„Corona ist nicht Ebola“

Feuerwehrschulleiter René Mühlberger blickt demütig auf das Jahr 2020 zurück

René Mühlberger
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René Mühlberger ist der Schulleiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried.

Geretsried – Gleich zu Beginn des neuen Jahres lassen wir Persönlichkeiten aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu Wort kommen. Im Gespräch berichtet der Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried René Mühlberger.

In der Reihe „Wie geht‘s..?“ fragen wir Landkreis-Persönlichkeiten, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie das Jahr 2020 beschreiben und in einem Satz erläutern warum?

„Ich würde das Jahr als ambivalent bezeichnen mit einerseits sehr stillen Momenten, gerade während des ersten Herunterfahrens des öffentlichen Lebens mit leeren Straßen und Plätzen und andererseits zugleich die kräftezehrenden und personalintensiven Anstrengungen mit unzähligen Terminen und Besprechungen zur Pandemiebewältigung, insbesondere bei der Beschaffung von Schutzausrüstung für den medizinischen und pflegerischen Bereich, in die ich beruflich eingebunden war.“

Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt: berichten Sie…

„An der Feuerwehrschule Geretsried haben wir zu Beginn des Jahres in Erinnerung an die Influenza-Pandemie 2009/10 (Neue Grippe), das Personal und die Teilnehmer in einem ersten Schritt an die üblichen Hygieneregeln erinnert. Die Feuerwehrschulen wurden zudem schrittweise für die Pandemiebewältigung zur Unterstützung des Innenministeriums herangezogen. Ab Mai folgte mit einem Stufenkonzept behutsam die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs. Jetzt begleiten wir mit ein paar Unterstützungskräften die Regierungen von Oberbayern und Schwaben bei der Koordination der Impfzentren.“

Welche Nachteile hat ihnen die Corona-Pandemie eingebracht?

„Mit Blick auf die Sicherheit meines Arbeitsplatzes muss ich mich als feuerwehrtechnischer Beamter im Dienst des Freistaats Bayern dagegen immer wieder in Demut üben und dafür kann man auch ungewöhnliche und längere Dienst- und Einsatzzeiten klaglos akzeptieren. Es gibt viele Menschen, die aufgrund der Pandemie in existenzielle Not geraten sind oder werden.“

Können Sie aus der Krise auch etwas Positives für sich herausziehen?

„Es hat mich sehr beeindruckt, was Menschen in besonderen Situationen zu leisten im Stande sind, insbesondere was den medizinischen und pflegerischen Bereich, die Sicherheitsbehörden und Einsatzorganisationen in Bayern und natürlich den engagierten Einsatz der Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehrschule Geretsried betrifft. Es erfreut mich als Dienststellenleiter sehr, dass man sich in diesen Momenten auf seine Belegschaft absolut verlassen kann.“

Gibt es ein spezielles Ereignis, dass sie persönlich beeinflusst hat?

„Ich kann jetzt keinen besonderen Moment nennen aber die Pandemie hat uns schon deutlich vor Augen geführt, das die gefühlte Stabilität unserer gewohnten Strukturen und täglichen Abläufe, kurz unseres Alltags eine trügerische ist. Wir waren in Bayern bisher einfach unter sehr glücklichen Umständen von so massiven Beeinträchtigungen verschont. Und jetzt ist Corona nicht Ebola.“

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

„Es zeigt sich in der Corona-Pandemie, dass Kommunikation ein für die Gesellschaft zentrales Thema ist, Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, Politikern, Medien und Bürgern. Es erschreckt mich, dass es inmitten einer weltweiten Pandemie gesellschaftliche Inseln mit anderen Wahrheiten oder Wahrnehmungen gibt. Es gab Zeiten, da konnte man sich eine Zeitung oder eine Nachrichtensendung im Rundfunk oder Fernsehen ohne Greta Thunberg gar nicht mehr vorstellen und dabei sollte es nicht um eine Person, sondern um den Klimawandel gehen. Und nun hat Corona den Scheinwerfer der medialen Aufmerksamkeit völlig neu ausgerichtet. Und das ist das Thema, die Probleme im Dunkeln sind ja nicht gelöst.“

Wie sehen Ihre konkreten Pläne für 2021 aus?

„Das Jahr 2020 hat uns ja sehr effektiv vorgeführt, wie haltbar Planungen sind. Mit Plänen verbindet sich auch die Hoffnung, diese umzusetzen. Ich wünsche mir für 2021 einen Silberstreif an Normalität am Horizont, wie immer dieser mit oder nach Corona auch aussieht.“

Die Fragen stellte Daniel Wegscheider

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