Schnelles Netz in der Stadt

Direkte Anbindung mit Glasfaser gewinnt zunehmend an Bedeutung

Eine direkte Anbindung mit Glasfaserverlegung
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Städtische Zukunftsplanung: Eine direkte Anbindung mit Glasfaserverlegung als zukunftsfähige Technologie.
  • Franca Winkler
    vonFranca Winkler
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Bad Tölz – Es gibt kaum einen Bereich im Leben, den die Corona-Pandemie nicht beeinflusst hat. Auch auf die Bedeutung eines schnellen Internets hat die aktuelle Lage Einfluss. Plötzlich müssen nicht nur Erwachsene umfangreiche Daten senden können, sondern auch Kinder an Videokonferenzen teilnehmen.

Vor einem Jahr galten noch 30 Megabit pro Sekunde als schnelles Internet, heute stößt man damit zügig an seine Grenzen. Laut Falko Wiesenhütter, Geschäftsleiter der Stadt, sei vor allem der Upload, also das Hochladen von Dateien, der sogenannte Flaschenhals die Stelle, die vor allem Probleme mit der Leistungsstärke bringe.

In Bad Tölz wird seit 2013 in Zusammenarbeit zwischen Stadt und Netzbetreiber ein Breitbandausbau vorangetrieben. Aktuell ist eine Internetgeschwindigkeit von 100 Megabit üblich, einige hätten sogar 250 bis 1.000 Megabit zur Verfügung, so Wiesenhütter weiter. Der Bedarf werde aber mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) wirft bei einem Pressegespräch ein, „ob man den Ausbau jemals als abgeschlossen betrachten kann?“ Bereits vor acht Jahren zu Beginn des Breitbandausbaus sei nicht klar gewesen, welche Entwicklung das Thema Internet nehmen würde. Laut Wiesenhütter habe die Pandemie das Bedürfnis nach einem flotten Internet danach exponentiell steigen lassen.

Mit dem ersten Ausbau der 2016 abgeschlossen wurde, hat die Telekom das Gewerbegebiet Farchet und den Stadtteil Ellbach an schnelles Internet angeschlossen. Nun wurde auch die zweite Ausbau-Etappe beendet. Heißt: die Wackersberger Straße südlich der Bundestraße 472, Kirchbichl mit den umliegenden Weilern, das Isarkraftwerk mit Kläranlage, der Moralthof, Roßwies, Walgerfranz und Ratzenwinkl haben eine höhere Internetgeschwindigkeit. Für die Telekom waren die Gebiete aufgrund der wenigen Anbindungen nicht wirtschaftlich, daher hat die Stadt eingegriffen. „Die Internet-Versorgung von kleinen Höfen und Weilern ist für uns genauso wertvoll wie der Ausbau im Innenstadtgebiet,“ betonen Wiesenhütter und Mehner.

Für die Telekom bedeutete die zweite Ausbauphase ein Wirtschaftlichkeitsloch von einer halben Million Euro. Davon übernimmt die Stadt 107.000 Euro und den Rest trägt der Freistaat.

Nun sind laut Rathaus-chef die Kunden selbst dran und müssten schauen, dass sie ihren Tarif entsprechend der neuen Technik anpassen oder sich eventuell einen neuen Router zulegen. „Bei uns melden sich nicht selten Personen die auf ihr langsames Internet schimpfen“, obwohl doch der Ausbau abgeschlossen sei. Im Gespräch hat sich dann häufig herausgestellt, dass die Leute noch einen alten Vertrag haben.“ Ein weiterer Grund sei oft auch eine alte Technik im Haus gewesen, die nicht mit der bis zur Haustür neu verlegten kompatibel war. Ein kurzes Nachfragen bei der Hausverwaltung bringe laut Bürgermeister meist Abhilfe.

Neben der Telekom gibt es noch Vodafone als zweiten Netzbetreiber in Bad Tölz, der ebenfalls aufgerüstet hat. Allerdings nicht so flächendeckend wie die Telekom. Laut Wiesenhütter fokussiert sich Vodafone auf dichter besiedelte Stadtgebiete. Dennoch sei die Situation mit zwei Betreibern ein Luxus, da der Wettbewerb Schwung bringe. In den freien Markt eingreifen, dürfe eine Stadt nur, wenn sich der Internetausbau für das Unternehmen als nicht-wirtschaftlich darstellt. „Hier dürfen Kommunen und Freistaat ins Boot kommen,“ so der Geschäftsleiter. Das sei allerdings ein sehr komplexer und langwieriger Vorgang bei dem es um bürokratische Verfahren mit einer langen Liste an Vorschriften geht.

Die Gebiete Kogl (nördlich von Kirchbichl) sowie Ober- und Untermühlberg sollen nun in der dritten Ausbauphase bis 2023 schnelles Internet bekommen. Welche weiteren Bereiche ausgebaut werden dürfen, will die Stadt prüfen. Für die Zukunft wird auf eine Glasfaser-Verlegung „bis ins Gebäude“ gesetzt. Zunächst stehen dabei Schulen und Gewerbebetriebe aufgrund ihres enorm gewachsenen Breitbandbedarfs im Fokus. Um kostensenkend zu wirken, sollen die Leitungen bei Tiefbaumaßnahmen gleich mit verlegt werden, wie das bei der Sanierung des Altstadtviertels Im Gries geschieht. Die Stadt hat laut Wiesenhütter die hierfür nötige Planungsgrundlage mit einem „Masterplan“ bereits geschaffen.

Franca Winkler

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