Die Diskrepanz wird immer deutlicher

Die Mitglieder des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BdM), die mehrheitlich zusätzlich noch dem Bayerischen Bauernverband angehören (BBV), wenden sich immer mehr von ihrer einstigen Berufsvertretung ab.

Bei der Jahresversammlung des Kreisverbandes Bad Tölz/Wolfratshausen im voll besetzten Gaißacher Jägerwirt jedenfalls wurden die Bauern aufgefordert, der dem BBV sehr kritisch gegenüberstehenden Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) beizutreten und dessen Publikationsblatt „Bauernstimme“ zu abbonieren. Die AbL hatte erst vor einer Woche für das Oberland eine Kreisgruppe gegründet. Ein von Walther Mauk vorgelegtes Bestellblatt wurde schnell mit Namen gefüllt. Der BdM wirft dem BBV vor, nicht die Interessen der Mitglieder, sondern jene der Chemie- und Ernährungsindustrie zu vertreten. BBV-Präsident Gerd Sonnleitner ist zugleich Präsident der von der Industrie finanzierten „Fördergemeinschaft nachhaltige Landwirtschaft“. Für das Alternativblatt warb Mauk mit den Worten, es sei wenig hilfreich für die Bauern, wenn in einem landwirtschaftlichen Fachblatt nur das geschrieben werden dürfe, was das Kapital bestimme. Damit meinte er das vom BBV herausgegebene Wochenblatt. Auch wenn das Wort „Bauernverband“ den ganzen Abend kaum oder nur verschlüsselt zu hören war, wusste jeder, wer jeweils gemeint war. Auch als der stellvertretende BdM-Kreisvorsitzende Johann Falter sich gegen immer wieder zu hörende Äußerungen wandte, „ein klein bisschen Gentechnik dürfe schon in Futter- und Nahrungsmitteln sein und schade nicht“. Den Namen Sonnleitner erwähnte er aber trotzdem, als er kritisierte, dieser habe sich in Zeiten der rot-grünen Koalition in Berlin massiv für die Beibehaltung oder gar für die Kürzung der Milchquoten ausgesprochen und sage jetzt unter Schwarz-Gelb genau das Gegenteil. Für die AbL warben auch deren Regionalvertreter Elisabeth Friesenegger und Josef Lindauer. Denn nur wenn die Bauern selbst ihre Probleme in die Hand nähmen, sagten sie, könnten die wirklichen Probleme vom schlechten Milchpreis über die Gentechnik und die Saatgutregelungen gelöst werden. Kämpferisch gab sich Lucia Egner vom „Milk-Board“ aus Obersöchering, indem sie die Äußerungen der etablierten Parteien und Funktionären als unwahr bezeichnete, die behaupteten, ein Zusammenschluss der Bauern bei der Vermarktung ihrer Milch verstoße gegen das Kartellgesetz. Diplomatisch hingegen gab sich BdM-Kreisvorsitzender Georg Reiter. Der Reichersbeurer sprach von einem turbulenten Jahr, das man hinter sich habe und auch davon, dass die Bauern wegen der politischen Vorgaben keine Chance mehr hätten, den Milchpreis durch eine Reduzierung der Menge zu beeinflussen. Dass die Aufhebung der Quote ein weiteres Abstürzen des Preises zur Folge habe, was der BdM seit Jahren befürchtet, bestätigte Gastredner Werner Lochner von der bäuerlichen Interessensgruppe „Marktkampf“ in der Schweiz, wo die Mengenbegrenzung bereits aufgehoben wurde. BdM-Bezirksvorsitzender Balthasar Brandhofer zeigte sich stolz, dass die Bauern trotz der „nicht mehr hinnehmbaren Arroganz der Politiker“ bei allen Demonstrationen immer ruhig und sachlich geblieben seien. Dabei erwähnte er vor allem den Hungerstreik der Bäuerinnen vor dem Kanzleramt in Berlin, der europaweit für Aufsehen gesorgt habe.

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