Auf explosiver Spurensuche in der Lausitz

Zurück in die Vergangenheit ging es kürzlich für 15 Geretsrieder, darunter auch Mitglieder des Arbeitskreises Historisches Geretsried und des Fördervereins Geretsrieder Heimatmuseum. Sie alle nahmen an der Studienfahrt in die Lausitz der Volkshochschule Waldkraiburg teil, die der dortige Stadtarchivar Konrad Kern leitete.

Zur Waldkraiburger Gruppe stiegen in Geretsried 15 Teilnehmer in den Bus, darunter Stadträtin Gabriele Riegel, Kulturamtsleiterin Anita Zwicknagl und neben den Geretsrieder Vereinevertretern auch Interessierte des Historischen Vereins Wolfratshausen. Erste Anlaufstelle war Dresden, wo freilich die wiederhergestellte Frauenkirche im Mittelpunkt des Interesses stand. Die Delegation staunte nicht schlecht, über den Wiederaufbau des Gotteshauses, das bei der Bombardierung im Februar 1945 nahezu völlig zuerstört wurde. Nach Ankunft in Forst wurden die Oberbayern von Vertretern des Vereins „Land & Leute, Region Lausitzer Neisse“ in Empfang genommen. Dabei stimmte Norbert Lübke die Besucher in einem Lichtbildervortrag auf die Besichtigung des ehemaligen Pulverwerkes der Deutschen Sprengchemie (DSC) in Scheuno im heutigen Polen ein – einem Höhepunkt für die Reisegruppe, betrieb die DSC doch auch in Geretsried und Waldkraiburg solch ein Munitionswerk. Während in Waldkraiburg Schießpulver hergestellt wurde, war der Geretsrieder DSC-Betrieb im Wesentlichen ein Press- und Mischbetrieb für Pionier- und Sprengstoffladungen. Und Ingolf Zägel von „Land & Leute…“ erinnerte an die Blütezeit von Forst, dem „Manchester Deutschlands“ mit über 400 Fabriken. Auch informierte er über den weiteren Werdegang Forsts samt der Abtretung deutscher Gebiete östlich der Oder-Neisse-Linie, im Zuge derer Forst Grenzstadt wurde und die östliche Hälfte seines Stadtgebietes verlor. Und eben dort wurden längst alle Gebäude abgerissen. Nur noch Reste des ehemaligen Stadtbrunnens und Fragmente einer Straßenlampe erinnern an bessere Zeiten, was die Reisedelegation schwer beeindruckte. Wenige Kilometer entfernt fanden die Besucher die ehemalige Wachstation des verlassenen und vollständig ausgeweideten Pulverwerkes vor. Auch diese Relikte standen auf dem Reiseprogramm, dem sich inzwischen der polnische Gebietsbürgermeister angeschlossen hatte. Vor Ort befanden sich die Reisebegleiter aus Forst, Eberhard Detert und Norbert Lübke, voll in ihrem Element: Sie kennen jedes Gebäude, seinen ehemaligen Verwendungszweck, wissen wo unverschlossene Kanalschächte, Lüftungsaustritte und ähnliches sind. Und unverschlossen ist alles, was nämlich in irgendeiner Art und Weise verwendbar war, wurde im Laufe der Zeit entfernt; selbst die Fliesen an den Wänden und Schamottsteine wurden abgebrochen. Aufmerksam nahmen die Geretsrieder alle Gebäude und Details in Augenschein. Aus gutem Grund: Denn während die Gesamtanlage mit dem ehemaligen Pulverwerk Kraiburg weitestgehend identisch ist, verhält es sich im Vergleich mit Geretsried bis auf wenige Gebäude (wie Verwaltung- und Wohlfahrtsgebäude, Kesselhaus und Turbinengebäude, Feuerwehrgebäude samt Schlauchtrockenturm und Transformatorenstationen) anders. Zumindest geht das aus über 1.200 Originalplänen im Waldkraiburger Archiv hervor, die belegen, in welchen DSC-Werken baugleiche Gebäude errichtet wurden. Nachforschungen dazu wollen die Geretsrieder Teilnehmer demnächst im Archiv führen. Neben einer Besichtigung des Textilmuseums in Forst stand noch eine Film-Vorführung über die Lausitz an; und vor allem die Bildpräsentation zum Thema „Bunker“ durch Christel Focken, Vorsitzende des Bundesverbandes der privaten Historiker Deutschlands. Sie lieferte eindrucksvolle Ansichten der Wolfsschanze und dem Ostwall. Tagsdarauf stand eine Fahrt zum ehemaligen DSC-Standort Moschwig auf dem Programm. Und auch hier war sichtbar, was in der DDR allen DSC-Standorten drohte: Eine systematische Zerstörung durch die Rote Armee. Nach einer mehrstündigen Fahrt erreichte die Delegation wieder Geretsried – und am Ende gab es neben einem gebührenden Dank an die Waldkraiburger für die Möglichkeit zur Teilnahme ´an der Exkursion vor allem eines: Jede Menge Gesprächsstoff und allzu viele Erinnerungen. Wie gemacht für die derzeitgen Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum.

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