Als die Fremde zur Heimat wurde

Erinnerungsort Badehaus in Waldram: Film lässt Zeitzeugen zu Wort kommen

Heimatvertriebene bei der Ankunft in Bayern.
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Heimatvertriebene bei der Ankunft in Bayern.
  • Franca Winkler
    VonFranca Winkler
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Waldram/Region – Das Badehaus in Waldram ist ein Erinnerungsort, aber auch ein Ort der Begegnungen. Vergangenen Sonntag fand dort erstmals in Eigenregie eine Übertragung per Livestream statt.

Gezeigt wurde die BR-Dokumentation „Damals in Bayern angekommen“ von Sybille Kraft. Die Dokumentation zeigt die Schwierigkeiten der Heimatvertriebenen beim Neustart in Bayern und wie sie sich dort mit Mut und Fleiß eine neue Zukunft erarbeitet haben.

Mit dem Leben davon gekommen

Nach dem Zweiten Weltkrieg strömten Millionen von heimatlos gewordenen Menschen in den Westen. Sie hatten alles verloren und waren nur mit ihrem Leben davongekommen. Angesiedelt wurden sie oft an ehemaligen Rüstungsstandorten, wo sie in Baracken und Bunkern eine provisorische Unterkunft fanden. Mit offenen Armen wurden die Heimatvertriebenen selten empfangen, die aus dem Sudetenland, Schlesien, Siebenbürgen, Pommern, Böhmen, Mähren, der Bukowina, dem Banat oder anderen einst von Deutschen besiedelten Ostgebieten stammten. Sie hatten nichts und mussten unterstützt werden. Viele wurden bei Einheimischen einquartiert, was für beide Seiten nicht einfach war.

Der Film von Dr. Sybille Krafft, BR-Journalistin und Vorsitzende des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“, zeigt, wie die Neuankömmlinge schon bald für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgten. In ihrem Fluchtgepäck steckten nämlich nicht nur ein paar Habseligkeiten, sondern auch Fleiß und Können.

Bleibt zu hoffen, dass Flucht und Vertreibungen der Geschichte Europas doch einmal ein Ende finden.

Ilse Neubauer, Sprecherin im Film

Außerdem erzählt der Zeitzeuge Ernst Walko von seinen Anfangsjahren im Isartal. Walko wurde 1927 in der Ostslowakei geboren und fand als 18-jähriger in Gelting ein neues zu Hause. Lediglich mit Habseligkeiten die in einen einzigen Rucksack passten, schloss er sich zwei Familien bei der Flucht an. Seine Geschichte berührte den damaligen Bürgermeister, der dem jungen Flüchtling die „Zuzugsgenehmigung und Lebensmittelmarken völlig unbürokratisch überreichte“, so Walko. Wie viele habe er sich schnell eingebunden. „Wir waren in der Geltinger Jugend voll integriert“, so der 93-jährige.

Die Online-Veranstaltung der 75-minütigen BR-Dokumentation „Damals in Bayern angekommen“ von Sybille Krafft kann im Livestream über die Webseite www.erinnerungsort-badehaus.de angeschaut werden.

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