„Das Geduld-Haben wurde strapaziert“

Dekan Gerhard Beham gehen die Angebote der religiösen Bildungsarbeit ab

Pfarrer Beham
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Pfarrer Gerhard Beham lässt die Dinge gern auf sich zukommen.

Landkreis – Gleich zu Beginn des neuen Jahres lassen wir Persönlichkeiten aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu Wort kommen. Im Gespräch berichtet Pfarrer Gerhard Beham von der Stadtkirche Wolfratshausen über sein „besinnliches und nervenaufreibendes“ Jahr.

In der Reihe „Wie geht‘s..?“ fragen wir Landkreis-Persönlichkeiten, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie das Jahr 2020 beschreiben und in einem Satz erläutern warum?

„Besinnlich, kreativitätsfördernd und nervenaufreibend: Der Lockdown hat viele Menschen zur Besinnung gebracht, was wesentlich und unverzichtbar ist für das eigene Leben und worin einer verankert bin. Gleichzeitig wurde viel an Kreativität geweckt, wie wir trotz Abstand auf andere Weise in Kontakt zueinander kommen und uns Nähe schenken können. Weil die ‚gesunde‘ Routine in vielen täglichen Abläufen fehlt, war und ist es nach wie vor oft nervenaufreibend.“

Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt: berichten Sie…

„Geduld-Haben und das Warten-Können wurden sehr strapaziert – auch das Wechselspiel zwischen Vertrauen und Angst. Im Sommer habe ich eine große Leichtigkeit gespürt – durch das Aufblühen der Natur als Zeichen der Hoffnung und vor allem durch das Wiedersehen vieler Freunde.“

Welche Nachteile hat ihnen die Corona-Pandemie eingebracht?

„Materiellen Schaden habe ich nicht zu beklagen. Aber ich leide als Pfarrer unter den notwendigen Einschränkungen des kirchlichen Lebens: Zum Beispiel sind Jugendfreizeiten, größere Versammlungen und jegliches Fest unmöglich. Angebote, die ich in der religiösen Bildungsarbeit gerne setze, müssen ausfallen.“

Können Sie aus der Krise auch etwas positives für sich herausziehen?

„Es war und ist nach wie vor eine gute Übung, Geplantes loslassen zu müssen, ohne in Lethargie oder Passivität zu verfallen. Für mich als Priester wurde umso klarer erfahrbar, dass mich das regelmäßige Gebet stabilisiert und ich darin eine Tagesstruktur habe, die nicht bröckelt, wenn ansonsten alle Termine gestrichen werden müssen. Die Einsicht: ‚Hältst du die Ordnung, dann hält die Ordnung dich!‘ ist für mich auch eine Glaubenswahrheit.“

Gibt es ein spezielles Erlebnis, dass sie persönlich geprägt hat?

„Sehr schön war der Anruf eines Freundes nach Ostern, als uns eine weitere Kontaktperson erlaubt wurde. Er fragte mich, ob ich diese für ihn sein wolle und jede Woche mit ihm eine dreistündige Wanderung in der Nähe unternehmen möchte: Das haben wir bis Mitte Juni so durchgehalten mit guten Gesprächen unterwegs und vielen frohmachenden Eindrücken.“

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

„Die größte Herausforderung wird es sein, aus dem Loch der Angst herauszukommen, zu einem gesellschaftlichen Leben zurückzukehren und zugleich die unterschiedlichen Reaktionen auf die Pandemie bei den Mitmenschen im Nachhinein nicht zu bewerten. Jeder ist nun mal seelisch anders gebaut. – Es wäre schön, wenn die Erfahrung des Verzichts in diesen Monaten uns dauerhaft im Bewusstsein bliebe und sich die verbreitete Mentalität, immer alles zu jeder Zeit haben zu können, wandeln würde.“

Wie sehen Ihre konkreten Pläne für 2021 aus?

„Ich lasse die Dinge auf mich zukommen. Es stehen bei mir keine äußeren Veränderungen an. Ich hoffe, meine ‚work-life-balance‘ halten zu können und vertraue weiterhin auf Gott, der mich bisher durch alle Lebenssituationen geführt hat.“

Die Fragen stellte Daniel Wegscheider

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