Miteinader Leben und Arbeiten

Eröffnung Café Miteinand: ein Inklusionsbetrieb für Gäste von jung bis alt

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Aufgetischt: Die Initiatorinnen Sabine Richter (2.v.r.) und Tanja Rudolph (3.v.l.) zusammen mit Montessori-Schülern, die das Café betreiben.

Bad Tölz – Kaffeebetriebe gibt es viele in der Kurstadt, doch dieser ist besonders: Nun hat das „Café Miteinand“ im evangelischen Gemeindehaus eröffnet – es ist ein Inklusionsprojekt, der von Schülern der Tölzer Montessori-Schule betrieben wird. Einmal pro Woche wird dort aufgetischt.

Ein weiß-rosa Einhorn wartet in der Spielecke, damit jemand mit ihm kuschelt. Und lange dauert es auch nicht. Nachdem die Kindergartenkinder Arche Noah ihr Lied „Einfach Spitze“ fertig gesungen haben, stürzten sie in die Spielecke und zerren, klappern und schmusen neben dem Fabelwesen-Plüschtier mit weiteren Spielsachen und haben Freude daran.

Pfarrer Johannes Schultheiß‘ Worte zur Eröffnung des „Café Miteinand“ im evangelischen Gemeindehaus gehen erst einmal unter bei dem Spiellärm. „Essen und Trinken kann Menschen verbinden, über Grenzen hinweg“, sagt er. Und das ist die Idee hinter dem neuen Kaffee, es handelt sich um ein Inklusionscafé, das Schüler der Tölzer Montessori-Schule betreiben. Dabei organisieren und gestalten sie alles selbst, freilich mit Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern. So werden die Kuchen am Tag vorher selbst gebacken, und im Café bedienen Schüler die Gäste, räumen ab und spülen das Geschirr. „Alles wie in einem echten Kaffeebetrieb“, erklärt Sabine Richter. Sie ist vom Verein „Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen“ und hat zusammen mit Tanja Rudolph die Idee für das „gemeinsame“ Café gehabt.

Gut, ganz neu ist die Idee allerdings nicht, sagt Richter. Als Vorbild galt den beiden nämlich das „Toms Café“ in Holzkirchen (Kreis Miesbach), dort gibt es das Inklusionsprojekt seit acht Jahren. „Das wollen wir hier nun aufbauen“, erklärt Richter weiter, und hat einen Traum: „Es wäre schön, wenn daraus ein richtiger Betrieb entsteht.“ Also eine Fortführung der Tätigkeit, damit der Schülerjob etwa in eine Festanstellung münden könne. Und die Schüler nicht, wie sonst üblich, in den Oberland Werkstätten unterkommen, sondern es in die freie Marktwirtschaft schaffen.

Für Richter haben die Jugendlichen Emily, Emma, Sonja, Sophie und Maxime im Alter von 15 bis 17 Jahren die Voraussetzungen dafür: „In ihnen steckt unheimlich viel Potenzial. Sie sind motiviert und voller Tatendrang“, lobt sie weiter. Damit das Inklusionscafé aber auch läuft, braucht es Gäste. „Alle können kommen“, sagt Richter. Mamas, die ihre Kinder in den Kindergarten nebenan bringen. Die Kindergartenkinder selbst, um hier ihre Brotzeit zu kaufen, Schülerklassen sind eingeladen und alle Senioren aus der Umgebung. Gerade für Letztere sei der Raum im evangelischen Gemeindehaus optimal, sagt Sabine Rest. Die Pfarramtssekretärin in Vertretung betont den großen Parkplatz vor dem Haus sowie die Ruhe und das günstige Angebot. Auch für Senioren steht die Einrichtung offen. So hätten sich bereits Rentner angemeldet, regelmäßig ihre Bridge-Runde dort zu verbringen.

Das „Café Miteinand“ sei vor allem aber auch ein Raum „zum Austauschen“, betont Richter. So können etwa Eltern, „die besondere Kinder haben, sich hier treffen, Fragen stellen und Tipps geben. Einfach sich gegenseitig austauschen und auch Probleme besprechen“. Und für die Jugendlichen mit Handicap sei es ein Ort, um sich für das Berufsleben auszuprobieren. „Menschen mit Beeinträchtigung gehören einfach dazu, dass Miteinander macht es aus.“ Daniel Wegscheider

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Das „Café Miteinand“ im evangelischen Gemeindehaus in Bad Tölz (Schützenstraße 10) hat jeden Donnerstag von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Angeboten wird dort auch Frühstück. Während der Schulferien gibt es keinen Betrieb. Weitere Infos: www.cafemiteinand.de.

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