Muskelkater statt Blutkrebs

An der Fach- und Berufsoberschule Tölz lassen sich Schüler typisieren

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Lukas Weber (stehend) informierte die Schüler der FOS/BOS über die Diagnose Blutkrebs in der vollbesetzten Aula der Schule.

Bad Tölz – Schüler retten Leben: Zum zweiten Mal fand an der Fach- und Berufsoberschule Tölz eine Typisierungsaktion für den Kampf gegen Blutkrebs statt. Rund 200 Schüler nutzten den Aktionstag der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und ließen sich in die Kartei für potenzielle Spender aufnehmen – mittels Abstrich per Wattestäbchen.

Greta war gerade einmal drei Jahre alt, als sie an den Folgen einer Blutkrebserkrankung verstarb. Michele, 14 Jahre, hatte Glück. Für sie konnte ein geeigneter Stammzellenspender gefunden werden. Heute arbeitet die jetzt 21-Jährige als Krankenpflegerin. Zwei Personen, zwei unterschiedliche Schicksale, die aber eines verdeutlichen sollen: Leukämie kann Jeden treffen. Die Krankheit bekämpfen kann nur eine geeignete Knochenmark- oder Stammzellenspende.

Dafür ruft die DKMS auf: In der vergangenen Woche war Sportstudent Lukas Weber für die Registrierungsaktion der DKMS an der Tölzer Fach- und Berufsoberschule. Dort informierte er die Schüler über die Krankheit und animierte sie, sich typisieren zu lassen. Auch wenn seit dem Jahr 1991 die Zahl der registrierten Spender bei der DKMS von 3.000 bis 2018 auf mehr als 8,5 Millionen Spender angestiegen ist, seien dies immer noch zu wenig, berichtete Weber weiter.

Den Grund verdeutlicht die Zahl 1, die der Zahl 20.000 gegenübersteht: Das ist laut DKMS nämlich die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender außerhalb der eigenen Familie zu finden. In Anbetracht, dass in Deutschland alle 15 Minuten ein Patient die Diagnose Blutkrebs bekommt, sei das wie die Suche nach der bekanntlichen „Nadel im Heuhaufen“, betonte Weber. Lehrer Holger Macht war der Initiator, der die Typisierung an die Schule holte: „Heute habt ihr die Möglichkeit und könnt leben retten“, sagte er zu den Schülern in der vollbesetzten Aula. Getreu dem Motto der DKMS: „Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein.“ Dazu hatten die Schüler die Möglichkeit im Anschluss an Webers Vortrag. In zwei Klassenzimmer lagen die Formulare und Wattestäbchen bereit. „Rund 200 Schüler nutzten die Gelegenheit“, berichtete Lehrerin Angelika Schuhbeck. 

„Nur ein blauer Fleck“

Wie wichtig eine Typisierung ist, darüber berichtete Angelika Schuhbeck: Bereits 2016 nahm die Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) an der DKMS-Aktion teil, bei der sich damals 322 Schüler und Lehrer registriert hatten. „Zwei der Schüler konnten danach mit einer Stammzellenspende bereits Leben retten“, so die Lehrerin für Wirtschaftsfächer weiter.

Um die Schüler in der Aula der FOS/BOS auf die Typisierung vorzubereiten, berichtete Florian Hagemann aus Miesbach, wie er es an sich selbst erlebt hat. Denn Hagemann hat sich 2014 in der Kartei der DKMS als potenzieller Spender aufnehmen lassen, nachdem er einen Bericht über Blutkrebs im Fernsehen angeschaut hatte. Danach hat sich Hagemann online informiert und sich ein Registrierungsset für den Wangenabstrich zukommen lassen. Vergangenes Jahr wurde Hagemann dann aufgerufen zu helfen. Sein Hausarzt übernahm die notwendigen Voruntersuchen bevor er nach Nürnberg in die Klinik fuhr, um sich dort bei einer Vollnarkose aus dem Beckenkamm Stammzellen entnehmen zu lassen.

Generell gebe es zwei Methoden zur Stammzellenspende: Bei der sogenannten Periphere Stammzellenentnahme, die bei rund 80 Prozent der Fälle angewendet wird. Dabei wird dem Spender über fünf Tage ein Medikament verabreicht, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. Danach werden diese über ein spezielles Verfahren direkt aus dem Blut entnommen.

Das zweite Verfahren ist die Knochenmarkenentnahme, die auch bei Hagemann angewendet wurde. Dabei werden dem Spender bei Vollnarkose aus dem Beckenkamm rund fünf Prozent seines Knochenmarks entnommen. „Welches Verfahren angewendet wird, richtet sich nach den Belangen des Patienten“, erklärte Hagemann. Allerdings werde auch auf die Wünsche des Spenders eingegangen.

Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als Stammzellenspender registriert werden. Man sollte mindestens 50 Kilogramm schwer sein und kein starkes Übergewicht haben. (BMI: nicht mehr als 40 betragen), was „schon sehr starkes Übergewicht ist“, betonte Lukas Weber von der DKMS. Personen, die aufgrund einer chronischen Krankheit regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, können nicht spenden. Auch Vorerkrankungen wie Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten fallen als potenzielle Spender aus. Generell sollten Spender „für beide Entnahmearten offen sein“, erklärte Weber.

Die Entnahme war für Weber nicht schlimm: „Es fühlt sich an wie ein Muskelkater mit einem blauen Fleck“, sagte er zu den Schülern. Und er appellierte an sie: Es sei eine Chance für Blutkrebserkrankte. „Aber es ist deren letzte Chance.“Daniel Wegscheider

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Informationen zur Stammzellenspende gibt es online auf der Homepage der Deutschen Knochenmarkspende (www.dkms.de) sowie unter Tel: 07071/943-1499. Die DKMS nimmt auch Spenden entgegen, da jede Registrierung den gemeinnützigen Verein 35 Euro kostet. Spendenkonto: Kreissparkasse Tübingen. IBAN: DE64 6415 0020 0000 2555 56; BIC: SOLADES1TUB.

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