Impfzentrum in Betrieb

Erstes Vakzin im neuen Impfzentrum - Mitarbeiter der Rettungsdienste machten den Anfang in Bad Tölz

Den ersten Pieks im Kampf gegen Corona erhält ein Mitarbeiter der Bergwacht im frisch eröffneten Impfzentrum in Bad Tölz
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Den ersten Pieks im Kampf gegen Corona erhält ein Mitarbeiter der Bergwacht im frisch eröffneten Impfzentrum in Bad Tölz
  • Franca Winkler
    vonFranca Winkler
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Landkreis/Bad Tölz – Das Impfzentrum an der Schützenstraße neben der Asklepios Stadtklinik in Tölz hat am Freitag mit der Arbeit begonnen, ab dieser Woche werden nun auch Termine vergeben. Am Eröffnungstag kamen zunächst Mitarbeiter der Rettungsdienste zur Impfung.

In dem Gebäude krabbelten früher Kleinkinder der Klinik-Mitarbeiter über die Flure, jetzt hat der spartanisch wirkende Komplex eine andere zukunftsweisende Funktion: hier wird dem Corona-Virus mittels Vakzin der Kampf angesagt.

In das Tölzer Impfzentrum mit der grünen Eingangstür kommen nur Personen die einen Termin haben. Trotz des Hinweises „Anmeldung vor Ort nicht möglich“, musste der Sicherheitsdienst bereits vor der Eröffnung einen älteren Herrn wieder nach Hause schicken. Landrat Josef Niedermaier appelliert hier an die Interessierten: „Wir wollen auch während der Impfung die Kontakte so gering halten wie möglich. Daher ist es wichtig, dass die Personen immer nur angemeldet ins Impfzentrum kommen.“

Einfahrt mit Blick auf das Impfzentrum in der Schützenstraße in Bad Tölz

Hat man einen Termin, darf nach der Anmeldung im Warteraum auf einem der sechs Stühle Platz genommen werden, um einen Anamnese-Bogen auszufüllen, wenn dies nicht schon bereits mit dem Hausarzt zusammen erfolgt war. Eine Tür weiter gelangen die zu Impfenden zu den Behandlungsräumen, in denen mögliche Allergien und Vorerkrankungen detailliert mit einem Arzt besprochen werden. Beide Impfkabinen sind jeweils mit einem Arzt und einer medizinischen Fachkraft besetzt.

Niedermaier zeigte sich begeistert, dass viele Ärzte aus dem Ruhestand zurückgekehrt sind und im Landkreis einspringen „und das mehr ehrenamtlich als mit einer Verdienstmöglichkeit.“ Dr. Rainer Jurda aus Wackersberg ist einer von ihnen. Für ihn stand sofort fest – er will helfen, zumal die „Spritze nur von einem Arzt gesetzt werden darf,“ betont er.

Impfbereitschaft im Landkreis steigt

Der Wackersberger Arzt erläutert, dass die Geimpften für 15 Minuten zur Beobachtung dableiben müssen. „Wir wollen sicherstellen, dass es den Geimpften gut geht. Denn wie bei jeder Impfung treten direkt im Anschluss Schwellungen oder auch Oberarmschmerzen auf,“ erklärt Dr. Rainer Jurda. Zu den Personen der höchsten Priorität gehören laut vom Bund festgelegten Regeln auch Mitarbeiter der Rettungsdienste. Im Tölzer Impfzentrum wurde am Freitagvormittag deshalb auch einem Angehörigen der Bergwacht die erste Dosis verabreicht. Weitere 49 Impfungen folgten im Lauf des Tages.

Landrat Niedermaier (rechts) und Maximilian Pfandl, Leiter vom Impfzentrum eröffnen das Impfzentrum in Bad Tölz

Landrat Josef Niedermaier hofft, dass es bald so richtig losgeht. „Die Impf-Abwicklung an sich hat sich verbessert und die Teams reagieren schnell und flexibel auf meist recht kurzfristige Lieferungen des Vakzins.“ Maximilian Pfandl, Leiter des Impfzentrums von der Aichacher Ambulanz, zeigte sich ebenfalls optimistisch: „Die Vergabe der Termine unter den registrierten Impfwilligen läuft in Wolfratshausen bereits sehr gut.“ Mittels der BayIMCO-Software werden Personen der höchsten Priorität entsprechend der Anzahl der verfügbaren Impfdosen herausgefiltert und werden für die Verabreichung kontaktiert. „Meist erfolgt das per SMS oder per Anruf,“ erläutert Pfandl. In der kommenden Woche werden etwa 200 Dosen Modena und 1.100 Dosen Biontech-Impfstoff angeliefert. Eine Lieferung von Astrazeneca soll es auch noch geben, „aber wir wissen noch nicht wann der kommt,“ so Pfandl weiter.

Dass auch bei einem Hausbesuch der Impfstoff an nicht mobile Härtefälle verabreichen werden kann, ist noch Zukunftsmusik. Der Aufwand sei aktuell noch zu hoch, da für den Aufbau von Laptop, Aufklärungsgespräch, Impfung und Beobachtung im Anschluss etwa eine knappe Stunde Zeit benötigt werde. Niedermaier versprach aber, das sicher eine Lösung gefunden wird. Er berichtete davon, dass „viele ältere Menschen geimpft werden wollen.“ Der Landrat beschrieb einem Impftermin, bei dem die geimpften Personen im Anschluss einen regelrechten Stimmungsumschwung gezeigt hätten. „Sie waren richtiggehend erleichtert und optimistisch.“

In der Impfkabine des Impfzentrums Bad Tölz ist immer ein Arzt und eine medizinische Fachperson beim Impfwilligen.

Impfbereitschaft in Pflegeeinrichtungen

Als Ende 2020 der Startschuss für die ersten Corona-Impfungen in Pflegeeinrichtungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen begonnen hatte, war die Bereitschaft sich impfen zu lassen eher zögerlich. Großangelegte Aufklärungskampagnen und das Ausbleiben direkter Nebenwirkungen in großer Zahl haben das offensichtlich verändert. Das Gelbe Blatt hat sich in Pflege- und Seniorenheimen umgehört und die Verantwortlichen zur Impfsituation befragt. Der Aufwand, Bewohnern und Mitarbeitern die Möglichkeit zum Impfen bieten zu können, kam einem großen Kraftakt gleich – was nicht zuletzt am Zeitpunkt lag, denn die ersten Wirkstoffe wurden rund um die Feiertage verimpft.

Richard Stoll, Leiter des Tölzer Pater-Rupert-Mayer-Heims, berichtete, dass die Aufklärung das A und O gewesen sei. Er selbst hat intensive Gespräche mit seinen Mitarbeitern geführt, sodass mittlerweile 80 Prozent der Belegschaft und 70 Prozent der Bewohner geimpft worden seien. Jetzt warte man auf die Verfügbarkeit von weiteren Impfdosen, denn es gebe weitere Interessenten.

Auch Heimleiter Theodor Heffner des Caritas Altenheims St. Hedwig in Geretsried berichtet von einer gestiegenen Bereitschaft zur Impfung: „Wenn es mehr Vorlauf gegeben hätte und der Spielraum bei den Terminen größer gewesen wäre, läge die Quote der bereits Geimpften bei etwa 90 Prozent“. Aktuell sind über 80 Prozent der Bewohner und rund 55 Prozent der Mitarbeiter der Einrichtung geimpft. Auch wenn die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt sehr kooperativ sei, so fühle sich Heffner doch etwas allein gelassen. „Der Einrichtungsalltag läuft parallel zur Impf-Organisation. Ressourcen müssen freigestellt werden, die dann an anderer Stelle fehlen,“ berichtet er.

Im Pflegeheim Lenggries wäre die Impfquote höher, wenn es wieder eine Verfügbarkeit geben würde. Derzeit sind etwa 80 Prozent der Bewohner und knapp 20 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Auf der Warteliste stehen aber laut Heimleiter Ingo Kühn noch einige.

Im AWO Seniorenzentrum Wolfratshausen wird ebenfalls sehnsüchtig auf weitere Impfdosen gewartet, seit im Rahmen der Aktion „Ärmel hochkrempeln“ mehrere Mitarbeiter auf ihren Termin warten. Gabi Stauhal, zuständig für Qualität und Ethik im AWO Zentrum im Paradiesweg, sagte, dass durch die großangelegte „Aufklärungskampagne unter anderem zur Wirkungsweise des Vakzins eine erhöhte Bereitschaft erkennbar ist.“

Franca Winkler

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