Trickbetrug mit Happy End

Eine Wolfratshauserin berichtet, wie sie knapp Betrügern auf den Leim gegangen wäre

Ein unbekannter ruft an.
+
Bei einigen unbekannten Anrufern ist Vorsicht geboten: aktuell sind viele Trickbetrüger aktiv.
  • Franca Winkler
    vonFranca Winkler
    schließen

Wolfratshausen – Trickbetrug am Telefon hat laut Polizeiberichten zufolge zugenommen. Eine Wolfratshauserin berichtet, wie sich ein Betrüger als ihr Sohn in Not ausgab und an ihr Geld wollte.

Donnerstag, der 21. Januar, begann für Gisela Schmidt als ganz normaler Tag, bis gegen 11.30 Uhr ihr Telefon klingelte. Was danach geschah, hört sich an wie der Ausschnitt aus einem Kriminalroman. Die fitte 83-jährige berichtete dem Rundschau Verlag ausführlich wie die Betrüger sie in dem langen Telefonat regelrecht weichgekocht haben. Das Gespräch wurde durch eine männliche stark schluchzende Stimme eröffnet, die jegliche Zuordnung zu einem Familienmitglied unmöglich gemacht habe. Da die Wolfratshauserin aber direkt von „ihrem verängstigten Sohn“ angesprochen wurde, war sie selbst sogleich in heller Aufregung.

Der Anrufer berichtete von einem Unfall, bei dem er durch Nichtbeachtung der Vorfahrt eine Frau totgefahren habe, nun bei der Polizei sitze und nur gegen eine Kaution bis zur Verhandlung auf freiem Fuß sein dürfe. Der Mutterinstinkt und das Helfen-wollen setzten ein und so fragte Schmidt den um Hilfe bittenden Anrufer, was sie tun könne. Nachdem der Betrüger eine Summe von 42.000 Euro nannte, die als Kaution noch am selben Tag fällig sei, fragte er ungeniert nach Wertgegenständen, Münzen, oder Schmuck. Der Anrufer war interessiert an allen Dingen mit hohem Wert, was sich im Haus selbst und bei Personen im Umfeld befindet.

Unter höchster Geheimhaltung schaffte es der Betrüger, dass sich die Seniorin auf ihr Rad setzte und zur Bank eilte, bevor diese für die Mittagszeit ihre Türen schließt. Das Telefon solle sie aber auf keinen Fall auflegen. Bei der Bank dürfe wegen der laufenden Ermittlung kein Wort über die Verwendung des hohen Geldbetrages verloren werden.

Aufgrund der vermittelten Dringlichkeit, war die Bankberaterin nach Rücksprache sogar bereit das Tageslimit von 15.000 Euro um 5.000 Euro zu überschreiten und gab der Seniorin 20.000 Euro mit auf den Weg. Nach eigenen Angaben kam Schmidt völlig außer Puste wieder zu Hause an und berichtete dem Anrufer, dass sie nun 21.000 Euro im Hause habe. Daraufhin ließ der „falsche Sohn“ die Wolfratshauserin warten - er müsse mit einem Polizeibeamten sprechen, ob dies für die Kaution reichen würde. Eine andere fremde Stimme meldete sich: Man würde für ihren Sohn eine Ausnahme machen. Zugleich wurde der emotionale Druck auf Gisela Schmidt erneut erhöht, habe doch ihr Sohn durch Verletzung der Vorfahrt eine junge Frau zu Tode gebracht, die noch dazu Alleinerziehende von drei kleinen Kindern sei. Das Geld müsse sie nun in München bei der Gerichtskasse einzahlen. In Kürze würde aber zunächst ein Polizeibeamter vorbei kommen, und die Personendaten prüfen.

Die Stille am anderen Ende der Leitung war für die Rentnerin der rettende Anker wie sich später zeigen sollte. Denn nun hatte sie Zeit zum Nachdenken. „Ich soll nach München fahren, habe aber keine genaueren Angaben? Das kann ja wohl nicht sein,“ fragte sich Schmidt. Also beschloss sie, bei der örtlichen Polizei anzurufen und nachzufragen. Die Beamten aus Wolfratshausen sind schnell bei ihr und besprechen den Vorfall. Nicht zuletzt die Tatsache, dass das Telefonat etwa drei Stunden gedauert hat, brachte Klarheit. Von den Beamten begleitet brachte Schmidt das Geld zurück zur Bank. Die dortigen Mitarbeiter wurden sogleich sensibilisiert. Es sei höchste Vorsicht geboten, wenn eine Person sofort das gesamte Guthaben abheben will. Eine Rücksprache mit der Polizei sollte in so einem Fall für Aufschluss sorgen.

Schmidt zeigt sich betroffen: „Dadurch, dass ich mit meinem Sohn in Angst konfrontiert wurde, hat der Schock meinen Verstand lahmgelegt. Ich hätte nie gedacht, dass ich auf so etwas hereinfallen würde.“ Die Betrüger setzen auf das Spiel mit der Angst und sorgen für Zeitdruck, sodass Misstrauen im Keim erstickt wird. In einer Liste mit Tipps zum eigenen Schutz, rät die polizeiliche Kriminalprävention, sich den Namen des Anrufers nennen zu lassen. Eine bloße Angabe wie „hier ist dein Sohn/Enkel“ sollte misstrauisch machen. Ebenso könnten Angerufene Dinge erfragen, die nur der richtige Verwandte wissen kann. Weitere Hinweise sind auf www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/enkeltrick/ zu finden.

Franca Winkler

Lesen Sie hier auch aktuell: Corona verändert Polizeiarbeit: Weniger Diebe dafür mehr Trickbetrüger

Auch interessant

Kommentare