Moosbad mitten auf der Marktstraße

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zeigt beim virtuellen Naturtrip die Bedeutung des Waldes

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Vollbad mit Waldaroma: Förster Franz Jäger genießt den virtuellen Trip durch die Natur per Virtual Reality-Brille und das mitten auf der Tölzer Marktstraße.

Landkreis/Bad Tölz – Es riecht erdig, nach Laub und nach Holz, mitten auf der Tölzer Marktstraße. Dort steht Franz Jäger in einer beschaulichen Waldoase: Der Bergwaldförster vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bringt flanierenden Bürgern den Wald näher – digital per sogenannter Virtual Reality-Brille.

„Wollen Sie ein Waldbad nehmen?“, fragt Franz Jäger vorbeimarschierende Marktstraßenbesucher. Viele blicken skeptisch in das offene Zelt, das direkt unterhalb des Winzerer-Denkmals aufgestellt ist. Mittig steht eine Zinkwanne, die bis zum Rand hinauf mit Moos ausgepolstert ist. Der Teppich besteht aus Steinen und dicke Ästen, wie sie auch auf dem Waldboden zu finden sind. Und überdacht ist alles mit Buchen-, Haselnuss- und Ahornzweigen. Wie gemütlich das Bad ist, zeigt sich allerdings erst, wenn die Virtual Reality-Brille über die Nase gezogen wird. Plötzlich sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, und dies rundherum auf 360 Grad. Und um die Illusion perfekt zu machen, setzt Jäger einen Waldbader noch Kopfhörer auf: dann zwitschern auch die Vögel – und das Gefühl wirklich im Wald zu sein, setzt ein.

Das AELF Holzkirchen hat anlässlich der Woche des Waldes nun die virtuelle Waldbadewanne mitten in Bad Tölz, Wolfratshausen und Miesbach aufstellen lassen. Dieses Jahr unter dem Motto „Biodiversität“. Jäger erklärt: „Wir wollen zeigen, wie vielfältig der Wald ist.“ Ein Ort, der neben Bäumen auch Bodenpflanzen, auch Tiere und Insekten beherbergt. Um diese „Vielfalt“ möglichst realistisch darzustellen, entschied sich das AELF zum digitalen Trick: „Unser Waldsimulator bringt den Bürger hautnah in die Natur“, erklärt der Bergwaldförster weiter. Und dies ohne großen Aufwand. „Besucher sollen die Vorzüge, die Nutzung und Bedeutung unseres Waldes erfahren.“

Entspannt in der Mooswanne mit Wald-Rundumblick und Vogelgezwitscher auf den Ohren, stellt sich dann auch eine Entspannung ein. Freilich ist der wirkliche Besuch im Wald nicht mit dem virtuellen Kurztrip in Jägers Zelt zu vergleichen. Eine Erholungswelle, die bereits vor zwei Jahren aus Asien nach Deutschland geschwappt ist, nennt sich auch „Waldbaden“ (Lesen Sie dazu das Interview "Waldbademeisterin"). Jäger ist als Förster oft genug im Wald und weiß, wie schön es dort in Wirklichkeit sein kann: Ab und an übernachtet er dort – nur auf der Isomatte unter freiem Himmel. Es seien Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben, sagt Jäger.

Im Frühling sei der Morgen im Wald besonders schön, betont Jäger weiter. „Wenn um vier Uhr morgens die Sonne aufgeht, zwitschern aus allen Wipfeln verschiedene Vögel herunter.“ Und auch die Nacht besitze ihre ganz eigene Schönheit. Im Dunkeln treten dann Fledermäuse, Uhus und Kauze auf der Waldbühne auf. Und mit etwas Glück könne man manchmal auch Rehe und Rotwild aus dem Dickicht spähen sehen.

Genau diese Vielfalt wollte das AELF in der Woche des Waldes den Stadtmenschen mit ihrer virtuellen Waldoase ein bisschen näher bringen. Jäger sieht in der Aktion auch einen Zusammenhang zum erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Wie berichtet, ging es auch hierbei um Vielfalt versus Monokultur. „Die virtuelle Moosbadewanne soll Appetit machen, sich auch in der realen Welt mit dem Wald zu beschäftigen“, betont Jäger. „Die Natur steht für jeden offen.“ Freilich auch ohne Virtual Reality-Brille. Daniel Wegscheider

 

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