Keine „Tiny Houses“ in der Ziegelei

Entwicklungs- und Planungsausschuss lehnt Vorhaben ab

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Der Vorstand des Vereins „Einfach gemeinsam leben“ scheiterte mit seinem Antrag (v. l.): Vorsitzender Thorsten Thane, Schriftführerin Natascha Haase, Schatzmeisterin Silke Kuhl und Vize-Vorsitzender Uwe Christof.

Geretsried – Im Oktober 2018 gründete sich der Verein „Einfach gemeinsam leben“ mit dem Ziel, preiswerte kleine Häuser – sogenannte „Tiny Houses“ – zu errichten. Als möglichen Standort schlugen die Mitglieder Stadt das auf Geltinger Flur liegende Grundstück der Ziegelei vor. Diesem Vorhaben erteilte der Entwicklungs- und Planungsausschuss (EPA) nun eine Absage.

Die Idee stammt ursprünglich aus den USA: Dort werden kleine, voll ausgestattete Häuser, die eine Grundfläche von etwa 16 bis 30 Quadratmetern haben, als Tiny Houses bezeichnet. Diese Wohnform ist in der Regel mobil, weil sie entweder auf einem Hänger oder in der Bauweise eines Containers errichtet wird. Das ist in der Anschaffung nicht nur wesentlich erschwinglicher als ein herkömmliches Haus, sondern verhindert laut dem Vereinsvorsitzenden Thorsten Thane auch die Versiegelung von Grünflächen. Die Kosten für ein „Tiny House“ beziffert er je nach Ausstattung auf 30.000 bis 100.000 Euro.

Hoffnung, dass so eine Ansiedlung auch auf Geltinger Flur möglich sein könnte, gab dem Verein jüngst eine Aussage des bayrischer Bauministers Dr. Hans Reichhart. In einer Sendung des Bayerischen Fernsehen erklärte er, Gemeinden können Tiny-House-Dörfer im Außenbereich mit der Aufstellung eines Bebauungsplans relativ unkompliziert möglich machen. Diese Äußerung versuchte der Geretsrieder Stadtbaurat Rainer Goldstein nun in der jüngsten EPA-Sitzung zu relativieren. „Nach Auffassung der Stadt Geretsried, sollte der Außenbereich vordringlich für Natur und Landwirtschaft vorbehalten sein“, erklärte Goldstein. Auch in Abstimmung mit dem Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen bestehe keine Möglichkeit, das Grundstück in der Ziegelei mittels Genehmigung oder Bauleitplanung aufgrund der Lage im Außenbereich für ein solches Wohnprojekt zu erschließen. Als Standorte kämen stattdessen nur Grundstücke in bestehenden Siedlungsgebieten infrage. Der Antrag des Vereins „Einfach gemeinsam leben“ sei zudem nicht genehmigungsfähig, weil die Darstellung des Flächennutzungsplans als landwirtschaftliche Fläche einer Wohnbebauung widersprechen würde. Goldstein erinnerte in diesem Zusammenhang an das Landesentwicklungsprogramm des Freistaates Bayers, das eine Zersiedelung der Landschaft verhindern will. In der anschließenden Debatte teilten die Stadträte die Einschätzung von Goldstein. „In diesem sensiblen Bereich kann man nicht zustimmen“, befand Franz Wirtensohn. Der Hof des Geltinger Landwirts befindet sich in der näheren Umgebung der Ziegelei. Beate Paulerberg (Bündnis 90/Grüne) lobte dagegen die Ziele des Vereins. „Ich bin für das Projekt, aber nicht an diesem Standort“, sagte sie. Zweiter Bürgermeister Hans Hopfner (SPD), der die Sitzung in Vertretung von Bürgermeister Michael Müller leitete, gab ihr Recht. „Aus rechtlicher Sicht, können wir gar nicht anders entscheiden“, bedauerte er. Wenn der Verein aber ein anderes Grundstück in einer geeigneten Siedlungseinheit vorschlage, sei eine Realisierung des Projekts möglich. Am Ende sprach sich der EPA einstimmig gegen die Planung einer Tiny-House-Siedlung in der Ziegelei aus. Peter Herrmann

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