Spielregeln für Wildfluss

Eckpunkte der Isarverordnung: Schwimmwesten, aber keine Glasflaschen

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Strenge Spaßfahrten: Wer auf der Isar im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen fahren will, muss sich an die neue Bootfahrverordnung halten.

Landkreis – Die Isar soll von Booten erleichtert werden, Fische sollen in Ruhe laichen und Vögel ohne Störung brüten können – dank einer Verordnung, die vergangene Woche ihre Gültigkeit fand. Deren Regelungen gelten allein für den Flussbereich, der den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen durchzieht, und betreffen ausschließlich den Gemeingebrauch.

Er beschreibt sie als „Lebensgefühl“ und als „Lebensader“ und damit als etwas Essentielles im Landkreis: Ehe die neue Isarverordnung in Kraft trat, stellte Landrat Josef Niedermaier die Eckpunkte vor. An seiner Seite: Fachkräfte aus den Bereichen Naturschutz, Umwelt und Wasser. Dass Regelungen schon lange von Nöten sind, steht für Niedermaier außer Frage, denn das „Zerren an der Isar“, das tue dem Fluss „richtig weh“. Die in der Verordnung aufgeführten Eckpunkte sind das Ergebnis eines längeren Prozederes: ein Runder Tisch vor sechs Jahren gefolgt von der umfangreichen Sammlung naturkundlicher Kenntnisse, schließlich eine Onlineumfrage und darauffolgende Stellungnahmen, die „bis zuletzt geprüft“ wurden, ehe die endgültige Verordnung erstellt wurde, erinnerte Pressesprecherin Marlis Peischer.

Was das Stück Papier nun vorsieht, erklärte Carolin Singer, Leiterin der Abteilung 3 Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Wasser und Boden, Verkehrsangelegenheiten und Umwelt.

Von nun an gebe es ein Glasflaschenverbot, was aber kein „Plastikflaschengebot“ impliziere, so Singer. Vielmehr stehe dabei der Sicherheits­aspekt im Uferbereich im Fokus. Auch eine Alkoholgrenze wurde festgelegt: Mit über 0,5 Promille sollte sich keiner mehr auf ein Boot wagen beziehungsweise darin sitzen. Die Befugnis, den Alkoholspiegel zu kontrollieren, haben die Isar-Rangeraber aber nicht, stellte Singer dabei klar. Apropos Ranger: ein Dutzend Aufseher werden künftig über die Isar-Flure im Landkreis streifen, nicht nur Kontrolle, auch Information zählt dabei zu ihren Aufgaben. Darunter die Aufklärung darüber, dass in Zukunft Wasserfahrzeuge nicht mehr mit Beibooten oder Anhängseln wie Bierkästen transportierende Schlauchboote auf den Fluss dürfen oder Kinder bis zwölf Jahre sowie Nichtschwimmer auf dem Wasser Schwimmwesten tragen müssen. Aber auch auf die Uhr und den Kalender sollten Privatpersonen ein Auge werfen – mit Betonung auf „Privat-“, denn das Gewerbe ist von der Isarverordnung nicht betroffen.

Huchen helfen

Das Gewerbe unterliegt nicht der neuen Isarverordnung – jedoch bestehenden Regelungen, die nun „zum Teil strenger sind“, so Singer. Letztere dürfen künftig zwischen 7 und 20.30 Uhr mit Booten auf der Isar fahren. Anregungen aus der Bevölkerung, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang als Start- und Endpunkt zu wählen, seien in Betracht gezogen worden, doch man habe Isar-Ranger angesichts der schwammigen Definition von Dämmerung vor Diskussionen bewahren wollen, erklärte Singer. Auch jahreszeitlich ist das Bootfahren nur noch begrenzt möglich, vom 1. Juni bis 15. Oktober, auf dem Abschnitt ab dem Wasserkraftwerk nach Norden jedoch bis Silvester. Mit zeitlichen Limitierungen wolle man auf die Fauna in und um die Isar Rücksicht nehmen, erklärte Naturschutzfachkraft Joachim Kaschek: es gelte, die Laichzeiten der Barben und Bachforellen und der Huchen, die sich im Fluss kiesige Laichgruben bauen, in welchen der Nachwuchs ein paar Wochen verweilt, zu berücksichtigen. Auch gefährdeten Vogelarten wie den Flussuferläufern wolle man die Möglichkeit zum ungestörten Brüten am Ufer gewähren. ra

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