichtenwald“, erklärt Johann Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen.

Er ist überzeugt: „Nur mit Wildbeständen, die an den Wald angepasst sind, werden stabile und artenreiche Wälder entstehen, die auch in Zukunft die notwendigen Leistungen für die Gesellschaft und die Waldbesitzer erbringen können.“ Im Bergwald reichen diese vom Lawinen- bis zum Hochwasserschutz.

Widerstandsfähiger gegen Klimawandel und Witterungsextreme

„Das Ziel von Jägern und Waldbesitzern muss es sein, durch Schaffung waldverträglicher Wildbestände eine natürliche Erneuerung des Bergwaldes zu ermöglichen, ihn damit widerstandsfähiger gegen Klimawandel und Witterungsextreme zu machen und so eine lebenswerte Umwelt für die nächste Generation zu hinterlassen“, bekräftigt Alex Mayr, Vorsitzender der WBV Holzkirchen.

Insgesamt, teilt das AELF Holzkirchen mit, habe der Verbiss im Bergwald im Vergleich zum Gutachten von 2018 erfreulicherweise leicht abgenommen, die Entmischung finde aber weiterhin auf großer Fläche statt.

Auch im Norden, wo es dennoch besser aussieht. In den Wäldern um Eurasburg, Münsing und Egling wächst in den meisten Jagdrevieren ein junger Mischwald heran, ohne vom Wild zu stark verbissen zu werden. „Jedoch gibt es Bereiche zwischen Königsdorf und Beuerberg, wo der Verbissdruck zu hoch ist“, heißt es in der Mitteilung.

Hier nehme die Vielfalt ab, übrig bleiben Baumarten, die den Wildtieren weniger schmecken wie etwa Fichte oder besonders häufig die Buche.

Ausgewogenes Verhältnis von Wald und Wild

„Den meisten unserer Jäger ist bewusst, wie wichtig Wald und Waldbewirtschaftung sind und sie wollen ein ausgewogenes Verhältnis von Wald und Wild“ stellt Heinz Repert, kommissarischer Vorsitzender der Jagdkreisgruppe Wolfratshausen fest. „Wie die Ergebnisse der forstlichen Gutachten zeigen, schaffen wir das durch unsere hervorragende Zusammenarbeit auch in den meisten Fällen.“

AELF-Leiter Webert ergänzt: „In einigen Revieren hat sich die Verbisssituation im Vergleich zum letzten Gutachten verbessert, in nur wenigen verschlechtert. Eine positive Entwicklung ist also möglich.“

Dafür müssten alle Beteiligten konstruktiv zusammenarbeiten. „Für Jagdpächter und Grundbesitzer bietet das forstliche Gutachten zusammen mit den revierweisen Aussagen eine fundierte Grundlage, um einen gesetzeskonformen Vorschlag für den Abschussplan im kommenden Frühjahr zu erstellen“, erklärt Webert.

Die Gutachten der Hegegemeinschaften sowie die Datengrundlagen des Gutachtens sind auf der Homepage des AELF Holzkirchen (https://www.aelf-hk.bayern.de/) einsehbar.

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