Bad Tölz als Marke erkennen

Die Stadt will mit neuer Strahlkraft Unternehmer und Urlauber anziehen

Bad Tölz - hier der Blick aufs Winzerer-Denkmal - will wie Sylt oder Kitzbühel eine attraktive Marke werden.
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Bad Tölz - hier der Blick aufs Winzerer-Denkmal - will wie Sylt oder Kitzbühel eine attraktive Marke werden. Das Nürnberger Unternehmen Brandtrust soll eine Stadtmarke entwickeln.

Bad Tölz – „Für was steht Bad Tölz?“: Diese rhetorische Frage stellte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) am Dienstag in der Stadtratssitzung, als es um den Punkt „Markenprozess für die Stadt Bad Tölz“ ging.

Damit wurde – gegen die Stimme von Johannes Gundermann (Grüne) – ein vorerst 54.000 Euro teurer Markenprozess eingeleitet, der in den kommenden Jahren aber noch erheblich höhere Kosten nach sich ziehen könnte, beispielsweise beim Thema Fremdenverkehr für die Neugestaltung von Prospektmaterial, Aktualisierung der Webseiten und Geschäftsausstattung.

Die städtische Wirtschaftsförderin Sandra Kern erläuterte, dass man eine Stadtmarke brauche, um sich im Wettbewerb mit anderen Kommunen strategisch zu positionieren. Durch möglichst attraktive Markenmerkmale sollen sich die Bürger mit ihrer Stadt identifizieren können, Unternehmer und Investoren hier ansiedeln, Fachkräfte sollen sich Tölz als Wohnort aussuchen und Tagestouristen zwischen München und den Alpen hier eine attraktive Destination für Erholung finden.

Allerdings kann eine Marke nur dann eine positive Strahlkraft nach außen entfalten, wenn sie von allen hier Ansässigen mitgetragen wird. Deshalb wurde bereits eine Kommission gegründet aus den beiden Bürgermeistern, vier Stadtratsmitgliedern sowie vier Verwaltungsmitarbeitern. Die hörten sich an, was entsprechende Dienstleister zu bieten hatten.

Wie Bürgermeister Ingo Mehner am Mittwoch bekannt gab, wurde am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung der Auftrag an das Nürnberger Unternehmen Brandtrust GmbH vergeben. Die nächste Schritte sind ab März eine Auftaktveranstaltung, Befragungen, Workshops sowie im Juli die Präsentation der Ergebnisse. Allerdings zeigte sich Kern in der Sitzung skeptisch, ob man angesichts der Corona-Situation den Zeitplan werde halten könne.

In der Stadtratsdiskussion schlug Johanna Pfund (Grüne) eine zusätzliche Stadtratsklausur vor und Gabriele Frei fand es gut, dass sich die Sportstadt, die auch für Familien und Senioren attraktiv sei, neu aufstellen wolle.

Im Nachgang zu Sitzung erläuterte Kämmerer Hermann Forster, dass der jetzt angestoßene Markenprozess mehr sei als das vor vielen Jahren diskutierte Leitbild. Mehner ist überzeugt: damit gelingt es, bislang brach liegende Gewerbekomplexe für Investoren und den Handel in der Innenstadt attraktiver zu machen. Es gelte, Einkaufswillige aus umliegenden Städte nach Tölz zu bringen, um dem derzeit gebeutelten Einzelhandel zu unterstützen.

Von kostenlosen Parkplätzen, die oft gefordert werden, hält Mehner nichts: „Die werden nur von den Einheimischen genutzt.“ Auch gelte es, Errungenschaften wie die neue Boulderhalle oder das Bergwachtzentrum auf der Flinthöhe besser ins Bewusstsein zu rücken. Zudem ist er zusammen mit den Mitarbeitern in der Verwaltung überzeugt, dass der Blick von außen nötig sei, um die Tölzer Stärken besser erkennen zu können. Karl Bock

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