Auf demokratischen Wegen

Ehrung: Tölzer Straßen nach Michael Deschermeier und Anton Holzner benannt

+
Bei der Präsentation des Michael-Deschermeier-Wegs nahm auch Helga Förster (Mi.) teil, die Großnichte von Michael Deschermeier – an ihrer Seite Ehemann Josef Förster und Tochter Nicole Dorfer mit Enkelin Antonia. Ebenso der „Arbeitskreis Straßennamen“ (hinten v. li.): Stadtrat Franz Mayer, Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer, Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr und Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart.

Bad Tölz – Alte Namen für neue Straßenschilder: Zur Erinnerung an die Tölzer Lokalpolitiker Michael Deschermeier (1885-1945) und Anton Holzner (1902-1965) wurden in der Isarstadt zwei Straßen nach den beiden umbenannt. Jüngst weihte der dafür gegründete Arbeitskreis „Straßennamen“ zusammen mit dem Dritten Bürgermeister Christof Botzenhart, Stadtarchivar Sebastian Lindmeyr und Falko Wiesenhütter (Geschäftsleiter der Stadt) die beiden Wege ein.

Zusammen stehen sie unter dem neuen Straßenschild rechts der Isar, darauf weiß auf blau geschrieben: „Michael-Deschermeier-Weg“. Es ist nicht irgendein Tag im August, sondern ein historischer – heute für Tölz, und einst für ganz Bayern: „Vor hundert Jahren trat die Weimarer und Bamberger Verfassung in Kraft, als erste demokratische Verfassungen von Deutschland und Bayern“, erklärt Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart, den Umstehenden. 1919 ist also ein geschichtsträchtiges Jahr – in der die Gesellschaft politisch-demokratisch zusammenrückte.

Zur Straßennamen-Einweihung gekommen sind neben Botzenhart auch die Nachfahren von Deschermeier und Mitglieder des Arbeitsgruppe „Straßennamen“. Dieser hatte nämlich im Auftrag der Stadt die Geschichte von Deschermeier und Anton Holzner aufgearbeitet und sich einstimmig für die Ehrung der beiden ehemaligen demokratischen Lokalpolitiker ausgesprochen. In der Juni-Sitzung diesen Jahres segnete dann der Stadtrat einstimmig die Empfehlung der Arbeitsgruppe ab, und gab den Weg frei für die Erinnerung an zwei Männer, die bedeutend für die hiesige Stadtgeschichte sind. „Es ist ein Gedenktag für die Demokratie. Von der großen Politik zur Lokalpolitik“, erklärt Botzenhart weiter, und schlägt damit die Brücke nach Bad Tölz. Deschermeier und Holzner waren beide überzeugte Sozialdemokraten und das in einer Zeit, in der das Land von den Nationalsozialisten dominiert und terrorisiert wurde.

Und dies möchte die Stadt und Arbeitskreis nicht verschleiern: Die Rede ist von der „Bürgermeister-Stollreither-Promenade“ entlang der Isar. Zwar machte sich „Alfons Stollreither als Bürgermeister um die Modernisierung von Bad Tölz verdient“, umstritten sei er aber, „weil er den Nationalsozialismus in Wort und Tat förderte“. Daher ist sein bisheriger Namen-Wegabschnitt nun verkürzt worden und führt ab der Isarbrücke auf der Badeteil-Seite nur noch in südliche Richtung. Der bisherige nördliche Abschnitt ist jetzt ab der Isarbrücke umbenannt in „Bürgermeister-Holzner-Promenade“: Der Rechtsanwalt Holzner war seiner Zeit „erklärter NS-Gegner und betrieb als Tölzer Bürgermeister in der Nachkriegszeit von 1945 bis 1948 tatkräftig den Wiederaufbau eines demokratischen Gemeinwesens“, so die Begründung der Arbeitsgruppe. Und Deschermeier war von 1919 bis 1933 SPD-Fraktionssprecher im Stadtrat und von 1945 bis zu seinem Tode (1945) Vize-Bürgermeister der Stadt.

„Stollreither wird zurechtgestutzt, aber nicht verdrängt“, erklärt Arbeitsgruppenmitglied und Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer die Teilung der Isarpromenade zwischen Stollreither und Holzner. Grünen-Stadtrat Franz Mayer begründet die Entscheidung der Arbeitsgruppe, das Stollreither-Schild stehen zu lassen, als „Aufarbeitung der NS-Zeit im öffentlichen Raum“.

Ein Zeichen sei auch die ­vorbeifließende Isar, so Botzenhart. Der „Strom der Zeit“ spiegelt sich somit wieder in den Straßenschildern von Stollreither zu Holzner: Darin liege auch „eine Symbolkraft für den demokratischen Wandel in unserem Land“, waren sich die Stadträte Botzenhart und Mayer einig, die bei dieser demokratischen Entscheidung an einem Strang gezogen hatten. Daniel Wegscheider

Auch interessant

Meistgelesen

Veterinäramt warnt vor hochansteckender Krankheit
Veterinäramt warnt vor hochansteckender Krankheit
Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
Fahranfänger beschädigt parkendes Auto
Fahranfänger beschädigt parkendes Auto
Seniorenbeirat fordert mehr Mobilität für Ältere
Seniorenbeirat fordert mehr Mobilität für Ältere

Kommentare