Klageweg wird nicht beschritten

Entscheidung aus Nachbarkommune wird im Tölzer Bauausschuss thematisiert

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Heute noch stark befahrene Bundesstraße, künftig aber ohne Verkehrsbedeutung ist dieser Teil der B 472 zwischen Bad Tölz und Greiling.

Bad Tölz - Die seit Jahren von vielen sehnlichst erwartete Nordumfahrung von Bad Tölz hat eine weitere Hürde genommen. Die Nachbargemeinde Greiling verzichtete auf eine Klage vor Gericht. Voraussetzung ist, dass Bad Tölz den Straßenunterhalt auf einem Teil der alten Bundesstraße 472 übernimmt. Das kam jetzt im Bauausschuss des Stadtrates zur Sprache und wurde einstimmig beschlossen.

Greiling war als einzige Kommune gegen die Pläne für die vom Straßenbauamt Weilheim geplante Nordspange vor Gericht gezogen weil sie schon seit 2014 verschiedene Verbesserungen der Planung anmahnt. Die jetzige Bundesstraße 472 wird nach dem Bau der Nordumfahrung zur einer Ortsverbindungsstraße heruntergestuft. Schon in der Klage zum Planfeststellungsbeschluss hatte die Gemeinde Greiling erklärt, dass sie der neuen Einordnung des Straßenstücks nur zustimmt, wenn der Landkreis oder die Stadt Bad Tölz die den Straßenbaulast tragen - also für den Unterhalt der Fahrbahn und für den Winterdienst sorgen. Dies gilt auf der alten B 472 auf der Flinthöhe vom Taxiunternehmen Much 410 Meter weit in Richtung Osten, wo die künftige Verknüpfungsstraße von Greiling her in die Nordumfahrung mündet. Außerdem muss sich Tölz auch um den begleitenden, rund 340 Meter langen Radweg kümmern.

Greiling begründet seine Forderung damit, dass der Streckenabschnitt auf der alten B 472 lediglich Bad Tölz nützen wird. Die 410 Meter dienten erschließungstechnisch nur der Kurstadt. Außerdem hätte der Winterdienst aus Greiling auch mehr Probleme, dort zu räumen und zu streuen, weil die Nordumfahrung dazwischen liege.

„Wir haben der Gemeinde gesagt, dass uns das Straßenstück grundsätzlich nichts angeht“, erzählte dazu der Tölzer Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Liege es doch nach wie vor auf dem Gebiet der Nachbarkommune. Aber für Bad Tölz seien Unterhalt und Pflege im Grund genommen „keine große Geschichte“, räumte er ein. 410 Meter fielen bei dem rund 78 Kilometer großen Straßennetz kaum ins Gewicht. Die ganze Angelegenheit müsse allerdings neu verhandelt werden, wenn Greiling auf dem Flugplatzgelände später einmal Bauland für Wohnungen oder ein Gewerbegebiet ausweist, fügte er hinzu. Für die Anbindung würde die Nachbargemeinde die alte B 472 dann selbst benötigen.

Bürgermeister Josef Janker (CSU) verwies einmal mehr darauf, dass Tölz von seinem umliegenden Kommunen „immer wieder gefordert“ werde. Für Gaißach habe man die Ablöse für Ausgleichsflächen beim Bau des neuen Bergwachzentrums übernommen, für Wackersberg trage man die Kosten für das Wanderwegekonzept Tölzer Land Süd mit. „Aber Schwamm drüber“, sagte der Bürgermeister, wiewohl in der Debatte zuvor auch von Erpressung die Rede war. In Zeiten des Coronavirus fielen die Wortmeldungen der Stadträte in der Sitzung knapp aus. Die Nordumfahrung sei nun mal „von übergeordnetem Interesse“, sagte Jürgen Renner (SPD), der, wie seine Kollegen auch, letztlich seine Zustimmung gab. bo

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