Ende einer Institution

Sportstudio Hirsch schließt / Stadt will BKK-Aktivwochen fortführen

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Betrübte Gesichter: Karl „Charly“ Hirsch (2.v.r.), sein Stiefsohn Martin Litvan sowie Hirschs Ehefrau Birgit gaben die Schließung ihres Sportsudios bekannt. Die Stadt – hier Kurdirektorin Brita Hohenreiter (l.) und Bürgerrmeister Josef Janker – sucht nun nach Wegen, die sport-touristischen Angebote des Studios zu kompensieren.

Bad Tölz – Ende Oktober ist Schluss: Dann schließt das Sportstudio Hirsch. Damit endet eine Ära, denn das Studio genoss bei zahlreichen Sportbegeisterten über 40 Jahre einen hervorragenden Ruf, auch wegen eines sehr kompetenten Teams.

Das Ende ist ein herber Schlag für rund 500 Studio-Mitglieder gleichsam wie für die Stadt. Denn die mit dem Sportstudio durchgeführten „BKK-Aktivwochen“ bildeten einen nicht unerheblichen Teil des sport-touristischen Angebots in Bad Tölz.

Ein Aushang im Studio sorgte für lange Gesichter. Und zuvor gab es am vergangenen Samstag eine Mitarbeiterbesprechung. „Unser Team hat nicht damit gerechnet“, sagte Studioinhaber Karl „Charly“ Hirsch am Mittwoch in einer Pressekonferenz in der Tourist-Info. Er selbst hat eigentlich nicht damit gerechnet, dass er nun so überraschend sein Lebenswerk zu sperren muss.

Noch bis vor zwei Wochen seien er und seine Frau Birgit sowie Stiefsohn Martin Litvan optimistisch gewesen. Eben zuversichtlich, die anstehenden Investitionen stemmen zu können. Doch die Rahmenbedingungen waren nicht pro Studio ausgerichtet. Zu den Finanzierungsplänen, die bei zwei Banken eingereicht worden seien, gab es eine Ab- sowie eine Zusage. „Die Absage hat unserem Optimismus ordentlich Wind aus den Segeln genommen.“ Das Risiko, die anstehenden Investitionen stemmen zu können, erschien dem Studiogründer zu hoch. Denn Stiefsohn Martin Litvan (36) hätte die Belastungen über 30 Jahre stemmen müssen. Der räumte dann auch ein: „bei den Finanzierungsplan ist der Risikofaktor schlicht zu hoch, angesichts des Verhältnisses zum notwendigen Invest.“ Mit „Invest“ ist der Neubau gemeint, der auf die Familie Hirsch zugekommen wäre, um das Studio in die Zukunft zu steuern. Denn wie auch Bürgermeister Josef Janker sagte: „Die Immobilie ist so, nicht zu sanieren.“ Laut Stadtkämmerer Hermann Forster sei das Gebäude (das alte Hallenbad, Anm. d. Red.) ja auch als Schwimmeinrichtung konzipiert und genutzt gewesen. „Da steckt im Beton jede Menge Chlorbelastung.“

Die Betreiberfamilie blickt nun auf intensive, letzte Jahre zurück. Denn zunächst stand die Entwicklung eines Spa-Projekts „Natura Tölz“ an, ein Hotelneubau an der Arzbacher Straße. „Wir gingen da noch von einer intensiven Kooperation mit den zu erwartenden Gästen aus“, so Hirsch. Doch es kam anders. Ein Bürgerbegehren kippte das Projekt. Hirsch musste einen alternativen Weg einschlagen. Der 70-Jährige hielt Ausschau nach einem neuen Standort. Ein Neubau sollte auf dem Gelände in Richtung des ehemaligen Reifenhauses Pascher erfolgen. Offenbar konnte man sich aber über die finanziellen Konditionen nicht einigen.

Und an anderer Stelle eine Halle für das Studio zu errichten, hätte der Ausrichtung des Sportstudios entgegen gestanden. Die Nähe zum Badeteil aber auch die recht zentrale Lage an den öffentlichen Parkplätzen waren für das „betreuungsgeführte Studio“ optimal. Apropos Betreuer. Hirsch sorgt sich vor allem um seine 38 Mitarbeiter. Nach der Mitarbeiterbesprechung habe es viele Tränen gegeben.

Hoffnung macht da Kurdirektorin Brita Hohenreiter. Denn sie will ein Konzept erarbeiten, um die BKK-Aktivwochen in irgendeiner Form fortzuführen. „Und da gibt es keinen Grund, das Team zu ändern.“ Bis 2021 laufe das Angebot der Aktivwochen weiter: „Es wird auf jeden Fall weitergehen.“ Details – auch zur Raumsuche – seien noch unklar. „Aber da finden wir eine Lösung“, ist Hohenreiter zuversichtlich. Die Verbundenheit der Aktivwochen-Teilnehmer („Es gibt da viele Wiederholer“) zu den Trainern sei enorm, „da gibt es sogar Private Anfragen zu Wandertouren“, berichtete sie.

Hirsch selbst will sein über 40 Jahre angewachsenes Know-how weiter einbringen. Und Stiefsohn Litvan will in Richtung betriebliches Gesundheitsmanagement wechseln. „Der Bedarf dazu ist da.“

Für die Studio-Mitglieder ist das zwar ein Fünkchen Hoffnung, aber zunächst kaum Trost. Denn vor allem für ältere Studio-Mitglieder dürfte die Schließung zum Ende Oktober ein herber Einschnitt sein. Denn das Studio war nicht nur Trainingsstätte sondern für viele auch ein beliebter sozialer Treffpunkt – egal ob in Sauna oder Bistro.

Charly Hirsch berichtete da auch vom Kommentar eines Kunden: Der habe gesagt, „hoffentlich muss ich das Ende des Sportstudios nicht mehr erleben“. Das, so Litvan, mache deutlich, welch soziale Bedeutung dem Studio zukommt. tka/bo

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