„Dialogforum Wohnen“ der Stadt mäßig besucht

Hat Einfamilienhaus ausgedient?

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Wie sieht künftig Wohnen in Bad Tölz aus? Damit befasste sich das Dialogforum im Sitzungssaal des Rathauses.

Bad Tölz – „Lieber eine eigene Wohnung als kein eigenes Haus!“ Auf neue Ansätze bei der Schaffung von Wohnraum will sich Stadtrat und AG-Wohnen-Mitglied Franz Mayer (Grüne) einlassen.

Die Arbeitsgruppe „Wohnen in Bad Tölz“ hatte am Donnerstagabend ins Rathaus eingeladen, um ihre Arbeit zu präsentieren. Ihr gehören neben Stadträten auch Vertreter der Verwaltung an. Allein der große Sitzungssaal füllte sich neben den Verwaltungsmitarbeitern lediglich mit etwa 20 Besuchern.

Wohnraum ist knapp in Bad Tölz. Eine Vision „bezahlbarer Wohnraum für Einheimische“ hat die Stadt bereits seit längerem. Auch wenn die Stadt im Mietwohnungsbau (Osterleite, Kohlstattstraße) aktiv geworden ist – passiert sei zu wenig, räumte Vize-Bürgermeister Andreas Wiedemann ein. Dabei steige der Wohnraumbedarf im Gegenzug zum Angebot stetig. Viele, die hier geboren sind, möchten gerne in ihrer Heimat bleiben, finden aber keinen geeigneten Wohnraum. Hinzu kommt der Druck von außen. Bad Tölz ist bei Zuzüglern beliebt.

Doch wie soll man an bezahlbaren Wohnraum kommen in solch einer hochpreisigen Gegend? Und was kann die Stadt dazu beitragen? Laut Wiedemann „eine der größten Herausforderungen“. In den vergangenen zehn Monaten hatte sich die AG auch damit beschäftigt, eine Zielgruppe zu definieren: „Einheimische, und vor allem einheimische Familien“, erörterte Michael Lindmair (FWG). Moderator City-Manager Falko Wiesenhütter ergänzte, es sei „nicht unser Ziel, Münchner anzulocken.“

„Wir können nicht jedem die Wohnung oder das Haus zur Verfügung stellen, das er sich vorstellt“, machte Ingo Mehner (CSU) klar. So auch beim aktuellen Bauprojekt „Hintersberg II“. Rund 25 bis 30 Familien sollen auf der 2,4 Hektar großen „Zwickerwiese“ ein Zuhause finden. Hier wird die Stadt aktiv und nutzt die „ZoBoN-Satzung“ (Zukunftsorientierte Bodennutzung), kauft ein Drittel der Fläche und entwickelt sie für Familien.„Einfamilienhäuser soll es dort oben nicht geben, so wie wir es diskutiert haben“, rückte Franz Mayer wieder die Ideen der Arbeitsgruppe in den Vordergrund. Doppelhaushälften, Reihenhäuser und Wohnungen – so sähe die Zukunft auf der „Zwickerwiese“ eher aus. Auch Lösungen wie Erbpacht seien möglich. „Bisher ist es keine Tradition bei uns“, wie Ingo Mehner zum Thema Gemeinschaftsbau meinte: „Wir haben‘s nicht probiert.“ Vorstellbar seien aber auch WGs, bei denen sich mehrere Familien ein Grundstück teilten. Über solche neuen Wohnformen nachzudenken, sei in der Verantwortung der Stadt, meinte Gerhard Grasberger in der anschließenden Diskussionsrunde. In der Vision 2030 habe man sich dazu im Rahmen des sozialen Wandels verpflichtet, erinnerte er. Mindestens fünf unterschiedliche neue Wohnformen gebe es. In einem nächsten Schritt sollen Vergabekriterien definiert werden, nach denen Bewerber für die Grundstücke am „Hintersberg II“ ausgewählt werden. Keine einfache Aufgabe, vor allem wegen der geänderten EU-Vorgaben, denen Kommunen sich bei solchen Einheimischenprojekten gegenüberstehen sehen. Politikwissenschaftler und Fachanwalt Matthias Simon zeigte in seinem Vortrag vor allem für die Verwaltungsmitarbeiter Möglichkeiten und Grenzen auf, wie Einheimische bei dem aktuellen Wohnprojekt berücksichtigt werden können. Kriterien: Anzahl und Alter der Kinder, der Ort des Arbeitsplatzes sowie die Zeit, wie lange man bereits in der Stadt lebt. Per Bedarfserhebung wollen sich Arbeitsgruppe respektive Stadt ein Bild machen, wie man in Zukunft in der Kurstadt leben will. Wie auch immer diese ausfallen wird, der Traum vom Tausend-Quadratmeter-Grundstück für eine einzige Familie wird vermutlich ausgeträumt sein.ob

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