Ruhe aus der Stille der Bäume

Erster Bestattungswald im Landkreis: „Waldruh“ in Dietramszell eröffnet

Waldruh Friedhof
+
Blick auf den idyllischen Waldweiher: im offenen Andachts-Pavillon wurde der Bestattungswald „Waldruh“ feierlich eröffnet.

Dietramszell – Großes Interesse fand die Eröffnung des ersten Bestattungswalds südlich von München, der ersten Einrichtung dieser Art im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. In dem Waldstück am Dietramszeller Waldweiher können nun Menschen ihre letzte Ruhe im Wald finden.

Der evangelische Dekan Martin Steinbach betonte bei der Feierstunde: „Ich wünsche, dass an diesem schönen und besonderen Ort, die Stille der Bäume auch in die Köpfe der Trauernden einzieht.“ In dem Waldstück am Dietramszeller Waldweiher können nun Menschen ihre letzte Ruhe im Wald finden.

Seit dem Jahr 2016 verfolgt die Familie von Schilcher die Pläne ihren Bestattungswald „Waldruh“ einzurichten. Dem standen, wie Bürgermeister Josef Hauser berichtete, diverse bürokratische Hürden im Weg. Selbst der Flächennutzungsplan der Gemeinde musste dazu geändert werden. Der Rathauschef, der erst seit Mai im Amt ist, fügte an, dass die Hauptarbeit hierzu von seiner Vorgängerin Leni Gröbmaier geleistet wurde. Die Ex-Bürgermeisterin konnte allerdings an der Eröffnung wegen eines kurzfristig anberaumten OP-Termins selbst nicht teilnehmen. Da in Bayern Friedhöfe nicht in privater Hand sein dürfen, kam es nun zu folgendem Konstrukt: Die Gemeinde pachtete das Gelände zuerst von der Familie von Schilcher bis zum Jahr 2099, um es dann wieder an die von Schilcher’sche Forst- und Gutsverwaltung zum Betrieb des Bestattungswalds zu übergeben. Hauser betonte: „Auch wenn so eine Einrichtung eher selten ist, ist diese doch gut gelungen. Es ist ein schöner Ort entstanden, wo man hingehen kann, um seinen verblichenen Angehörigen nahe zu sein.“

Renate Dietz vom „Team Waldruh“ erklärte in der Feierstunde beim hölzernen, offenen Andachtspavillon, dass hier alle Menschen ohne Rücksicht auf ihre Religion, Hautfarbe oder Herkunft bestattet werden können. Der jeweilige Baum biete dazu eine natürliche Ruhestätte, wobei lediglich eine kleine Gedenktafel an den Verlust eines geliebten Menschen erinnere. Ohne regelmäßigen Pflegeaufwand lebt so auch der natürliche Mischwald weiter.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von den Dietramszeller Bläsern, ehe die beiden Dekane, der evangelische Martin Steinbach sowie sein katholischer Amtskollege Thomas Neuberger die Anwesenden zu einem gemeinsamen Vater unser einluden und schließlich der „Waldruh“ auch den kirchlichen Segen spendeten.

Letztlich pflanzten noch Juliet und Fabian von Schilcher sowie Renate Dietz und Josef Hauser gemeinsam einen Urwelt-Mammutbaum. Ewald Scheitterer

Preise je nach Lage, Alter und Größe der Bäume

Der Bestattungswald „Waldruh“ in Dietramszell: Auf rund acht Hektar Fläche sind derzeit 300 Bäume für Bestattungen markiert. Es gibt dort zwei Baum-Kategorien: den Familien- oder Freundschaftsbaum. Hier können bis zu zwölf Urnen bestattet werden. Die Pachtkosten der Gruppenbäume bis zum Jahr 2099 liegen zwischen 3.900 und 9.500 Euro. Für den sogenannten Einzelplatz, hier sind bis zu zwei Urnen möglich, werden für 25 Jahre Pachtdauer von 850 bis 1.950 Euro fällig. Die jeweilige Pachtgebühr ist bei Vertragsabschluss zu entrichten, die jeweilige Laufzeit beginnt mit dem Zeitpunkt der Beisetzung. Die Preise ergeben sich aus Lage, Größe und Alter des jeweiligen Baumes. An diesem wird eine Tafel mit Namen, Geburts- und Todestag des Verstorbenen angebracht. Der jeweilige Interessent bekommt eine Urkunde samt Karte, auf der der betreffende Baum markiert ist. Die Grabpflege übernimmt die Natur. Eine Trauerfeier findet im Andachts-Pavillons statt. Der gesamte Bestattungswald ist frei begehbar, die Wege sind mit Hackschnitzeln bestreut. Interessenten wenden sich an die von Schilcher’sche Forts- und Gutsverwaltung in Dietramszell (Am Weiherfeld 1a). Weitere Infos gibt es im Internet auf www.waldruh-dietramszell.de zu finden. ejs

Auch interessant

Kommentare