„Ich bin ein positiver Mensch“

Die Vorsitzende des Kulturvereins hofft auf mehr Planungssicherheit für die Kunstszene

Die Lachyogatrainerin Jeanette Stahlberg.
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Talent mit Humor: Jeanette Stahlberg ist engagiert im Kulturverein Lust und Lachyoga Trainerin.

Bad Tölz – Gleich zu Beginn des neuen Jahres lassen wir Persönlichkeiten aus dem Landkreis Bad Tölz- Wolfratshausen zu Wort kommen. Im Gespräch berichtet Jeanette Stahlberg, Vorsitzende des Tölzer Kulturverein Lust.

In der Reihe „Wie geht‘s..?“ fragen wir Landkreis-Persönlichkeiten, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie das Jahr 2020 beschreiben und in einem Satz erläutern warum?

„Ungewiss, entschleunigt, dankbar. Mein Jahr ging ganz normal los. Im März wollte ich eine größere Reise machen nur wurde dann ungewiss ob ich sie überhaupt antreten kann. Nachdem es Ende März den Lockdown gab kam es zu dieser Reise nicht mehr. Durch den Lockdown erfolgte zwangsläufig eine Entschleunigung. Ich hatte von jetzt auf gleich ganz viel Zeit für mich! Muße, Ruhe aber auch Ungewissheit wie es weiter geht.“

Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt: berichten Sie…

„Ich bin Vorstand im Kulturverein Lust e.V. und dort gab es einige Herausforderungen. Das neue Theaterstück der „Theatergruppe der Lust“ stand kurz vor der Premiere und musste einen Tag vorher abgesagt werden. Wir konnten uns nicht mehr zu unseren Sitzungen treffen. Schweren Herzens mussten wir alle Termine der Künstler verschieben. Mit einem Hygienekonzept wollten wir unsere Veranstaltungen ab November wieder aufnehmen, doch dann kamen erneute Einschränkungen. Bis heute gibt es keine Planungssicherheit. Alles ist auf Eis gelegt. Im Hintergrund sind wir dennoch aktiv. Es gibt demnächst einen Mitschnitt von drei Abenden zum 10jährigen Jubiläum vom Leonhardiabend in der Lust. Die Einnahmen gehen an die Künstler.“

Welche Nachteile hat ihnen die Corona-Pandemie eingebracht?

„Ich bin seit 2009 Lachyoga Trainerin in Bad Tölz. Ich habe sozusagen von 2009-2020 durchgelacht. Bis heute habe ich in dem Bereich als Seminarleiterin keine Einkünfte mehr. In meinem Hauptberuf als Kosmetikerin bei einem Dermatologen habe ich die ersten sechs Wochen Urlaub und Überstunden genommen und dann war der strenge Lockdown auch schon vorbei.“

Können Sie aus der Krise auch was positives für sich herausziehen?

„Ich musste mich an die ganze Situation erst einmal gewöhnen. Bald habe ich entschieden auch nur noch einmal am Tag die Nachrichten zu schauen und mich auch sonst nicht negativ beeinflussen zu lassen. Ich bin ein positiver Mensch und habe Gottvertrauen! Des wert scho wieder… Mir gefällt, dass die Menschen kreativ sind und viele das Beste aus der Situation machen. Ach ja, und ich hab mehr Sport gemacht als sonst. Also keine Corona Wampe.“

Gibt es ein spezielles Ereignis/Erlebnis, dass sie persönlich geprägt oder beeinflusst hat?

„Ganz spannend fand ich, dass wenn man sich antizyklisch im Oberland bewegt hat: ohne viele Menschen, wenig Autos und teilweise war es ganz still. Und ich war so dankbar für das schöne Wetter. Ich habe alles noch intensiver wahrgenommen... Ich hatte ja Zeit. Und dann gab es noch ein sehr schönes gemeinschaftliches Erlebnis: Meine Freundin und ich haben in der Häusergemeinschaft organisiert, dass wir jeden Tag 18 Uhr gemeinsam singen. Das haben wir freudvoll durchgezogen bis die Geschäfte wieder geöffnet hatten. Vom Balkon/Fenster und aus dem Garten. Wir haben die „Ode an die Freude“ gesungen und jetzt Weihnachtslieder. Meistens hatten wir auch noch instrumentale Begleitung. Das war wirklich ein sehr besonderes Erlebnis.“

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

„Ich glaube, es wird wieder bergauf gehen. Hoffentlich mussten nicht zu viele kleine Bühnen, Geschäfte, Restaurants, Bars schließen weil das Geld ausgegangen ist. Die Herausforderung ist, das es immer noch keine Planungssicherheit gibt.“

Wie sehen Ihre konkreten Pläne für 2021 aus?

„Ich möchte das soziale und kulturelle Leben wieder in vollen Zügen genießen. Und wieder Menschen umarmen.“

Die Fragen stellte Daniel Wegscheider

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