Vorbestrafter Geretsrieder wird zu Geldstrafe verurteilt

Diebstahl im Supermarkt

Justitia-Statue
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Der Rechtsanwalt plädierte vergeblich auf Schuldunfähigkeit und Freispruch.

Geretsried – Weil er im März 2019 eine Temperaturstation in seine Jackentasche schob und an der Kasse eines Supermarktes das Zahlen „vergessen“ hatte, erhielt ein mehrfach vorbestrafter Rentner einen Strafbefehl in Höhe von 2.000 Euro. Dagegen legte er nun Einspruch ein und konnte die Strafe auf 800 Euro reduzieren.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten plädierte auf Schuldunfähigkeit, weil sein Mandant seit 2017 unter Betreuung steht und unter „erheblichen Einschränkungen im kognitiven Bereich“ leidet. An den Vorfall, der sich am 15. März 2019 in einem Supermarkt an der Jeschkenstraße in Geretsried ereignete, konnte sich der Beschuldigte indes schon noch erinnern.

„Ich hatte keine Tasche dabei und habe die Temperaturstation deshalb in meine Jacke gesteckt. Dann traf ich kurz vor der Kasse einen ehemaligen Arbeitskollegen und habe mich so lange mit ihm unterhalten, dass ich vergessen habe, die Temperaturstation auf das Kassenband zu legen“, behauptete der Rentner. Einem Mitarbeiter fiel zuvor nicht nur das auffällige Verhalten des 67-Jährigen auf. „Im Regal lag eine leere Verpackung der Ware, die er später eingesteckt hat“, sagte er aus. Zudem soll sich der Mann mehrmals umgeschaut haben. Gezahlt hat er an der Kasse nur vier kleine Likörflaschen. Der Verkaufspreis der Temperaturstation betrug 9,99 Euro.

Die Staatsanwältin und Richter Helmut Berger hatten keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten, zumal dessen Vorstrafenregister lang ist. Von 1970 bis 2015 wurde der Geretsrieder mehrmals wegen Bestechung, Trunkenheit im Verkehr, Beleidigung, Diebstahl und Körperverletzung verurteilt. Aufgrund seiner niedrigen Rente empfahl die Staatsanwältin jedoch eine Reduzierung der ursprünglich im Strafbefehl vorgesehenen Geldbuße, die sich auf 50 Tagessätze zu je 40 Euro – insgesamt 2.000 Euro – belief.

Richter Helmut Berger folgte ihrem Vorschlag und verurteilte den Mann zur Zahlung von 40 Tagessätzen zu je 20 Euro, sodass der Angeklagte nun 800 Euro zu zahlen hat. „Es liegt allenfalls eine verminderte Schuldfähigkeit vor“, erklärte Berger. Der Rechtsanwalt plädierte vergeblich auf Schuldunfähigkeit und Freispruch.

Peter Herrmann

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