"Es macht Sinn, sich impfen zu lassen"

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Benedikt Greutélaers an seinem Arbeitsplatz im Tölzer Landratsamt.

Landkreis – Jedes Jahr rollt sie wieder – die Grippewelle und lässt Betroffene Schlottern, Husten und Schnäuzen. Benedikt Greutélaers ist Facharzt für Humanmedizin im Tölzer Gesundheitsamt. Im Interview spricht der 42-jährige Mediziner über die Gefahren einer Grippe, aber auch darüber, wie sich der Einzelne davor schützen kann.

Herr Greutélaers wie sieht die derzeitige Situation von Grippe-Erkrankungen im Landkreis aus?

„Bevor man sich die Zahlen anschaut, muss man wissen, dass für die Influenza nur eine Labormeldepflicht besteht. Es hängt also immer davon ab, ob der behandelnde Arzt überhaupt einen Labortest macht. Und da weiß man aus Erfahrung, dass viele Ärzte das gar nicht machen, weil es im ambulanten Bereich auch keine Konsequenz für die Therapie hat.“

Wie viel gemeldete Grippe-Erkrankte in Zahlen gibt es laut den Labortests?

„Bis heute wurden im Landkreis seit Jahresbeginn 39 laborbestätigte Influenza-Fälle erfasst. Im selben Zeitraum 2017 waren es 42.“

Wie hoch ist die Grippe-Impfbeteiligung im Landkreis?

„Hierzu können wir leider keine Angaben machen, da uns keine entsprechenden Daten vorliegen.“

Wer sollte sich impfen lassen und warum?

„Die Ständige Impfkommission, kurz Stiko genannt, am Robert-Koch-Institut empfiehlt vor allem Risiko-Gruppen die Impfung. Also Menschen über 60 Jahre oder mit chronischen Erkrankungen. Auch Schwangeren wird nahegelegt, sich gerade ab dem zweiten Abschnitt der Schwangerschaft impfen zu lassen. Grundsätzlich ist eine Impfung auch für alle Beschäftigen im Gesundheitswesen und in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr ratsam.“

Draußen ist es momentan abwechselnd nass und kalt, dann wieder warm: Ist es jetzt ratsam, sich impfen zu lassen?

„Der optimale Zeitpunkt für die Impfung ist eigentlich im Herbst. da es zehn bis 14 Tage dauert, bis sich der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Aber auch jetzt macht es noch Sinn, sich impfen zu lassen. Weil sich die Eigenschaften der Viren jedes Jahr verändern, muss man sich gegen den Grippevirus jedes Jahr aufs Neue impfen lassen. Seit Januar empfiehlt die STIKO für alle genannten Personengruppen die Impfung mit einem Vierfach-Influenzaimpfstoff.“

Erklären Sie den unterschied zwischen der Dreifach- und Vierfach-Impfung?

„Die Impfstoffe unterscheiden sich hinsichtlich der Zielgruppe, der Art der Verabreichung und auch in Bezug auf die Anzahl der enthaltenen Virusvarianten. Dreifach-Impfstoffe beinhalten Antigene von zwei A-Varianten und einer B-Variante. Vierfach-Impfstoffe beinhalten dieselben Antigene wie die Dreifach-Impfstoffe und zusätzlich die Antigene von einem weiteren B-Virus.“

Was bedeuten die beiden Typen A und B für den Laien?

„Als saisonale Grippeviren zirkulieren Influenza A- und Influenza B-Viren. Von Saison zu Saison unterscheidet sich, welches Virus am häufigsten vorkommt. Die drei Arten von Grippeviren haben viele Gemeinsamkeiten. Alle drei können das ganze Spektrum von relativ leichten bis hin zu schwereren Krankheitsverläufen und sogar Todesfällen verursachen. In mancher Hinsicht unterscheiden sich die Viren jedoch – etwa in der Erkrankungshäufigkeit in bestimmten Altersgruppen.“

Übernehmen alle Krankenkassen die Impfkosten?

„Leider bezahlen nicht alle Krankenkassen die vierfach-Impfung. Im Zweifel sollte man nachfragen."

Wie lange dauert die „Grippesaison“ noch?

„Die jährliche Grippewelle hat in den vergangenen Jahren meist im Januar begonnen und drei bis vier Monate gedauert. Die Dauer und Schwere einer Grippesaison lässt sich nicht genau vorhersagen.“

Wie kann sich der Bürger sich schützen?

„Sich gründlich die Hände mit Seife waschen und danach mit einem sauberen Tuch abtrocknen. Außerdem sollte man auf Abstand gehen und bei Grippewellen keine Hände schütteln. Mit Händen sollte man auch nicht Augen, Mund und Nase berühren. Diejenigen, die schon erkrankt sind, sollten sich beim Husten und Niesen den Mund und die Nase mit dem Ellenbeugen, und nicht mit der Hand zu halten. So verhindert man, dass sich der Erreger weiter verbreitet. Außerdem ist es auch für Erkrankte wichtig, Zimmer regelmäßig zu lüften.“

Die Fragen stellte Daniel Wegscheider

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