Protest gegen Maßnahmen

Dr. Josef Hingerl und Reinhold Krämmel fordern zum Widerstand auf

Dr. Josef Hingerl.
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Plädierte für die sofortige Öffnung aller Betriebe: Dr. Josef Hingerl.

Wolfratshausen – Dr. Josef Hingerl sorgte bereits mehrmals für Aufsehen. Nun forderte der Rechtsanwalt gemeinsam dem mit dem scheidenden Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen Reinhold Krämmel und anderen Rednern zum Widerstand gegen die von der Regierung verordneten Lockdown-Maßnahmen auf.

Mit den unerlaubten Öffnungen des Golfplatzes Bergkramerhof sorgte Dr. Josef Hingerl bereits für Aufsehen (wir berichteten). Rund 50 Besucher meldeten sich für die unter strengen Auflagen stattfindende Versammlung in der Loisachhalle an. „Obwohl die Politik alles versucht, um durch Ankündigung finanzieller Unterstützungsmaßnahmen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches System zu stützen, ist es sicher schon zehn nach zwölf“, schickte Hingerl voraus.

In seiner Eröffnungsrede bekannte er sich zu den im Grundgesetz verankerten Freiheitsrechten, die laut seiner Einschätzung nach der Verhängung des ersten Lockdowns massiv beschnitten wurden. „Ich bin der Meinung, dass die meisten Maßnahmen nicht gerechtfertigt sind“, erklärte der Jurist. Er forderte die Rückgabe der persönlichen Freiheit sowie die Eigenverantwortung der Unternehmer im Umgang mit gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken. Die Reduzierung der momentanen staatlichen Regulierung wäre für ihn gleichbedeutend mit der von ihm bevorzugten Rückkehr zur freien sozialen Marktwirtschaft. „Alle Betriebe müssen umgehend wieder geöffnet werden“, forderte Hingerl begleitet lautstarken Beifall des Publikums.

Reinhold Krämmel, scheidender Chef des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen, sieht das genauso. „Das politische Handeln unserer Regierung ist von ausufernder Bürokratie geprägt“, kritisierte er. Als Belege für das staatliche Versagen nannte er unter anderem die „nutzlose Corona-App“, den Maskenkorruptionsskandal, den unzureichenden Einkauf von Impfstoffen sowie eine mangelnde Digitalisierung. Markus Dettendorfer aus Söchtenau (Landkreis Rosenheim) will diese Missstände nicht mehr hinnehmen. Im Februar 2021 formierte er eine mittelständische Protestbewegung, der sich mittlerweile über 2.000 Unternehmer angeschlossen haben. „Wir müssen noch viel mehr werden“, wünscht er sich. Dettendorfer riet davon ab, offene Briefe an Bundeskanzlerin Angela Merkel oder den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zu schreiben. „Das kostet nur unnötig Energie und Sauerstoff: Wir müssen mehr Druck von unten nach oben ausüben“, forderte er. Nach diesen engagierten und fundierten Reden zeigte sich die Antdorfer Fotografin Barbara Obermaier am Ende der rund anderthalbstündigen Veranstaltung noch emotionaler. „Ich könnte heulen, wenn ich Kinder mit Masken durch unser Dorf rennen sehe“, gestand sie.

Als Dr. Josef Hingerl zu einer abschließenden Diskussionsrunde aufrief, versuchten einige angereiste Verschwörungstheoretiker und Gegner des umstrittenen Mobilfunkstandards 5G, ihre Thesen zu verbreiten. Es blieb der einzige Aufreger an einem Nachmittag, an dem Vertreter des Mittelstands und Selbstständige ihre nachvollziehbaren Forderungen „ohne Maulkorb“ formulieren durften. Dass ihre Stimmen in den nächsten Monaten verstummen werden, ist eher nicht zu erwarten.

Peter Herrmann

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