Größter Flächenankauf seit 40 Jahren

Landesbund für Vogelschutz plant Renaturierung

LBV-Moor-Betreuerin Birgit Weis erklärte (v. l.) Förster Peter Melf (ALF), Mitarbeiterin Regina Mannhart, Bürgermeister Josef Hauser und den beiden LBV-Vorsitzenden Walter Wintersberger und Erich Hoffmann die Veränderungen des Ebenbergfilz bei Dietramszell.
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Filzbegehung: LBV-Moor-Betreuerin Birgit Weis erklärte (v. l.) Förster Peter Melf (ALF), Mitarbeiterin Regina Mannhart, Bürgermeister Josef Hauser und den beiden LBV-Vorsitzenden Walter Wintersberger und Erich Hoffmann die Veränderungen des Ebenbergfilz bei Dietramszell.

Dietramszell – Wer es nicht genau weiß, der kann sich kaum vorstellen, dass sich im Gebiet südwestlich der Dietramszeller Leonhardi-Kapelle, versteckt hinter einem Waldgürtel, mit der Ebenbergfilze ein rund 14,7 Hektar großes Hochmoor befindet.

Vor allem der Initiative von Makler Andreas Kopka aus Stetten ist es zu verdanken, dass die regionale LBV-Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) das Hochmoor jetzt erwerben konnte, um es zu renaturieren. „Das ist seit 40 Jahren unser größter Ankauf“, erklärte dazu Walter Wintersberger, der Erste Vorsitzende der hiesigen LBV-Vertretung im Rahmen einer offiziellen Begehung am vergangenen Dienstagvormittag. Und schmunzelnd fügte er an: „Dietramszell wird allmählich unser Umweltschutz-Hotspot.“

Es sei ihm „eine Herzensangelegenheit“ gewesen, bei der „sämtliche monetären Gedanken im Hintergrund gestanden waren, dass das Moor der Natur zurückgegeben werden kann“, betonte Kopka. Er war von einer Erbengemeinschaft mit 16 Parteien mit der Verwertung der Flächen aus dem Nachlass des Warngauers Josef Rieker beauftragt worden. Dabei habe er insgesamt rund 61 Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen in den Gemeinden Dietramszell, Hartpenning, Valley und Warngau „unter Ausschluss von Grundstücksspekulanten“ verwertet. Dabei sprach er von einem attraktiven Angebot für den LBV. Zudem wurde der Erwerb durch das Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz gefördert.

Birgit Weis, die LBV-Moor-Betreuerin im Tölzer Land, zeigte anhand von Fotografien auf, wie das Ebenbergfilz alleine in den zurückliegenden 20 Jahren mehr und mehr verbuscht. Dies sei auf die Versuche, das Moor aus Spekulationsgründen trocken zu legen, im Zeitraum 1960 bis 1980 zurückzuführen. „Dennoch befindet es sich mit seiner etwa drei Meter starken Torfschicht in Teilbereichen noch in einem naturnahen Zustand.“ Elisabeth Pleyl, Fachkraft für Moorrenaturierung beim Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen verwies auf die Vorteile eines funktionierenden Hochmoores hin: Seltene Lebensräume vom Aussterben bedrohter Pflanzen- und Tierarten werden erhalten, die Sanierung des mooreigenen Wasserhaushalts wirkt sich positiv auf Grundwasser und Oberflächengewässer aus, bis hin zur Kappung von Hochwasserspitzen. Nicht zuletzt wirkt ein Hochmoor auch als CO2-Speicher. „Nach der Renaturierung können etwa 15 Tonnen CO2-Äquivalente pro Hektar und Jahr eingespart werden.“ Durch die im hiesigen Landkreis auf bisher rund 323 Hektar durchgeführten Renaturierungen von Mooren wird die Summe der jährlichen Treibhaus-Gasemissionen um über 6.000 Tonnen CO2-Äquivalente gesenkt.

Von den Trockenlegungsversuchen in der Ebenbergfilze sind nicht nur die Drainagegräben erhalten geblieben, sogar Plastikröhren ragen dort noch aus dem Boden. „Jetzt müssen wir erst einmal die bereits überwachsenen Gräben lokalisieren, um sie dann mit einem Spezial Bagger mit extra breiten Ketten endgültig wieder zu verschließen“, erklärte Birgit Weis die Methodik der Renaturierung, die demnächst in Angriff genommen werden soll. Ewald Scheitterer

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