„Ein wahrer Schurkenstreich“

Münchner schüttet Öl auf Motor, um Gebrauchtwagenpreis zu drücken

Richter lässt sich nicht täuschen: Urteil fällt.
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Richter lässt sich nicht täuschen: Er verurteilt die beiden Angeklagten zur Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Dietramszell – Im Mai 2020 bot ein 54-jähriger Dietramszeller seinen gebrauchten VW-Bus zum Verkauf an. Mit einem Münchner einigte er sich zunächst auf einen Preis von 10.000 Euro. Doch er wurde Opfer einer dreisten Betrugsmasche.

Denn der 31-Jährige ließ sich bei der Übergabe von seinem 36-jährigen Schwager begleiten, weil dieser angeblich mehr von Autos versteht. Als der Verkäufer gerade den Fahrzeugbrief aus seinem Haus holte, hob der Begleiter die Motorhaube für einen kurzen Moment hoch und schüttete den Inhalt einer Ölflasche in den Innenraum.

Als der Dietramszeller zurückkam, verwiesen die beiden in Rumänien geborenen Männer auf den vermeintlichen Motorschaden und einigten sich schließlich mit dem Verkäufer auf eine Reduzierung des Preises. Statt 10.000 Euro übergaben ihm die Männer nur 8.300 Euro und fuhren mit dem VW-Bus zurück nach München. Als der Dietramszeller seiner Tochter von dem kuriosen Vorfall erzählte, wurde sie misstrauisch. „Ich hatte das Auto ja eine Woche vor dem Verkauf noch kontrollieren lassen und bin selbst ohne Probleme damit gefahren“, sagte der Geschädigte aus. Da am Nachbarhaus eine Videoüberwachungskamera installiert war, ließ sich die Betrugsmasche auf einer Aufzeichnung nachweisen. Die Tochter fuhr deshalb einen Tag später nach München und stellte die beiden Männer zur Rede. Sie gaben den Betrug zu und händigten der Frau den Restbetrag sowie die zusätzlichen Fahrtkosten aus. „Damit war die Sache für uns erledigt“, sagte ihr Vater aus. Da er zuvor jedoch die Polizei verständigt hatte, kam es fünf Monate später zu einer Verhandlung am Amtsgericht.

„Es tut mir leid, dass ich das gemacht habe. Ich habe im Internet gelesen, wie man den Kaufpreis eines Autos drücken kann“, entschuldigte sich der 36-jährige Angeklagte. Sein Schwager beteuerte, dass er von Öl-Aktion seines Verwandten nichts bemerkt hatte.

„Diese Räuberpistole können Sie mir gerne erzählen, ich glaube sie nicht“, hielt ihm Richter Helmut Berger entgegen. Er verurteilte ihn wegen Betrugs zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe, die er zur Bewährung aussetzte. Sein Schwager, der das Öl auf den Motor geschüttet hatte, erhielt eine siebenmonatige Bewährungsstrafe.

Zudem müssen beide jeweils 100 Sozialstunden leisten. Negativ bewertete Berger vor allem das Vorstrafenregister der Männer, die zuvor bereits mehrfach wegen Diebstahl, Raub, Hehlerei und Unterschlagung verurteilt wurden. „Das war ein wahrer Schurkenstreich und ein abgekartetes Spiel“, bilanzierte Berger abschließend. Peter Herrmann

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