Die Geschichten-Schneiderin

Erzählerin Ursula Weber schlägt ein neues Kapitel als Autorin auf und erzählt dabei wo Märchen leben

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Ursula Weber liebt Märchen und die Natur.

Landkreis – Geschichten erzählen ist ihre Leidenschaft: Ursula Weber (48) aus Bad Tölz ist ausgebildete Zeitungs- und Rundfunkjournalsitin und hat zudem in Religionspädagogik ihr Diplom gemacht. Im Alpenraum ist sie als Erzählerin bekannt und auf unterschiedlichen Bühnen unterwegs. Durch ihre zweite Leidenschaft, Zeit in der Natur zu verbringen, entstand nun ihr regionaler Tourenführer „Wandern auf märchenhaften Pfaden“.

Frau Weber, sie sind hierzulande bekannt als gute Erzählerin von spannenden Kindergeschichten und Märchen. Nun haben sie ein Wanderbuch veröffentlicht – sozusagen die Seiten vom Erzähler zum Autor gewechselt: Können sie auch gut und spannend schreiben?

„Es tatsächlich etwas anderes: Man muss anders schreiben, als erzählen. Beim Erzählen spreche ich Mundart. Schriftlich habe ich meine Erzählungen aber in Hochdeutsch verfasst, damit auch Urlauber und Nicht-Einheimische sie verstehen können (lacht). Es hat sehr viel Spaß gemacht, Sagen und Märchen, die oftmals spröde niedergeschrieben sind, in meine Erzählform zu gießen. Ich habe lebendige Geschichten daraus geschneidert.“

Apropos: Warum verfassen sie eigentlich keine eigenen fantastische Geschichten?

„Mein Herzblut steckt in alten Geschichten. Weil sie oft eine herrliche Tiefe und Lebenswürze haben. Und manchmal einen erfrischenden Schalk im Nacken, der zeitlos ist. Viele Sagen haben ihren Ort im Oberland und ich finde es spannend was sich die Leute darüber seit Jahrhunderten erzählen.“

Was ist ihre Lieblingsgeschichte im Buch und warum?

„Es ist die Wilderer-Geschichte um Johann ‚Lampl‘ Berger und seinem kühnen Sprung vom Gipfel des Leonhardsteins (Anm. d. Red: ein 1.452 Meter hoher Berg bei Kreuth am Tegernsee). Eine Sage, die den bayrischen Freiheitsgedanken aus der Zeit des 19. Jahrhundert schildert. Als König Max I. Joseph von Bayern 1817 das Kloster am Tegernsee gekauft hatte, hat sich das Tal touristisch verändert. Aber die Bauern und Lampl haben sich das nicht einfach gefallen lassen und auf ihre Weise Pfründe gesucht. Die Geschichten zu meinen Wandertouren sollen die Besonderheiten ihrer Orte lebendig werden lassen.“

Sie nehmen ihre Leser mit auf Wanderschaft: „Vom Werdenfelser Land bis zum Wendelstein“ hinauf. Da sind sie ja weit herumgekommen: alles selbst erwandert?

„Ja. Und manche Touren bin ich sogar mehrmals gegangen, weil das Wetter umgeschlagen hatte. Es war aufwendig, aber hat mir auch viel Freude gemacht. So habe ich das Oberland nochmal neu kennen und lieben gelernt.“

15 Touren stecken im Wanderführer. Darin beschreiben sie zuerst die jeweiligen Routen, danach folgt ein Infokasten mit maßstabsgetreuer Karte und jedes Reiseziel schließt mit zwei bis drei fabelhaften Geschichten dazu ab. Wie haben sie Letztere recherchiert?

„Es gibt bereits viele verschiedene Sagensammlungen und -Bücher aus dem Oberland und Alpenraum von Autoren wie Gisela Schinzel-Penth und dem Österreicher Helmut Wittmann. Daraus habe ich die Erzählungen und Geschichten zusammengetragen.“

Wie entstand eigentlich die Idee, ein Wanderführer mit Geschichten zu veröffentlichen?

„Der erste Gedanke kam mir vergangenes Jahr beim internationalen Storytelling-Festival. Dafür war ich in ganz Österreich zwei Wochen auf Tournee und habe bayrische Sagen und Märchen erzählt. Als ich zurückkam, war ich viel beim Wandern, da Natur für mich ein Erholungs- und Rückzugsort ist. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele meiner regionalen Geschichten, die ich erzähle auch ihre festen Orte haben. Dann fügte sich die Wanderlust zur Erzählkunst.“

Das Gespräch führte Daniel Wegscheider

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„Wandern auf märchenhaften Pfaden: 15 Touren und 30 Geschichten“ (184 Seiten) ist im Volk Verlag erschienen und gibt es im Buchhandel für 16,90 Euro zu kaufen.

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